Selten gespielter Klassiker auf dem Domplatz in Magdeburg


Vor dem Magdeburger Dom wurde auch fรผr das diesjรคhrige Open Air wieder eine beeindruckende Bรผhne aufgebaut. Regisseur Erik Petersen inszeniert den Musicalklassiker „Oklahoma!“ von Rodgers und Hammerstein in toller Kulisse von Dirk Hofacker, der es zusammen mit den groรartigen Kostรผmen von Lukas Wassmann schafft, das Publikum in die Welt der Farmer im Jahre 1906 zu entfรผhren. Ergรคnzt wird das Bรผhnenbild durch eine LED Leinwand, die immer wieder dazu dient verschiedene Orte und auch Tageszeiten darzustellen. Aufwendig gemacht mit tollen Bildern, allerdings fรผr ein Open Air nicht unbedingt notwendig.
Erzรคhlt wird die Liebesgeschichte zwischen Cowboy Curly McLain und dem Farmermรคdchen Laurey Williams, die trotz Zankereien zueinander finden. Der miesgelaunte Farmarbeiter Jud Fry mรถchte ihr Herz ebenfalls gewinnen und geht in den Konkurrenzkampf mit Curly.
Eine weitere Liebesgeschichte entsteht zwischen Ado Annie und Will Parker, die vom fahrenden Hรคndler Ali Hakim gestรถrt wird. Fรผr wen es ein Happy End gibt, lassen wir hier erstmal offen…

Bei seiner Urauffรผhrung 1943 in New York, zรคhlte „Oklahoma!“ als eines der ersten Musicals, das die Lieder dazu nutzte, die Handlung weiterzufรผhren und nicht als zusรคtzliche Showeinlagen.

Groรe Ensembleszenen und Tanznummern unter der Choreographie von Sabine Arthold dรผrfen aber natรผrlich nicht fehlen. Das Ballett des Theaters Magdeburg, sowie dessen Chor und Statisterie sind auch in dieser Produktion wieder perfekt eingesetzt.
Die Musik steuert das groรartige Orchester „Magdeburgische Philharmonie“ unter der Leitung von Pawel Poplawski bei. Groรe Melodien untermalen den Abend, der einzige Ohrwurm bleibt allerdings „Oh what a beautiful Morning“, der sich vor allem dank einiger Reprisen unvergesslich macht.

Die Rollen sind perfekt besetzt, besonders herausragend sind neben Nicky Wuchinger als Curly, Kerstin Ibald als Tante Eller und Jan Ungar als Ali Hakim. Beide sorgen fรผr sehr humoristische Szenen und glรคnzen in ihrem Spiel! Auch Kara Kemeny als Ado Annie wird zum Publikumsliebling und sorgt fรผr viele erheiternde Momente.ย

In einer weiteren Hauptrolle รผberzeugt Sabrina Weckerlin als Laurey mit gewohnt starker Stimme.

Alexander Auler muss sich als Jud Fry jegliche freundliche Mimik verkneifen und gibt den Bรถsewicht sehr รผberzeugend.ย Vor allem tรคnzerisch beeindruckt Andrew Chadwick als Will Parker, der mit viel Herz und wenig Hirn um Ado Annies Liebe kรคmpft.ย In weiteren Rollen รผberzeugen Jeanett Neumeister und Sascha Laue, der vor allem mit unglaublich komรถdiantischer Mimik spielt.ย
Ergรคnzt durchs Ensemble, sowie Ballett, Chor und Statisterie fรผllt sich die groรe Bรผhne in entsprechenden Szenen gut aus.

Das Musical wurde fรผr die Magdeburger Inszenierung etwas eingekรผrzt, hat allerdings noch immer ein paar Lรคngen. Das Finale des ersten Aktes, eine Traumsequenz von Jud Fry, ist zwar toll umgesetzt und hรคlt einige รberraschungen bereit, wรคre aber nicht nรถtig gewesen und hat der Geschichte unnรถtig Schwung genommen.
Beginnend mit guter Laune und humoristischen Dialogen, stรผrzt die Story in dรผstere Momente, wird wieder frรถhlicher und endet im Finale dann blutreich und bedrรผckend.
Live Musik gespielt vom groรen Orchester, die starke Besetzung und das tolle Kostรผm- und Bรผhnenbild, sowie einige Feuereffekte, sind die Highlights des Abends. Einen in Deutschland sehr selten gespielten Klassiker auf den Domplatz zu bringen ist eine groรartige Entscheidung des Theaters Magdeburg und sollte definitiv weiter verfolgt werden!
Fotos Schlussapplaus







Danke fรผr die Einladung und den schรถnen Abend!
Tobias Berger
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