Kaffeehausgespräche

Kaffeehausgespräche – Peter Plate

Hallo Peter, willkommen im Kulturcafe. Nimm Platz. Kaffee oder Tee?
Unbedingt Kaffee. Danke!

Normalerweise beginnen wir unser Interview mit der Frage „Stell dich doch mal kurz vor“. Das können wir uns bei dir sparen 🙂

Fast 30 Jahre habt ihr mit der Band Rosenstolz Musikgeschichte geschrieben, AnNa und du, ihr ward quasi die deutschsprachigen Modern Talking 🙂 Vor Kurzem kam zum 20. Geburtstag der CD Kassengift eine Extended Edition auf den Markt. Würde Rosenstolz 2021 auch noch funktionieren und wie viele Anfragen gibt es für euer Comeback?
Peter: War ich dann Dieter und AnNa die Thomas? Oder ich die Thomas und AnNa der Dieter? (lacht) Nein, wir waren einfach wir, und wir hatten unsere Zeit und die Zeit war großartig, ich möchte  kaum einen Moment missen. Aber heutzutage ist alles anders: Du musst kompatibel für den sogenannten Mainstream sein, du musst alle Fernsehformate beherrschen – ich glaube fast, wir wären absolut aus der Zeit gefallen. 

War dir schon als Jugendlicher klar, mein Leben ist die Bühne oder gab es auch einen Plan B?
Peter: Ein Plan B ist in der Kunst meiner Meinung nach nicht möglich. Und selbst Taxifahren zum Beispiel wäre keine Alternative gewesen, denn ich hab‘ noch nicht mal einen Führerschein… 

Selber Musik zu machen genügte dir anscheinend nicht, denn du hast auch Songs u.a. für Helene Fischer, Sarah Connor und Max Raabe geschrieben. Woher nimmst du die ganzen Ideen?
Peter: Ich schreibe die Texte ja zusammen mit Ulf  Leo Sommer und teilweise auch mit den Künstlern zusammen – alles fängt mit dem Thema an. Also, mit der Frage beispielsweise, was wollen wir sagen? Das Brainstormen  dauert meistens länger als das Texten: Mit Max saßen wir einmal drei Tage bei Kaffee und Kuchen – und  kurz vor Ende des dritten Tages kam Max dann die Idee: „Heute  ist ein guter Tag, um glücklich zu sein“ – der Text flog uns dann gemeinsam zu. 

Was kommt bei dir zuerst, die Musik oder der Text?
Peter: Fast immer zuerst die Musik – allerdings mit Anett Louisan zum Beispiel schreiben wir oft erst ein paar Zeilen und suchen dann nach einer Musik. 

Zu welcher Uhrzeit bist du am kreativsten?
Peter: Es hängt nicht von der Uhrzeit, sondern von den Menschen ab, mit denen ich Musik machen darf. Meistens fangen wir so am späten Vormittag an …. Nur Max Raabe ist Rock n Roll – der kommt immer erst um 12:00 Uhr.

Dann folgte Filmmusik und Musical. Und damit schliesst sich der Kreis zu deinem aktuellen Projekt, dem Musical Ku’damm 56. Wie kam es zu der Zusammenarbeit mit Stage Entertainment?
Peter: Das ist eine ganz ungewöhnliche Konstruktion zwischen der BMG / UFA – die die Idee an uns herangetragen haben und die dieses Projekt auch finanzieren – und der Stage Entertainment, die uns mit Rat und Tat zur Seite stehen und in deren sensationellem Haus, dem „Theater des Westens“ unser ‚Ku’damm‘ die Premiere feiern darf. Ulf und ich wollten von Anfang an, dass ‚Ku’damm‘ dort die Premiere feiert – wo, wenn nicht dort? Dass das auch gelungen ist, ist wirklich der leidenschaftlichen Beteiligung aller zu verdanken – wir sind ganz, ganz glücklich darüber. 

Ihr seid ja schon fleißig am Proben. Warst du beim Casting dabei? 
Peter: Ja, es ist ein komplett neues Musical. Das heißt es war uns natürlich wichtig, alle Stimmen unserer tollen Darsteller*innen mit auszusuchen. Ein Casting ist Schwerstarbeit für die Darsteller*innen: sie müssen auf den Punkt abliefern – ein Druck, vor dem ich einen riesigen Respekt habe. Wir haben gemeinsam mit unserem Regisseur Christoph Drewitz und allen Beteiligten ein tolles Team gefunden und ich freue mich sehr auf die nächste Probenrunde… 

Vorab soll der Soundtrack auf den Markt kommen. Auf wen können wir uns musikalisch freuen?
Peter: Es singt zum größten Teil unser kompletter Cast auf der CD – allen voran natürlich David Jakobs, Sandra Leitner und Elisabeth Ebner – eigentlich möchte ich jetzt aber alle aufzählen…

Das Stück spielt in den 50iger Jahren, so alt bist du ja nocht gar nicht 🙂 Ist das ein Zeitalter, welches dich fasziniert? Warum?
Peter: Die 50er Jahre waren natürlich eine Zeit, die durch und durch spießig war, Deutschland trug zu  Recht die Scham vor sich her und für alles gab es Regeln – plötzlich aber brach die Revolution in Form vom Rock’n’Roll über die Jugend her und ein riesiger Generationskonflikt entstand. Es war die Generation meiner Eltern, die im Konflikt mit ihren Eltern war. Für mich war es sehr spannend, da ich sehr viel meiner eigenen Familiengeschichte in dem Musical begegnet bin: Meine Oma, meine Mutter kamen beide aus Berlin, mein Onkel heute 79 Jahre alt (und noch immer knackig!) hatte sein coming out in dieser schwierigen Zeit zu durchleben… Mein größter Wunsch wäre natürlich, wenn sich 3 Generationen dieses Musical anschauen und darüber danach ins Gespräch kommen. 

Könntest du dir vorstellen, selber bei Ku’damm 56 mitzuspielen?
Peter: Definitiv nicht – aber Ulf würde ich gerne mal als Katerina sehen… (lacht)

Wir leben immer noch in der Pandemie mit Abstandsregeln und erheblichen Einschränkungen im Bereich Kultur. Wie groß ist die Chance, dass Stage Entertainment das Stück wirklich 2021 in Berlin aufführen wird?Peter: Sehr groß! Wir verkaufen ja für November und Dezember nach dem Schachbrettsystem – also für Abstand ist gesorgt! Ich gehe ganz fest davon aus, dass es klappt! 

Was ist dein persönliches Lieblingsmusical und warum? 
Peter: Ich glaube, RENT. Als Ulf und ich es damals sahen, konnten wir gar nicht aufhören, uns anschließend den Soundtrack anzuhören. Es hat mich unheimlich berührt – und auch heute würde ich sagen, dass mit RENT ein neues Kapitel begann -zumindest für uns. 

Ergänze folgende Sätze:
Social Media ist für mich …Traum & Albtraum gleichzeitig; Ich übe noch, die richtige Dosierung für mich zu finden …
Mein kleiner Beitrag zum Klimaschutz ist … Ich habe keinen Führerschein und mein Mann ist ein Sonntagsfahrer … Ich versuche, Plastiktüten zu vermeiden – im Obstladen bringen wir zum Beispiel unsere eigenen Beutel mit, aber es wird immer zu wenig sein und ich bin in großer Sorge.
Besonders stolz bin ich auf … Das Wort „stolz“ gefällt mir eigentlich nur bei Rosenstolz. Wenn ich es dennoch muss: ich hätte nie gedacht, dass ich es schaffe, Nichtraucher zu bleiben, obwohl ich seitdem mit meinem Gewicht zu kämpfen habe…Dankbar bin ich außerdem, das Ulf und ich noch immer in diesem Jungendwahn orientierten Musikbusiness arbeiten, wir sind sozusagen überlebende Dinosaurier – drauf bin ich „stolz“.
Mit diesen drei Worten würden mich meine Freunde beschreiben:
Das müssten wir meine Freunde fragen – alle würden mich wahrscheinlich als „ungeduldig“ beschreiben…. Also vielleicht: ungeduldig, nervend aber zuverlässig?  

Wie entspannst du am liebsten?
Peter: Beim Musik machen, in der Badewanne, im Wald mit Mann und Hund 

Gibt es etwas, was du dir in letzter Zeit gegönnt hast?
Peter: Wir haben seit dem Lockdown im Studio angefangen, die Mittagszeit für wirklich gutes Essen zu nutzen – dem ein oder anderen von uns sieht man es etwas an – definitiv gehöre ich zu dieser Gruppe – Ulf natürlich nicht! 

Womit kann man dich kulinarisch glücklich machen?
Peter: Ich esse fast alles gerne – aber am liebsten Haus*manns*fraukost 

Was schiebst du immer wieder auf?
Peter: Alles Bürokratische …

Welche Frage wird dir selten oder nie gestellt, die du aber gerne mal beantworten möchtest? 
Peter: Wie schaffst du es eigentlich so schlank auszusehen? 

Fotos: Olaf Blecker

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