„Ich bringe ein bisschen Farbe rein und ein bisschen Rückkehr nach Stuttgart“

Musicallegende Uwe Kröger übernimmt für wenige Vorstellungen die Rolle des Lance bei „&julia“ in Stuttgart.
Im Interview erzählt er von seiner Verbundenheit mit den Musicaltheatern in Stuttgart, seinem Bühnenjubiläum und was Musical für ihn so besonders macht.

Lieber Uwe, was war dein erster Gedanke, als die Anfrage „Lance bei &julia zu spielen“ kam? Kanntest du die Show?
Als die Anfrage kam, kannte ich die Show nicht. Ich muss dazu sagen, dass ich seit über 30 Jahren nicht mehr in Stuttgart gewesen bin, also nicht an diesen Theatern, die ich ja mit eingeweiht habe. Das Apollo-Theater sowie das Palladium. Einmal mit „Miss Saigon“ und einmal mit „Die Schöne und das Biest“. Ich habe für die Produktion hier über 30 Jahre nicht gespielt. Als die Anfrage also kam, ob ich generell daran Interesse hätte, habe ich gesagt, „jaaa ich möchte zurück nach Stuttgart!“
Dann habe ich das Stück gesehen und ich habe mich natürlich damit befasst und habe eine sehr große französische Affinität und spreche gerne mit französischem Akzent, esse gerne Pain au Chocolat und freue mich, dass ich dabei sein kann, weil das Stück so genial ist und hat so viel mit Liebe, Amour und Love zu tun, dass wir in diesen Zeiten sehr brauchen.
Du hast ja den Musicalstandort Stuttgart mit aufgebaut und etabliert. Hast du Erinnerungen an die Theater in Stuttgart?
Wie könnte ich das nicht haben… Das Schöne bei „Miss Saigon“ war, dass wir quasi noch auf frisch gestrichenen Böden und Wänden am Tag vor der Premiere entlang gehen mussten, weil das Theater ganz schnell und zu spät erst fertiggestellt wurde.
Die Rolle des Biest war generell einfach ein Traum. Auch vom Gefühl her, wenn man im Palladium Theater ist, ist die Atmosphäre ein bisschen anders als zum Beispiel im Apollo-Theater. Es ist auch die Zeit gewesen, wo man noch für Musicals eigene Theater im deutschsprachigen Raum gebaut hat. Mittlerweile sind diese Theater ja schon über 30 Jahre oder fast 30 Jahre alt und haben natürlich Geschichte.
Aber dennoch, ich persönlich erinnere mich hier wie das alles aufgebaut wurde, wie die Theater entstanden sind, wo dieser „Times Square“ und diese ganze Food-Passage entstanden, das war schon ein Wahnsinn. Da hat man wirklich etwas tolles hingezaubert. Das Palladium Theater hieß damals noch Musical Hall 2, das Apollo Musical Hall 1. Da hat sich einiges getan in den Jahren.
Auf jeden Fall komme ich nach über 30 Jahren gerne zurück und ich freue mich.
„&julia“ spielt mit viel Musik aus den 90ern und 2000ern. Was ist dein Lieblingshit aus den 90ern oder vielleicht sogar von Komponist Max Martin, der die Musik zur Show geschrieben hat?
Als ich gehört habe, dass da moderne Musik benutzt wird und dass es um Shakespeares „Julia“ geht, zumindest um die Geschichte herum ein Stück geschrieben werden soll, da konnte ich mit der modernen Musik erstmal gar nichts anfangen. Erstmal theoretisch, das kann ich mir gar nicht vorstellen. Dann habe ich es gesehen und ich fand es einfach sensationell, dass in diesem Geschehen, den Dialogen, in den Szenen plötzlich die Emotion so weit hochgetrieben wurde, dass in dem Moment, wo der Text nicht mehr weiterkam, plötzlich ein Lied kommt, das man kennt und plötzlich einen ganz anderen Sinn ergibt, nämlich einen konkreten Sinn für die Szene. Das finde ich sensationell.
„I Kissed a Girl“ – Ich bin ein großer Katy Perry-Fan muss ich dazu sagen, war auch in Las Vegas und habe ihre Show gesehen. Jetzt darf ich in diesem Stück „Teenage Dream“ singen und bin dadurch sehr im Glück, dass ich so quasi verschiedene Dinge unter einen Hut kriege.

Hast du vor einer Premiere noch Lampenfieber?
Ich feiere dieses Jahr mein 40-jähriges Bühnen-Jubiläum. Ich bin froh, dass ich das quasi in der Vorbereitung zu „&julia“ auch mit feiern darf. Das Ding ist, dass ich immer Lampenfieber habe. Die Leute glauben das nicht. Ich habe ein gutes Poker-Face. Dann glauben die Leute, ich bin arrogant. Ich glaube einfach, dass je mehr Erfahrung man hat, desto genauer möchte man sein, desto mehr Verantwortung spürt man und desto nervöser wird man. Das heißt aber nicht, dass man dann die Nerven wegschmeißt.
Kurz vor dem Auftritt ist für mich wichtig die Ruhe zu finden und wenn es losgeht, auch wirklich los lassen zu können. Dennoch, Lampenfieber gehört dazu! Wenn ich kein Lampenfieber habe, dann denke ich, irgendwas ist nicht in Ordnung.
40 Jahre auf der Bühne und jetzt ist „&julia“ dein erstes Jukebox-Musical.
Das ist richtig. Aber nennt man das so? Ich werde alt…
Ich habe ja natürlich auch Audition machen müssen, es ist nicht so, dass man mich gefragt hat, „komm mal vorbei, spiel mal den Lance und dann gehst du wieder“, nein, das musste natürlich auch abgesegnet werden. Ich habe ein Vorsprechen und Vorsingen gehabt. Da habe ich die Szenen von Lance angetastet.
Tatsächlich ist das Stück so clever mit der Musik gemacht: Life is a Song und eine Situation im Leben ist ein Lied und das kommt dann einfach und kommt so natürlich auch vom Sinn her, dass es unheimlich Spaß macht. Es wird natürlich wahnsinnig aktuell dadurch und spricht jung und alt an. Mich hat es auch angesprochen und ich bin alt, ich werde jetzt ja 62.

Von „Romeo und Julia“ gibt es ja verschiedene Bücher, Filme, Theaterstücke und Musicals. Ist das eine Geschichte, die du schon lange mal spielen wolltest?
Es gibt ein anderes Musical, das heißt „Romeo und Julia“ und wurde damals in Wien gespielt, da hat man mich gar nicht als Romeo gesehen. Was aber auf „Romeo und Julia“ basierend ist, ist ja „West Side Story“ und ich habe in der Ausbildung, in den 80ern immer den Toni gesungen. Jeder hat gesagt, du bist der perfekte Toni. Ich habe diese Rolle letztendlich aber nie in einer „West Side Story“ gesungen, was aber nicht daran lag, dass jemand sagte „du singst zu modern“. Nein, das war damals ja in dem Film sowieso auch schon eine modernere Stimme.
Ich habe immer die Bösewichte gespielt, habe immer irgendwelche Rollen mit Ecken und Kanten bekommen, aber nicht den Liebhaber. Außer vielleicht bei „Miss Saigon“, aber das ist ja ein tragisches Ding. Und jetzt bin ich in einem Alter, wo ich froh bin, dass ich andere Rollen spielen kann. Und freue mich, dass Lance einfach eine Comedy-Rolle ist.
Ich habe ja sehr viele Dramen gespielt. Ich liebe auch Dramen. Ich liebe auch deutschsprachige Musicals wie „Elisabeth“ und „Mozart“, oder aus deutscher Feder auch „Rebecca“. Sachen, die sehr dramatisch sind wie „Der Besuch der alten Dame“. Aber ich mag auch die Comedy. Und es macht mir Spaß, Spaß auf der Bühne zu haben, wenn die Texte gut geschrieben sind und gute Partner zusammenarbeiten.
Und hier zum Beispiel ist es so, dass die liebe Jacqueline Braun als Amme und ich ein Liebespaar spielen dürfen. Das ist total genial. Wir haben zusammen „Napoleon“ am West End gespielt und haben die deutschsprachige Ersterführung von „The Wild Party“ in Amstetten damals gemacht. Ich kenne sie wahnsinnig lang und da schließt sich auch wieder so ein kleiner Kreis.

Auch mit Sabrina Weckerlin, die ich quasi mit gecastet habe für die Ausbildung in Hamburg. Ich war damals in der Jury und da hieß sie einfach nur „die Stimme“, „die Powerfrau“ und „die Stimme“. Wir haben dann „Die Drei Musketiere“ in Berlin zusammen gespielt.
Bei „&julia“ ist es ja jetzt so, dass ich einfach nur ein Gast bin. Ich bin nicht die Erstbesetzung, ich bin ein Gast, der vorbeikommt. Und ich hoffe, so sieht man das auch, es geht ja nicht darum besser oder schlechter zu sein. Ich bringe ein bisschen Farbe rein und ein bisschen Rückkehr nach Stuttgart natürlich auch.
Du inszenierst auch selbst, stehst aber weiterhin auf der Bühne. Was macht für dich den Unterschied aus? Lieber inszenieren oder selbst spielen?
Es war tatsächlich so, dass ich gesagt habe, wenn ich inszeniere, möchte ich nicht auf der Bühne stehen. Bei der zweiten Inszenierung war es dann doch so, dass sie mich bei „Cabaret“ am Theater Hof als Conferencier haben wollten. Ich habe gesagt, ich möchte nicht auf der Bühne stehen, aber habe dann mit Timo Radünz (das ist quasi meine bessere Hälfte, was inszenieren und Brainstorming angeht) gemeinsam inszeniert.
Ich liebe es auf der Bühne zu stehen, aber ich habe dann hohe Ansprüche an mich und auch an mein Umfeld, dass es dann genauso intensiv ist, aber ich kann dann abgeben, weil ich vertraue einfach dem Regisseur und auch auf den Dialog mit ihm. Als Regisseur kann ich nicht abgeben.
Was fasziniert dich am Musical bis heute?
Ich glaube, ich bin zur rechten Zeit damals vor 40 Jahren zum Musical dazugestoßen, weil ich glaube, das ist die heutige, moderne Musiktheaterform des Geschichtenerzählens.
Ich habe damals einen Kardiologen kennengelernt, der noch in der Ausbildung war, und der zu mir sagte: „Uwe, das ist so toll, ich arbeite 4 Stunden am Herz herum und DU singst einen Ton und triffst direkt INS Herz.“
Das hat mich so berührt, dass ich das gerne auch weitergeführt habe und gesagt habe, ja, es geht auf die Bühne: Ich spreche, ich habe einen Dialog und das ist auch bei „&julia“ ganz fantastisch gelöst, denn da wo das gesprochene Wort nicht weiterkommt, übernimmt die Musik und führt über die Sinne, über das Gehör direkt ins Herz.
Selbst hier bei einem Jukebox-Musical für das die Musik nicht speziell geschrieben wurde, hat man das Gefühl, sie sei eben doch direkt für die jeweilige Szene geschrieben.
Das ist so brillant.
Man kann mit allen Musikrichtungen, filmischen Mitteln arbeiten. Sylvester Levay zum Beispiel hat sehr viel Filmmusik geschrieben. Underscoring, wo Szenen ohne Gesang sind, wo die Stimmung oder die Spannung steigt. Das kann man alles auch mit Musicals machen. Musical ist so viel und so vielseitig und deswegen, liebe ich das Genre.
Lieber Uwe, schon jetzt ein großes Toi toi toi für deine Premiere bei „&julia“ im Stage Palladium Theater in Stuttgart, viel Freude und Erfolg auf deinem weiteren Weg in der Musicalwelt und vielen Dank für das schöne und offene Gespräch!
Tobias Berger
„&julia“ feiert am 8. Oktober 2026 seine Premiere in Stuttgart,
derzeit geplante Spieltage von Uwe Kröger sind:
Premiere Freitag, 23. April 2027, 19:30 Uhr
Samstag, 24. April 2027, 15:00 Uhr und 19:30 Uhr
Samstag, 1. Mai 2027, 15:00 Uhr und 19:30 Uhr
Sonntag, 2. Mai 2027, 14:30 Uhr und 19:00 Uhr
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