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Auf einen Kaffee mit Alexander Kerbst

Hallo Alex, stell dich doch bitte mal kurz vor.
Mein Name ist Alexander Kerbst. Ich bin Schauspieler, Sänger und manchmal auch Regisseur (Die kleine Haller-Revue, Orpheus in der Unterwelt, Der Glöckner von Notre Dame, Die Nacht der Musicals, The Spirit of Freddie Mercury, Falco – das Musical).
Bevor ich Schauspiel studiert habe, war ich als Kind Mitglied des Leipziger Thomanerchores. Nach dem Studium wollte ich Musik und Schauspiel miteinander verbinden. Da war die Arbeit als Musicaldarsteller naheliegend.

FALCO - Der Musical - DerKultur.blog

Kaffee oder Tee?
Ehrlich gesagt trinke ich sehr gern Kaffee in allen Varianten. 

Wie sieht die erste Stunde deines Tages aus?
Meistens Schlummertaste drücken und im Bett Mails und Social Media checken. Gerade seit „Falco – Das Musical“ kriege ich ziemlich viele Nachrichten 🙂

Du hast mittlerweile über 200x Hansi Hölzl alias Falco auf der Bühne verkörpert, welche Herausforderungen musstest du beim Einstudieren dieser Rolle meistern? Wurdest du durch ein Casting für die Rolle ausgewählt?
Die Falco-Rolle ist eine ewige Annäherung. Man muss sich das wie bei einem Puzzle vorstellen. Zuerst sucht man die Ecken zusammen und dann arbeitet man sich ins Zentrum vor. Mit jedem Teil wird das Bild ein bisschen vollständiger. Aber richtig „fertig“ bin ich mit der Rolle nie. Immer wieder gibt es neuen Input durch Zeitzeugen oder Videos oder Interviews Reportagen, die ich noch nicht kannte. Das Ganze wird immer detailreicher. Das macht die Arbeit an so einer Rolle auch so spannend. 

Ein klassisches Casting gab es für „Falco – Das Musical“ nicht. Unser Produzent hat aber im Netz recherchiert, wer schon alles Falco gespielt hat und hat dann Kontakt zu mir aufgenommen. 

Wie schwer ist es den Mythos Falco nach der Show wieder abzulegen?
Nicht schwer. Ich bin lange genug im „Geschäft“. Ich weiß, dass es eine Rolle ist, und bin mir durchaus bewusst, dass ich nicht Falco bin. Wäre auch fatal, wenn es anders wäre 🙂

FALCO - Der Musical - DerKultur.blog


Es gab ja schon mehrere Falco-Shows oder -Musicals aber keine Show ist so erfolgreich wie die aktuelle. Was ist der Grund dafür?
Wir haben bei der Erarbeitung des Buches darauf geachtet, dass ein möglichst breites Spektrum an Zuschauern angesprochen wird. Man kann FALCO – DAS MUSICAL als eine spannende Biografie erleben oder auch als ein Konzert. Das Musical ist für eingefleischte Falco-Fans ebenso zu empfehlen wie für Zuschauer, die Falco nicht so gut kennen und gern mehr über ihn erfahren möchten. 

Warst du persönlich vor der Show ein Falco-Fan?
Ich wurde bereits zu Falcos Lebzeiten von Leuten angesprochen, die meinten, dass ich ihm ähnlich sehe. Als dann das Musical „FALCO meets AMADEUS“ in Berlin aufgeführt wurde, wo ich zum ersten Mal den Popstar verkörpert habe, begann ich mich bei der Vorbereitung näher mit diesem Ausnahmekünstler zu beschäftigen. Inzwischen bin ich wohl ein richtiger Fan geworden. 

Am 24. Mai 2020 findet im Deutschen Theater München die Derniere von FALCO – Das Musical statt. Ist das deiner Meinung nach das endgültige Ende der Show?
Ich könnte mir vorstellen, dass wir auch im nächsten Jahr wieder eine Runde durch Deutschland, Österreich und die Schweiz drehen werden. Evtl. auch mit neuen Songs!

Was glaubst du, würde Hansi Hölzl sagen, wenn er die Show sieht?
Falco hatte schon eine gewisse Eitelkeit. Es hätte ihm sicher gefallen, dass es ein Musical über ihn gibt und er als Figur im Zentrum steht. Im besten Fall wäre er davon berührt, wie wir seine Lebensgeschichte auf der Bühne umgesetzt haben. 

Dich alleine auf die Falco-Rolle zu reduzieren wäre jetzt ungerecht, du hast ja eine bunte Vita. Von West Side Story über My Fair Lady spielst du aktuell auch in Ludwig². Was reizt dich an diesem Stück?
Natürlich ist es schön, eine Hauptrolle zu spielen. Weiterhin kann ich mich hier nicht nur sängerisch, sondern auch schauspielerisch sehr gut einbringen. Falcos Leben war ja eine emotionale Achterbahnfahrt. Das ist für einen Schauspieler eine reizvolle Aufgabe. 

Was ist der Grund, dass das Ludwigs Festspielhaus Füssen irgendwie nicht so richtig auf die Beine kommt?
Es wurden in der Vergangenheit (Barbarino und auch anfänglich mit Ludwig ²) Management-Fehler gemacht, und es wurde zu viel Geld verbrannt. Jetzt haben wir aber einen neuen Besitzer, Manfred Riezler, der zusammen mit dem Theaterdirektor Benjamin Sahler ein klares Konzept der Vielfalt verfolgt. Dieses Konzept wird die Existenz des Festspielhauses auf Jahre sichern. Das Festspielhaus befindet sich derzeit auf einem sehr guten Kurs. 

DerKultur.blog - Stefanie Kock


Aber nicht nur die großen Bühnen sind dein Zuhause, sondern auch die Kleinkunstbühne liegt dir am Herzen. 
Zusammen mit Stefanie Kock seid ihr als Comedy-Duo  „Kerbst und Kock“. Was erwartet den Zuschauer bei dieser Aufführung?
Momentan haben wir schlicht keine Zeit, um unser „Kerbst und Kock“ Projekt intensiv zu verfolgen. aber das wird wieder passieren. Unsere Schwerpunkte sind eigene Songs und Kabarett, rund um das Thema Paarbeziehungen. Also spannend für Alle. Denn jeder steckt ja in einer Beziehung. Oder wünscht sich eine 🙂

Haben große Musicalhäuser in der heuten Zeit noch eine große Bedeutung oder geht der Trend mehr zu lokalen Theatern/Bühnen?
Ich glaube, dass große Musical-Produktionen nach wie vor erfolgreich sein können, wenn sie mit Liebe und Engagement gemacht sind. Von Schablonen- und Reißbrett-Inszenierungen würde ich aber abraten, weil das dann oft uninspiriert und blutleer daherkommt.

Ist Social Media für dich eher Fluch oder Segen?
Für den Job ist es super. Privat nutze ich es kaum. Posts unter dem Motto „Mist, es regnet heute schon den ganzen Tag, und ich habe gar keinen Kaffee mehr im Haus! Verdammt!“ wird man von mir im Netz eher nicht finden 🙂 (Bild mit leerer Kaffeetasse vor dem verregneten Fenster)

Auf was bist du besonders stolz?
Ich bin darauf stolz, dass ich von meinem Beruf leben kann. Viele Kollegen können das nicht und müssen mit anderen Jobs Geld dazuverdienen. 

Gibt es etwas, was du dir in letzter Zeit gegönnt hast?
Meine wenigen Luxusgüter sind ein aktuelles Smartphone und ein aktuelles MacBook Pro. Das brauche ich allerdings auch für meinen Beruf.

Für was gibst du gerne Geld aus?
Meine Freundin und ich achten auf gesunde Ernährung und geben viel Geld im Bio-Laden aus:-) 

Dein kleiner Beitrag zum Klimaschutz bzw. verzichtest du der Umwelt zuliebe auf etwas?
Ich habe kein Auto. Und ich fahre immer mit der Bahn bzw. öffentlichen Verkehrsmitteln. 

Mit welchen drei Worten würden dich deine Freunde beschreiben?
gewissenhaft, zuverlässig, hilfsbereit

Was würdest du deinem 18-jährigen Ich heute, mit deiner Erfahrung, gerne sagen?
Sei noch ein bisschen fleißiger. Sich später Fähigkeiten und Fertigkeiten anzueignen ist wesentlich mühsamer.

Gibt es etwas, was du gar nicht kannst, aber gerne können würdest?
Synchronsprechen. Leider lese ich langsam. ich habe eine leichte Legasthenie.

Was schiebst du immer wieder gerne auf?
Schriftliche Interviews. (lacht)

Welche Pläne hast du für die Zukunft?
Ich werde meine künstlerische Arbeit mehr und mehr um das Fach „Regie“ erweitern.   

Welche Frage wird dir selten oder nie gestellt, die du aber gerne mal beantworten möchtest?
Warum bist du Schauspieler geworden?
Ich liebe es, wenn ich das Publikum an meiner Sicht auf die Figuren und ihre Gefühlslage teilhaben lassen kann. Und wenn ich den Zuschauern eine Botschaft mitgeben kann. 

FALCO - Der Musical - DerKultur.blog

 Vielen Dank für das Interview.

Wir trafen Alex und Steffi im Festspielhaus Füssen bei FALCO – Das Musical

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