Hamburg 30.11.2024 – Medienpremiere MJ – Das Michael Jackson Musical – Stage Theater an der Elbe
Neben den Produktionen in New York und London, sowie einer Tour durch Nordamerika, findet das Stück seinen Weg nun endlich nach Hamburg.

Ein Gastbeitrag von Lars Weinreich
Das Mix-Tape meines Lebens
Seit 1991 „Black Or White“ von Michael Jackson als Vorab-Single zu seinem „Dangerous“-Album veröffentlich wurde, bin ich selbst großer MJ Fan und Sammler und ich freu mich daher sehr, dass ich für euch bei der Medienpremiere dabei sein durfte. Ich bin Lars, lebe in Bremen und bin 46 Jahre alt. Mein Hobby ist – wer glaubt es nicht – „Michael Jackson“ und ich habe über die Jahre eine sehr umfangreiche Sammlung zusammengetragen.

Als Musical-Kritiker möchte ich diesen Beitrag allerdings nicht schreiben, denn dafür stecke ich wahrscheinlich zu wenig in der Materie, selbst wenn ich oft Musicals besuche. Ich habe mich auch bewusst vorher nicht sehr intensiv mit dem Inhalts des Musicals beschäftigt, weil ich mich selbst überraschen lassen wollte. Und ich habe auch so etwas, wie dieses hier, noch nie geschrieben. Seht es mir bitte nach. 🙂
Wagen wir also mal ein Experiment – betrachten wir „MJ – Das Michael Jackson Musical“ aus der Sicht eines Hardcore-MJ-Fans!
Genau in die Zeit, als meine Leidenschaft für MJ begann, führt uns das Musical. Wir begleiten „MJ“ in einer seiner kreativen Phase und wie er seine „Dangerous“-World-Tour entwickelt und gestaltet, die ihn ab August 1992 von München aus über den ganzen Globus führen sollte.
Man betritt den Saal im Theater und noch vor dem Beginn der eigentlichen Show, zeigt sich die Bühne als eine Art Industriehalle. Backsteine, hohe Wände, etwas verstaubt, Fenster bis an die Decke. Freude kommt auf, denn auf dem halb durchsichtigem Vorhang, der den Blick auf eben diese Bühne frei gibt, finden sich Worte und Sätze von MJ. In seiner Handschrift. Unverkennbar – ein Mischmasch aus Groß- und Kleinbuchstaben. Ich liebe dieses Detail!

Nachdem nach und nach DarstellerInnen die Bühne betreten, ihre Taschen an die Seite stellen, wird einem Bewusst, dass die Industriehalle eine Probebühne ist. „MJ“ wird, was ich schon ganz cool fand, Countdown-mäßig angekündigt bevor die eigentliche Show startet…. „5 Minuten bis Michael“… „3 Minuten bis Michael“… 2…..1.
„MJ“, in typischer Uniform-Jacke, schwarzer Hose, Hut, weiße Socken und Loafers betritt die Bühne – es startet mit „Beat It“. Es geht los. Was für ein Sound. Der Tanz. Bass. Mega Stimmen des Ensembles.
Zwei Reporter (Rachel und Alejandro), die die Proben für eine MTV-Dokumentation begleiten, nehmen Kontakt mit „MJ“ auf – sie lernen sich kennen. „MJ“ beginnt seine Geschichte zu erzählen und warum er die Tour plant und durchführt.
„Tabloid Junkie“ – ein Track vom HIStory-Album, bei dem es um yellow-press, Lügen, Gerüchte geht – mein MJ Lieblingssong – hat es auf die Musical-Bühne geschafft. Leider viel zu kurz. Ich freu mich trotzdem sehr!

„MJ“ teilt seine Erinnerungen über die gesamte Show. Er denkt an die frühesten Kontakte mit Musik, wie er James Brown im TV bewundert hat und dass er seine Liebe für die Performance bei einer Talentshow in der Schule entdeckte. Er blickt bei den Zeitsprüngen als Erzähler selbst auf die Vergangenheit zurück, die sich wiederum der „kleine Michael“ und „Michael“ teilen. Er erinnert an den strengen, prügelnden Vater Joseph, der sich über „MJ´s“ Aussehen lustig macht. An die Mutter Katherine, die zwischen Muttergefühlen und Geldsorgen hin- und hergerissen ist. Hier fällt mir wieder ein kleines, aber feines korrektes Detail auf – Joseph´s Rolle trägt tatsächlich einen goldenen „Afrika“-Kettenanhänger. Ein Lob an die Leute vom Kostüm!
Es folgt mein erster Griff zum Taschentuch. „I´ll Be There“. Ein Duett zwischen dem „kleinen Michael“, der vorher eine Ohrfeige von seinem Vater einstecken musste und seiner Mutter, die sich rührend um ihn bemüht. Eines meiner Highlights des gesamten Stücks… während „MJ“ an der Zimmerwand lehnt und die beiden beobachtet und später mit einsteigt. Nicht nur ich – auch das Publikum – ist begeistert. Was für eine tolle und herzergreifende Idee!
Dass Michael Jackson von seiner Kreativität nahezu getrieben war, kommt immer wieder zum Vorschein – zum Beispiel als „MJ“ die Idee mit dem „Toaster“ als Tour-Opener oder einem Jet-Pack für den Abschluss der Show einfach mal so in den Raum wirft und um Umsetzung bittet. Ebenso, dass er wohl ein Leben lang mit Ja-Sagern umgeben war, weil eben ein „Nein“ von ihm nicht gewünscht war. „Keine Ausreden. Lösungen. Keine Kompromisse.“

„Stranger In Moscow“, ein weiteres Highlight folgt, bei dem – nach meiner Meinung – die originalen Beat-Box-Tracks von Michael Jackson verwendet und unter die Musik des Orchesters gelegt wurden. Auch die neue Interpretation gefällt mir sehr gut.
Wo Medikamentenmissbrauch enden kann, wissen wir alle seit dem 25.06.2009. Auch im Musical wird diese Sucht zum Thema – und ich finde das gut, denn es werden die traurigen Hintergründe dazu erzählt. Ebenso, warum die „Jackson 5“ die „Jacksons“ wurden, dass Michael Jackson als Vogelscheuche in „The Wiz“ im Jahr 1978 sein Schauspiel-Debut gab, oder warum der Produzent Quincy Jones durch Teddy Riley ersetzt wurde.
„Wanna Be Startin´ Something“ – ein für mich weiterer top Track der Show. „Michael“ und seine Grammy´s. Ich liebe diese Szene. Detailverliebt – aber kurz und knackig – wurde hier an der Umsetzung gearbeitet. Jacksons erste große Erfolge werden super in Szene gesetzt.
Dass Michael Jackson für die Finanzierung der Dangerous-Tour sein zu Hause, die Neverland-Ranch, verpfändet hat, ist nach meiner Kenntnis nicht korrekt. Es wird bei dem Stück doch sonst so sehr auf Details und Wahrheitsfindung, auf den echten Michael und seine Arbeit geachtet, so dass dieser Part einfach nicht nötig gewesen wäre, um diese Geschichte zu erzählen. Wahrscheinlich hatte es dramaturgische Gründe um aufzuzeigen, dass die Wünsche rund um die Tour und sein Lebensstil damals nicht mehr kostendeckend waren.

Der schwierige Bezug zwischen Presse und „MJ“ wird kreativ im Part der Pressekonferenz und am Ende des ersten Aktes erzählt: „MJ“ möchte darüber berichten, dass er mit den Einnahmen der Tour seine Stiftung „Heal The World“ finanzieren will und etwas für den Umweltschutz tun möchte. Für Ihn war das 1992 schon sehr wichtig. Die Presse dagegen interessiert nur der Gossip, wie seinen Affen „Bubbles“, seine Hautfarbe oder seine chirurgischen Eingriffe. Ich finde hier wäre „Tabloid Junkie“ besser platziert gewesen, als „Earth Song“ und „They Don´t Care About Us“. Beide Tracks knallen aber dennoch richtig gut rein!
Der zweite Akt beginnt mit einem Burner! Auf einem Hocker liegt ein Koffer. Jetzt fühl ich mich an meine Konzertbesuche von damals erinnert, nur dass ich entspannt sitze und meine Beine vom tagelangen Warten vor dem Stadion nicht müde sind.
„MJ“ betritt die sonst leere Bühne – wahre Fans wissen schon jetzt, was kommt. „Billie Jean“. Der Sound: grandios. Das Ende – fast Original. Was mir allerdings auffällt. Der Hut hat Glitzersteine. Nein! Bitte nicht! Es glitzert nur Jacke, Handschuh und eventuell die Socken. Niemals der Hut! Das ist Gesetz!

Viele fragen mich immer „Warum hat er denn immer Hochwasserhosen und weiße Socken getragen?“ oder „Warum diese Tapes an den Fingern?“ OK – klare Antwort: Die Hose war so kurz, damit man die Socken sieht. Diese waren weiß, um die Blicke auf die Tanzbewegungen zu führen. Genau dafür auch die Tapes an den Fingern. Dieses Detail hätte auch gern noch irgendwo verbaut werden können.
Apropos Tanzbewegungen. „Smooth Criminal“ – ich verbinde diesen Song mit einem alten Club und dem „Lean“, einem von Jackson entwickelten Move, bei der er sich scheinbar ungeachtet der Schwerkraft nach vorn beugen kann. „MJ“ tanzt und singt hier auf einer Straße im Neonlicht von Clubs zusammen mit der Crew. Ich liebe das Bühnenbild dazu. Aber wo bitte bleibt der „Lean“? „MJ“ wird dafür von den TänzerInnen gehalten und nach vorn und zurückbewegt, der eigentliche Move geht dabei leider unter. Warum wurde diese Vorrichtung nicht in der Bühne verbaut? Der „Lean“ ist neben dem Moonwalk ein weiteres prägnantes Markenzeichen von Jackson´s Tanzstil. Das finde ich schade. Selbst die damalige Tourproduktion von „Thriller live“ hatte dieses „Gadget“ im Repertoire.
Dann wird es traurig – „Can You Feel It“ von den Jacksons läuft – hier wird der Unfall von „Michael“ bei den Dreharbeiten für einen Pepsi-Werbespot visionalisiert. Der Grund für seine spätere Medikamtenabhängigkeit.

„She´s Out Of My Life“ folgt und wird verbunden mit „MJ´s“ Erinnerungen an die Untreue seines Vaters und einem Gespräch mit Rachel, bei dem es um den Wunsch geht, eine eigene Familie zu haben. „Jam“ zeigt erneut, wie getrieben „MJ“ ist, perfekt in der Performance mit der Crew zu sein. „Human Nature“ bildet einen tollen Abschluss, als „MJ“ und Rachel in seiner Welt „spazieren“ gehen und er sich mal nicht verstecken muss. Während des Gesprächs klärt „MJ“ auf, dass er seine Haut nicht künstlich bleicht, sondern an der Weißfleckenkrankheit (Vitiligo) leidet. Danke an das Buch, dass dieses Detail nicht ausgespart wurde!
Das schwierige Verhältnis zwischen „MJ“ und seinem Vater ein „Thriller“? Bühnenbild – ein großes Ja – eine Mischung aus „Dangerous“-Album-Cover und Zirkus. Auch ein großes Ja für die Kostüme – die Tänzer tragen aus mehreren Epochen je einen MJ Stil. Bei dieser Nummer fliegen Euch die Ohren und Augen weg! Der Bass tut fast weh und das Herz kommt ins Stocken. Der „junge Michael“ beginnt, „MJ“ stimmt ein und übernimmt. Krass, was Orchester, Kostüm und Choreographen hier gezaubert haben. Eine Friedhofszene mit Halbtoten und Grabsteinen sehen wir nicht. Aber das stört keines Weges!
Mit „Man In The Mirror“ endeten auch tatsächlich die Konzerte bei der Dangerous-Tour. Michael bzw. sein Double flog mit einem Jet-Pack über die Zuschauer. Mit „Man In The Mirror“ verabschiedet sich der Cast von der Bühne… eine tolle Gospel-Nummer mit nochmaligem Gänsehauteffekt.
Doch vor dem Ende kommt der Anfang. Wir können „MJ“ ein letztes Mal begleiten, wie er seine „Dangerous“- Tour spektakulär eröffnet. Kostüm für diese kurze Nummer – fast Perfekt. Ich bin echt begeistert, als mit einem „Bums“ alles vorbei ist, bevor die Zugabe los geht und bei der sich die DarstellerInnen verabschieden und Ihren wirklich verdienten Applaus abholen.


Benet Monteiro, den ich schon als Lola bei „Kinky Boots“ geliebt habe, überrascht mich sehr in seiner Rolle als „MJ“. Bewundernswert, wie präzise er die Bewegungen, die Gesten, die Mimik – bis zum kleinsten Zucken der Augenbrauen – und die Handbewegungen von Jackson drauf hat. Bemerkenswert – der kontrollierte Power-Jackson auf dem Dancefloor – der schüchterne, introvertierte Michael, wenn er sich nicht unter dem Mantel der Bewegungen und des Gesanges verstecken kann und der ängstlich seinem Vater ausweicht. Und das zieht sich durch bis zum Schluss! Für mich ist das Schauspiel in Perfektion.
Prince Damien überzeugte mich besonders als „Michael“ durch seine (Kopf-)Stimme. Sein „I Can´t Help It“ ist eine wahre Hommage an den Track von „Off The Wall“ und an Michael Jackson.

Photo: STAGE ENTERTAINMENT/Morris Mac Matzen
Besetzung Medienpremiere 30.11.2024

Als Fan ziehe ich den Hut vor dieser Show und verbeuge mich vor dieser Leistung! Klar gibt es hier und da Dinge, die man anders machen könnte, aber ist das nicht oftmals einfach nur eine Geschmackssache? Ich freu mich, dass „mein Michael“ wieder präsent ist.
„MJ – Das Michael Jackson Musical“ zeigt, nach meiner Meinung, einen wahren Michael Jackson, der sprudelte vor Ideen und getrieben war von sich selbst. Aber gerade das macht ein Genie aus. Ohne seine Perfektion wäre es nicht dieser Michael Jackson – und das sieht man in den knapp 2,5 Stunden, die garantiert nicht langweilig werden.

Natürlich gehört für mich auch das Merchandise dazu. Und tatsächlich habe ich mich am Abend mit sämtlichen Merch der Show eingedeckt. Schon einige Artikel zum Musical aus London und New York – wo das Stück unter „MJ The Musical“ läuft, habe ich in meiner Sammlung. Super, dass die Show hier in Deutschland sein eigenes gelabeltes Merch bekommen hat und zum großen Teil mit „MJ – Das Michael Jackson Musical“verkauft wird. Ein wenig enttäuscht war ich von der Jacke (60 €), die im Gegensatz zum New Yorker Pendent nicht gestickt, sondern leider nur geprintet ist.


Ich persönlich hoffe, dass das Cast-Album zur deutschen Produktion auf den Markt kommt und das Stück eine Weile zu sehen ist. Die nächsten Besuche sind nämlich schon geplant.
Vielen Dank, dass ich für euch die Show besuchen und berichten durfte. Das bedeutete mir wirklich sehr viel.
Lars
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