Kaffeehausgespräche – mit Mark Seibert

DerKulturblog - Mark Seibert

Foto © F. Böhle

Frühaufsteher oder Morgenmuffel?
Ganz klar Frühaufsteher – eher selten in meinem Job.

Kaffee oder Tee? Wie sieht die erste Stunde deines Tages aus?
Das wechselt. Mal ist es ein Espresso vorm Sport und mal ein Frühstück mit Tee und den Kaffee danach.

Du bist ja auf nationalen und internationalen Bühnen zuhause, zuletzt auch bei der Wiederaufführung von „Elisabeth – Das Musical“ vor der phantastischen Kulisse von Schloss Schönbrunn in Wien mit über 22.000 Zuschauern. Wie ist das vor so einem großen Publikum zu spielen?
Ehrlich gesagt, ist es ab einer gewissen Grösse schon egal, ob es 10.000 oder 22.000 Zuschauer sind. Aber ich muss gestehen, dass die Kulisse auch von der Bühne aus sehr imposant war. Ein Erlebnis!

Reizen dich neben großen Produktionen wie in Wien oder bei Stage Entertainment auch kleinere Projekte und warum?
Natürlich! Ich singe tatsächlich mal vor – wie eben angesprochen – tausenden von Zuschauern und mal auch ganz intim vor nicht mal 100. Es ist beides eine große Herausforderung, je nachdem wie gut man geprobt hat und wie routiniert man mit dem Projekt ist. Ich liebe es, da flexibel zu bleiben und nehme einfach das an, was mir Spaß macht.

Aktuell bist du ja in Hamburg bei Pretty Woman als „Edward Lewis“ zu sehen und zu hören. Wie ist es in die Fußstapfen von Richard Gere zu treten, wobei der sicher nicht so großartig singen kann 🙂
Das weiß ich nichtmal 🙂
Ehrlich gesagt mache ich mir um Richard Gere gar nicht so viele Gedanken . Es ehrt mich sehr, dass ich der erste deutsche Edward Lewis sein darf und versuche, die Rolle so gut es geht zu erfüllen. Parallelen zu Richard Gere wird es sicher geben, aber es soll kein Abklatsch werden und es ist ein komplett anderes Medium, in dem wir die Geschichte erzählen.

Auf was dürfen sich die Zuschauer bei „Pretty Woman“ freuen?
Auf eine süße, zeitlose Liebesgeschichte und viele, viele Deja Vus aus dem Film. Aber auch Neues – nicht zuletzt die poppige Musik von Bryan Adams, die ich persönlich sehr mag. Und eine Cast, die ziemlich mitreißen kann. 🙂

Deine Lieblingsszene / Lieblingssong bei dem Stück?
Ich liebe mein Solo FREIHEIT im ersten Akt sehr. Schauspielerisch ist das ein interessanter Wendepunkt, an dem Edward entdeckt, dass es abseits seines bisherigen Lebens als knallharter Geschäftsmann Dinge gibt, die seine tiefsten Sehnsüchte stillen könnten. Er realisiert, dass ihm eine im Leben vermeintlich gescheiterte Strassennutte einiges beibringen kann.

War Musicaldarsteller schon von klein auf dein Berufswunsch?
Nein…gar nicht. Ich habe übrigens den Umweg über ein BWL Studium genommen, was auch ein spannendes Feld ist. Aber rückblickend wundert es mich nicht, dass ich nach so vielen Jahren als Kind und Jugendlicher auf der Bühne und mit musikalischen und künstlerischen Hobbies diesen Weg eingeschlagen habe.

Gab es eine Rolle, die eine besondere Herausforderung für dich war?
Jede Rolle hat ihre Hürden, die es zu nehmen gilt.
Ich denke, dass gerade Graf von Krolock in Tanz der Vampire ein neues und ungewohntes Fach für mich war. Denn ich musste mich von der Version meiner Vorgänger bewusst lösen, da ich weder deren Stimmfarbe und teilweise auch nicht deren Alter hatte. Aber ich bin sehr stolz, dass ich eine Version etablieren konnte, die mir ehrlich und passend für die Show erschien. Und genau an solchen Herausforderungen wächst man als Schauspieler und Sänger.

Welche Musik hörst du unterwegs oder auf dem Weg ins Theater?
Da ich mich beruflich mit so viel Musik beschäftige, überlasse ich zu Hause und im Auto die Auswahl der Playlist sehr gerne dem jeweiligen Radiosender. Auch beim Sport bin ich noch einer der wenigen, der keine Kopfhörer im Ohr hat. Ich mag einfach keine Auswahl erstellen. Es reicht schon, wenn ich das für alle möglichen Konzerte machen muss. 🙂

Hast du einen Lieblingsplatz in Hamburg?
Ich lebe direkt an der Außenalster und liebe es dort. Ein Erholungsgebiet mitten in der Stadt. Dort dreh ich auch regelmässig meine Laufrunden.

Die Musicalszene ist aktuell im Umbruch und es werden momentan leider viele Spielorte geschlossen. Was glaubst du, ist der Grund dafür?
Ganz klar! Der Markt ist mehr als gesättigt. Vor zwanzig, dreißig Jahren gab es wenige Theater, die das Musical aus den USA und London in Deutschland und Wien groß gemacht haben. Musical wurde zum breitgefächerten Freizeit Entertainment und ein Publikums-Boom setzte ein. Auf den Zug sind etliche Produzenten und Theater aufgesprungen. Heute kann man Musicals von höchst professionell für hunderte von Euros bis zur Laientruppe in der Aula einer Gesamtschule für fünf Euro anschauen. Beides ist Musical und ich will damit nicht einmal sagen, dass teurer immer gleich besser ist. Aber der Markt ist komplett überfüllt und es wird schwerer und schwerer, sich von der Masse mit seinen Shows und Konzerten abzusetzen, denn gerade Konzertformate übertreiben in ihrer PR oftmals maßlos und bieten eigentlich alle ohne Ausnahme die grössten und erfolgreichsten Originalsänger aus den Shows an. Das Publikum wird meiner Meinung nach hier und da bewusst getäuscht.

Und nicht zu vergessen: Durch immer günstigere Flugreisen sind auch London und New York mittlerweile eine ernst zu nehmende Konkurrenz für den deutschsprachigen Markt.

DerKulturBlog - Mark Seibert

©F. Böhle

Würden dich auch Rollen im TV als Schauspieler interessieren?
Natürlich ist das spannend. Aber gar nicht so leicht umzusetzen, da das Film- und TV-Geschäft deutlich kurzfristiger plant als Theater. Ich habe das große Glück, meist schon für viele Monate ausgebucht zu sein. Daher musste ich alle Anfragen für Drehs und TV-Castings in der Vergangenheit ablehnen. Wenn man als TV Schauspieler arbeiten will und nicht zu den TopTen in Deutschland gehört, ist man leider etwas dazu verdammt, sich verfügbar zu halten. Das kann und will ich bei so einer guten „Auftragslage“ nicht. Aber spannend wäre es schon.

Du bist ja jetzt nicht gerade unbekannt, wirst du oft gefragt „darf ich kurz ein Selfie machen? Wie gehst du damit um? Gibt es Momente in denen du auf keinen Fall angesprochen werden willst?
Grundsätzlich bin ich da recht offen und unkompliziert, glaube ich. Man darf mich immer fragen. Natürlich kann es auch mal sein, dass es mir gerade nicht passt…vor allem im Regen vor der Bühnentür, wenn der Andrang  zu groß wird oder ich es eilig habe. Da hab ich nicht immer Lust und sage das dann auch und hoffe, dass das auch mal ok ist.

Du warst lange Zeit bei Tanz der Vampire, das Musical, das ja eigentlich beendet wurde, aber jetzt doch wieder durch die Musical Häuser „getrieben“ wird. Würdest du sagen irgendwann muss auch mal Schluss sein mit TdV?
Ich finde es ok, ein Stück zu spielen, solange es das Publikum sehen will. Die Musicalbranche ist Kunst aber zugleich hoch kommerziell. Im Supermarkt nimmt man ja auch nicht die Bestseller aus dem Sortiment, um sie rar zu halten. Ich verstehe die ganze Aufregung im Netz und die Diskussion, ob ein Stück nicht mal pausieren sollte, nur bedingt. Wenn man es sich leisten kann, macht es natürlich schon Sinn, eine Show oder ein Konzert mal „ruhen“ zu lassen, um dann mit einem Paukenschlag zurück zu kehren und den Markt nicht zu übersättigen. So halte ich es – zum Unverständnis einiger Fans – beispielsweise mit meinen Konzerten. Ich mache lieber acht, neun ausverkaufte Konzerte pro Jahr als 20 mässig verkaufte Abende. So bleiben „Mark Seibert Konzerte“ eine exklusive Marke und etwas Besonderes. Diesen Luxus kann ich mir aber auch nur leisten, weil meine Konzerte nicht meine einzige Einnahmequelle sind.

Welches Musical möchtest du gerne mal in Deutschland auf der Bühne sehen?
Ich gebe zu, dass ich derzeit nicht wirklich weiss, was so alles auf den internationalen Bühnen läuft. Ich arbeite derzeit sehr viel und da fehlt mir die Zeit, andere Sachen im Ausland anzuschauen. Ich lass mich einfach überraschen, was so kommt.

Ist Social Media für dich eher Fluch oder Segen?
Beruflich
ist es absoluter Segen. Ohne Social Media könnte ich niemals so selbstständig arbeiten. Was früher mühsam über Websites kommuniziert werden musste, schickt man heutzutage einfach vom Handy über Facebook oder Instagram in die Welt raus. Gerade die Bewerbung der eigenen Projekte läuft bei mir zu 100% so. Keine Werbungskosten heisst, dass man das gesparte Geld in die Qualität des Produkts stecken kann – super.

Privat finde ich es sehr gefährlich und schüttle oft den Kopf, wie manche Menschen ihr Geltungsbedürfnis und ihre eigenen Komplexe im Netz kompensieren.

Natürlich suche auch ich Bestätigung im Netz – aber ich möchte sie in erster Linie für meine Arbeit, nicht für meinen Lifestyle, mein Aussehen oder Ähnliches. Ich nutze Social Media ganz klar, um über meine Projekte zu informieren und zu berichten. Und natürlich muss auch hier und da mal die Neugierde der Follower über „Mark privat“ gestillt werden. Aber wer meine Seiten verfolgt, weiss, dass ich da sehr zurückhaltend bin. Ich bin sehr dahinter, mein Privatleben und alle darin enthaltenen Personen zu schützen. Das handhaben viele meiner Kollegen – auch der grossen Superstars – ganz anders und ich weiss, dass tiefere Einblicke in mein Privates deutlich mehr Follower bringen würde. Aber der Preis dafür ist mir einfach zu hoch. Somit bleibt Content aus meinen Urlauben, Familienfeiern, der eigenen Wohnung und der privaten Freizeitgestaltung bei mir eher selten.

Auf was bist du besonders stolz?
Dass mir eigentlich nie die Ideen und der Antrieb für neue Projekte ausgehen. Ich liebe es, wie aus einer Idee ein Konzept und aus einem Konzept ein Projekt wird. Ich habe scheinbar den richtigen Job für mich gewählt. Das ist ein Privileg auf das ich sehr stolz bin.

Was würdest du zu deinem 18-jährigen Ich, heute, mit deiner Erfahrung, gerne sagen?
Versuche, dir neben all der Karriere frühzeitig ein festes Zuhause zu schaffen, denn das hätte ich besser machen können – eine Berufskrankheit.

Wie entspannst du am liebsten?
Mental vor allem beim Sport und einem erfüllten Privatleben. Körperlich bei kleinen Auszeiten im Alltag – ich bin ein grosser Fan von (Nach)mittagsschläfchen vor der Show. Und ich habe das sog. Powernapping perfektioniert. Gerne auch mal zwischen zwei Shows – einfach mal das System eine Minute runterfahren und erfrischt einen Neustart machen. Herrlich!

Gibt es etwas, was du dir in letzter Zeit gegönnt hast?
Ich merke, dass mir „Geld ausgeben“ allgemein leichter fällt als früher. Ich belohne mich und mein Umfeld jetzt mehr. Für gutes Essen, Wohnen und Reisen gebe ich gerne etwas mehr Geld aus. Das gibt mir Lebensqualität. Statussymbole im allgemeinen Sinn sind mir eher unwichtig. Ich weiss, dass ich erfolgreich bin und muss es mir und der Welt nicht durch teure Kleidung, grosse Parties oder dicke Autos beweisen.

Womit kann man dich kulinarisch glücklich machen?
Das reicht von einfachem Essen beim Imbiss bis zum Nobelrestaurant. Meine Freundin kocht sehr lecker und auch ich kann ein paar Gerichte ganz gut. Ich liebe die gesunde Küche. Trotzdem gibt es nicht viel, was ich nicht mag. Essen im Allgemeinen macht mich schon glücklich.

Was schiebst du immer wieder auf?
Manche Entscheidungen – da ich Perfektionist bin, ist die Angst vor Fehlentscheidungen manchmal grösser, als der Wunsch, eine Sache mal zu entscheiden und beiseite zu legen. Daran arbeite ich noch.

Welche Pläne hast du für die Zukunft?
Viele… die alle aufzuzählen, würde zu weit führen. Grundsätzlich wäre ich beruflich schon sehr erfüllt, wenn ich weiterhin erfolgreich bin und mir meine Arbeit aussuchen kann – ohne Jobs annehmen zu müssen. Privat habe ich natürlich auch einige Pläne. Die behalte ich aber lieber für mich. 🙂

Noch ein Archivfoto gefunden 🙂

Diese Aufnahme entstand bei einem Interview im Mai 2015 bei „Elisabeth“ im Deutschen Theater München.

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