Kaffeehausgespräche

Auf einen Kaffee mit Janina Jungbluth

Foto: Elisabeth Vanececk

Foto: Elisabeth Vanececk

Hallo Janina, stell dich doch bitte mal kurz vor.

Mein Name ist Janina Jungbluth, ich bin 28 Jahre alt und komme aus der Nähe von Trier. Hauptberuflich bin ich Lehrerin am Gymnasium für Deutsch und Englisch; neben meinem Beruf arbeite ich aber zusätzlich als Sängerin und Musicaldarstellerin.

Frühaufsteher oder Morgenmuffel?
Berufsbedingt Frühaufsteherin! Frühes Aufstehen fällt mir aber tendenziell eher schwer.

Kaffee oder Tee?
Tatsächlich am liebsten Leistungswasser – Ich bin bekennende Kein-Kaffee-Trinkerin und Tee mag ich auch nicht so gerne.

Wie bist du zu dem gekommen, was du heute machst?
Zur Musik bin ich gekommen, weil meine musikbegeisterte Mutter mich als kleines Kind ständig mit zu Chorkonzerten oder Musicalshows genommen hat (Danke Mama!). Da ist dann auch meine Leidenschaft fürs Musical entbrannt.

Foto: Julia Walther

Foto: Julia Walther

Stell uns doch bitte kurz die Meilensteine in deiner beruflichen Laufbahn vor?
Ich habe mit 16 angefangen, mich der Musik nicht mehr nur im Kinderzimmer, sondern auch auf „professionellere Weise“ zu widmen und habe mit einer klassischen Gesangsausbildung begonnen, während ich parallel neben der Schule in einem überregionalen Musicalensemble zu spielen begann. Mit Abschluss meines Abiturs ging dann auch langsam der Hochzeits- und Sologesang los. Während meines Studiums an der Uni Mainz war ich dann Mitglied in zwei Produktionen, in denen ich jeweils eine Hauptrolle spielen durfte, bei der Musical Inc. Mainz, wo wir auch zusätzlich Schauspiel- und Chor- oder Tanzworkshops gemacht haben. Meine Kenntnisse im Musical habe ich dann in zahlreichen Projekten und bei verschiedenen Lehrer/innen über die Jahre hinweg ausgebaut: am Stadttheater Trier, am The Lir-College in Dublin, in verschiedenen Gesangs-Masterclasses sowie mit privatem Gesangsunterricht bei Judith Lyons, Frank Nimsgern oder Heide Neuhäuser. Seit ich 17 bin wirke ich immer wieder in semiprofessionellen oder gelegentlich auch professionellen Musicals und Musicalshows mit.

Welchen Beruf haben sich deine Eltern für dich gewünscht?
Meine Eltern haben mich bisher immer in jeder meiner beruflichen Entscheidungen unterstützt und tun das auch heute noch – solange ich selbst dahinterstehe. Dafür bin ich sehr dankbar!

Foto: Christian Adams

Foto: Christian Adams

Du bist ja Teil des „Musical Project“. Erzähl uns doch bitte mal was für ein Projekt das ist.
Das „Musical Project“ ist das erste Musicalensemble, in dem ich jemals gespielt habe. Beim Musical Project geht es vor allem darum, jungen musikalischen Talenten eine Bühne zu geben. Jugendliche und junge Erwachsene können hier ihre gemeinsame Leidenschaft für Musicals ausleben und sich in den Bereichen Gesang, Tanz und Schauspiel fördern lassen. Mittlerweile ist das Ensemble aber gewachsen und längst eine überregionale Musical-Größe im Saarland und nördlichen Rheinland-Pfalz geworden. Leider habe ich in den letzten Jahren berufsbedingt nicht mehr die Zeit gehabt, dort mitzuwirken. Daher freue ich mich umso mehr auf die große Jubiläumsshow, bei der viele „alte“ Musical-Project-Darsteller und Darstellerinnen wieder für zwei Shows gemeinsam auf der Bühne stehen werden.

Welchen Herausforderungen musst du dich stellen um an gute Rollen zu kommen?
Nun, im semiprofessionellen Bereich ist das wohl ganz ähnlich wie im professionellen: Wir müssen zu Castings gehen und unser Können in den Bereichen Gesang, Tanz und Schauspiel unter Beweis stellen. Die „guten“ Rollen oder sagen wir einmal solche, die ich von Herzen gerne spielen würde, stellen immer eine besondere Herausforderung dar, weil man sich natürlich umso mehr anstrengen möchte, was für die Nervosität nicht immer zuträglich ist…

Wie gehst du mit Rückschlägen oder negativen Erfahrungen um?
Ich glaube, es ist wichtig, sich nicht auf das zu fokussieren, was man nicht kann oder hat, sondern auf das, was man kann und erreicht hat. Wenn ich eine Absage für ein Konzert oder eine Rolle bekomme, frustriert mich das natürlich immer im ersten Moment und ich denke es ist okay, darüber auch einmal traurig zu sein. Aber dann muss man sich aufraffen, die nächsten Projekte anvisieren und darauf hinarbeiten. Rückschläge motivieren mich oft, noch härter an mir zu arbeiten und nach neuen Impulsen bei Künstlerkollegen und -kolleginnen zu suchen.

Glaubst du, dass TV für die jüngere Generation in Zeiten von Internet und Netflix noch Zukunft hat?
Ich erlebe es bei meinen Schülern und Schülerinnen tatsächlich so, dass sehr wenige unter ihnen noch TV schauen. Die Jugend von heute sucht sich sehr bewusst aus, was sie auf Streamingplattformen konsumiert – ich glaube, das ist erst einmal gar keine schlechte Entwicklung.

Haben es jüngere Talente in Zeiten von YouTube und Facebook/Instagram leichter bekannt zu werden?
Ich glaube, das stimmt bedingt. Heute ist es auf jeden Fall einfacher, im Internet auf sich und sein Können aufmerksam zu machen. Weil diese Möglichkeit aber sehr viele Menschen erkannt haben, wird es ungleich für den Einzelnen aber auch wieder schwieriger, aus der Masse hervorzustechen. Ich halte daran fest, dass sich am Ende vor allem Leidenschaft, Mut und der Wille, hart an sich zu arbeiten, auszahlen.

Wir durften dich bei „Musical Revolution 2019“ erleben. Eine Show, bei der die Hits von vielen der größten Broadway-Erfolge der letzten Jahre zum allerersten Mal hierzulande auf einer großen Bühne präsentiert wurden, ohne die üblichen Verdächtigen wie „Phantom der Oper“ oder „Cats“. Glaubst du, dass die Zeit reif ist für Musicals wie Greatest Showman oder Hamilton“ im deutschsprachigen Raum?

Foto: Alina Berger


Unbedingt! Musicals vom Broadway und dem Londoner West End nach Deutschland zu bringen war längst überfällig. Ich kann gar nicht verstehen, warum sich Deutschland mit neuen Musicals so schwertut. Musicals wie Hamilton, Dear Evan Hansen, Six, Fun Home oder Come from Away haben so viel zu erzählen, fantastische Kompositionen und Messages, die glaube ich auch in Deutschland verstanden werden könnten und sollten. Dennoch sehe ich Produktionen wie diese nicht an den ganz großen Theatern hier. Dafür scheinen mir die Musicalgewohnheiten doch zu verschieden – aber ich hoffe, dass wir mit „Musical Revolution“ ein Zeichen setzen und Lust auf neue Musicals auch hier in Deutschland machen konnten. Als ich zum ersten Mal von der Idee um „Musical Revolution“ gehört habe, war ich restlos begeistert. Ihr könnt euch vorstellen, wie euphorisch ich war, als ich dann noch in die Cast aufgenommen wurde!

Wäre TV für dich auch eine Option, oder gab es sogar schon Projekte?
TV war für mich noch nie eine Option und wird voraussichtlich auch nie eine sein, sofern wir von Castingshows sprechen. Für mich steht und stand immer der Gesang und die Leidenschaft fürs Singen im Vordergrund – ich glaube, im TV und in Castingshows ist es vor allem wichtig, sich medienwirksam zu verkaufen. Was bestimmt auch ein Talent ist, aber keines, worauf ich im Bereich Gesang Wert lege.

Leider führen wir das Interview in Zeiten von Corona. Wie schwer ist es für dich in diesen außergewöhnlichen Zeiten deinen Lebensunterhalt zu finanzieren?
Für mich ist es – und ich bin sehr dankbar dafür – nicht ganz so schwer, da ich hauptberuflich ja immer noch Lehrerin bin. Ich finde es tragisch, jeden Tag von Kollegen und Kolleginnen zu lesen, die nicht wissen, wann die Konzertsaison wieder weitergehen kann und wie sie bis dahin ihre Rechnungen zahlen sollen und mein Herz blutet beim Lesen der Berichte, wie viele Theater den Spielbetrieb zu Zeit aussetzen und nicht wissen, ob sie ihn danach wieder aufnehmen können. Ich weiß natürlich, dass Konzerte, Hochzeiten und geplante Musicalprojekte keine Rolle vor dem aktuellen Hintergrund der Corona-Krise spielen – alle Restriktionen und Verbote sind vernünftig und notwendig – aber dennoch bin ich traurig beim Gedanken daran, wie viele schöne Events, Hochzeiten, Konzerte, Musical-Auditions und Musicals dieses Jahr leider abgesagt werden müssen.

Wie schaut dein aktueller Tagesablauf während #Socialdistance aus?
Ich nutze die Zeit, die ich gerade zu Hause verbringen muss, für das Abarbeiten meiner „Selbstverwirklichungs-To-Do-Listen“. Das sind To-Do-Listen in meinem Kopf, die im Zuge des stressigen und kraftraubenden Alltags immer länger werden. Da steht bei mir zum Beispiel drauf, dass ich unbedingt besser Klavierspielen lernen möchte, dass ich mir jeden Tag mindestens 30 Minuten für meine Stimme nehme oder dass ich mal wieder ein gutes Buch lesen möchte. Für solche Dinge habe ich gerade wieder etwas Zeit – ich denke, wenn man den Fokus etwas verschiebt, kann man in dieser verunsichernden und bedrohlichen Zeit auch etwas Gutes ausmachen.

Dein persönlicher Zeitvertreib-Tip zu #stayathome?
Gute Musik, Gesangs-Tutorials von Natalie Weiss, vergangene Tony-Award Auftritte anschauen, neue Songs lernen, Sport, Spazierengehen im Wald …

Was fehlt dir aktuell am meisten?
Neben meinen Freunden und meiner großen Familie fehlen mir die gemeinsamen Auftritte, Proben und der Austausch mit anderen Musikern und Musikerinnen sowie dem Publikum gerade sehr. Auch wenn ich nicht mein Haupteinkommen damit verdiene, bleibt die Musik doch ein unheimlich wichtiger Bestandteil in meinem Leben.

Welche Musik hörst du hauptsächlich?
Ich höre tatsächlich sehr viele Musicalsongs, um Inspiration für eigene Projekte, Shows oder die Kinder und Jugendlichen, die ich unterrichte, zu bekommen. Gerne mag ich aber auch zum Beispiel Folk oder deutsche Singer-Songwriter-Musik.

Ist Social Media für dich eher Fluch oder Segen?
Für mich ist Social Media ein sehr wichtiger Bestandteil meiner Arbeit als Sängerin. Ich nutze Instagram und Co. natürlich zu Werbezwecken und dafür, an meiner Arbeit interessierte Menschen über neue Projekte zu informieren, aber ich versuche auch einen Mehrwert zu produzieren, indem ich zum Beispiel Einblicke hinter die (Musical)-Kulissen oder in den wöchentlichen Wahnsinn als Hochzeitssängerin biete. Ein bisschen Zeit muss man allerdings schon zu investieren bereit sein.

Auf was bist du besonders stolz?
Ich bin besonders stolz auf mein Netzwerk an wundervollen Menschen um mich herum, die mich privat und beruflich unterstützen. Besonders stolz bin ich aber auch auf meine Kids und Jugendlichen aus der Musical AG, die meinen Größenwahn in Konzertvorbereitungen ertragen und beim letzten Konzert eine großartige Performance von Hamilton und Matilda hingelegt haben!

Gibt es etwas, was du dir in letzter Zeit gegönnt hast?
Ich gönne mir seit kurzem wieder wöchentlichen Gesangsunterricht – das tut mir, meiner Stimme und vor allem meiner Seele gut.

Für was gibst du gerne Geld aus?
Ich gebe sehr gerne Geld für Bücher, Noten oder technisches Gesangsequipment aus. (Leider auch ein bisschen zu gerne für schöne Kleider für die Bühne und die Hochzeitssaison.)

Dein kleiner Beitrag zum Klimaschutz bzw. verzichtest du der Umwelt zuliebe auf etwas?
Ich lebe seit ich 10 Jahre alt bin vegetarisch – vor allem, weil ich das Leid der Tiere nicht ertrage – ein positiver Nebeneffekt ist aber sicher der Klimaschutz. In den letzten Monaten achte ich auch bewusster auf meinen Plastikkonsum: ich verzichte auf Plastik-Gemüsebeutel im Supermarkt oder achte drauf, immer eine Stofftüte mit mir zu tragen, wenn ich einkaufen gehe. Dennoch muss ich mir eingestehen, dass ich schon auch noch ein bisschen mehr für die Umwelt tun könnte.

Mit welchen drei Worten würden dich deine Freunde beschreiben?
Ich habe einmal nachgefragt und man sagte mir, ich sei zielstrebig, empathisch und inspirierend – ich habe aber auch schon gehört, dass ich gelegentlich etwas besserwisserisch sein kann 😉.

Gibt es etwas was du gar nicht kannst, aber gerne können würdest?
Oh ja – Tanzschritte schnell umsetzen und so tanzen, dass es aussieht, als würde es gar keine Anstrengung machen!

Was schiebst du immer wieder auf?
Die Steuererklärung und die Korrektur von Klassenarbeiten.

Welche Pläne hast du für die Zukunft?
Im Bezug auf meine eigene musikalische Laufbahn hoffe ich, dass ich in der nächsten Zeit nochmal die Gelegenheit haben werde, eine semiprofessionelle oder professionelle Musicalshow oder ein Musical zu spielen. Ich hoffe auch, dass ich noch viele Konzerte singen, viele Musikerkollegen und Kolleginnen kennenlernen und noch zahlreiche Hochzeiten musikalisch begleiten darf. Für mein schulisches Umfeld hoffe ich, dass ich es schaffe, noch viele Kinder und Jugendliche für das Musicalgenre und für die deutsche und englisch Literatur und Sprache begeistern zu können.

Welche Frage wird dir selten oder nie gestellt, die du aber gerne mal beantworten möchtest?
Da fällt mir nichts ein 😊.

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