Hallo Fabio, stell dich doch bitte kurz vor.
Ich bin Fabio Diso – Halb-Italiener, Halb-Spanier, geboren in Illertissen, Deutschland. Seit über zwölf Jahren darf ich als Musicaldarsteller Geschichten auf Bühnen in ganz Europa performen.
Das erfüllt mich – nicht weil es mir mehr Prestige gibt, sondern weil es mir erlaubt, echte Emotionen zu transportieren, ohne dabei „kitschig“ zu sein. Und dass Live…

Aktuell kann man dich bei den Seefestspielen Mörbisch noch bis 16. August als Tony Manero erleben.
Was fasziniert dich an diesem Musical?
Mich fasziniert zuerst einmal die enorme Dimension, in der wir hier Geschichten erzählen dürfen: ein 62 Meter breites Bühnenportal und Platz für 6.200 Zuschauerinnen und Zuschauer – das ist beeindruckend.
„Saturday Night Fever“ zeigt nicht nur den Glanz und das Lebensgefühl der 70er, sondern auch die sozialen und politischen Herausforderungen dieser Zeit. Das ist heute wieder sehr relevant.
Die Rolle des Tony liegt mir besonders am Herzen: Meine Eltern kamen selbst als Gastarbeiter:innen nach Deutschland, um für uns ein besseres Leben aufzubauen.
Lustigerweise haben sich meine Eltern – wie bei Tony – in einer Disko kennengelernt. Mein Vater war ein großartiger Boogie-Tänzer. Das passt also irgendwie alles ganz gut.
Nebenbei laufen die Proben bei den Vereinigten Bühnen Wien für das neue Stück MARIA THERESIA – DAS MUSICAL. Kannst du uns schon etwas über das Stück und deine Rolle als „Franz Stephan von Lothringen“ erzählen?
Das Stück wird etwas ganz Besonderes: Wir erzählen die Geschichte der Habsburger nicht nur als historisches „Kaiserdrama“, sondern zeigen vor allem die menschlichen Seiten – echte Beziehungen hinter bekannten Figuren.
Franz Stephan von Lothringen, den ich spielen darf, war nicht nur der Ehemann von Maria Theresia, sondern auch ein kluger Stratege, ein wirtschaftliches Genie – und das an der Seite einer mächtigen Frau.
Die beiden lebten eine beeindruckende Form der Gleichberechtigung, lange bevor das gesellschaftlich Thema war.
Musikalisch bekommt das Ganze einen modernen Einschlag – Pop. Dieter Falk und Paul Falk haben ganz grosses Kino hingelegt,

Große Choreografien und eine Inszenierung, die viele überraschen wird.
Mehr darf ich leider noch nicht verraten 😉
Ab dem 10. Oktober geht’s los – mit der Habsburger-Familie 2.0.

Deine aktuelle CD „Fabio Diso – 7“ ist nun erhältlich. Der Titel deutet an: keine 7. CD, sondern 7 Songs zum „kurz Durchatmen“. Warum genau diese Auswahl?
(lacht) Genau – es ist nicht meine siebte CD, sondern eine ganz bewusste Auswahl von sieben Songs, die mir persönlich viel bedeuten.
Einige davon habe ich in Produktionen gesungen, andere nicht – sie sind zum Teil bekannte, zum Teil seltene Stücke, manchmal auch Ensemble-Nummern, neu interpretiert.
Mir war wichtig, dass jeder Song eine klare Botschaft trägt. Im Booklet erkläre ich die Hintergründe zu jedem einzelnen – da steckt viel Herz drin.

Welche Rolle war bisher die größte Herausforderung – stimmlich oder darstellerisch?
Jede Rolle bringt ihre eigenen Herausforderungen mit.
Bei Galileo in We Will Rock You ist der Gesang extrem anspruchsvoll. Tony Manero wiederum fordert
tänzerisch – mit komplexen, technisch herausfordernden Disco-Moves.
Dann gab’s Rollen wie Jekyll & Hyde, die körperlich und stimmlich an Grenzen gehen.
Billy Flynn in Chicago ist wiederum sehr sprachlich geprägt – da zählt der Witz im Timing.
Ich liebe es, dass jede Figur ihren eigenen Schwerpunkt mitbringt – und ich mich immer wieder neu hineinfühlen darf.
Wie bist du zur Musicalbühne gekommen? Gab es einen Plan B?
Ganz anders als viele meiner Kolleg:innen!
Ich war als Teenie ziemlich wild – sagen wir’s mal so (lacht).
Ein Lehrer hat mein Temperament irgendwann umgelenkt und mich in die Theater-AG gesteckt.
Anfangs war ich gar nicht begeistert – vor allem, als wir 2004 in der Klasse die VHS-Kassette von Cats schauen mussten.
Dass ich zehn Jahre später auf der Bühne von Mamma Mia! stehen würde, hätte ich damals nie gedacht.
Auch in schwierigen Zeiten wie während Corona habe ich versucht, kreativ zu bleiben. Ich habe Konzerte organisiert, die gestreamt wurden – einfach um in Verbindung zu bleiben und weiter das zu tun, was ich liebe.
Ich bin generell jemand, der immer versucht, etwas aus einer Situation zu machen – sei sie noch so herausfordernd. Ich habe viele Interessen und versuche, sie auf kreative Weise zu verbinden. Stillstand ist einfach nichts für mich. Wenn etwas nicht geht wie geplant, suche ich eben andere Wege.
Hast du ein Ritual vor jeder Vorstellung?
Ja – ich wärme mich körperlich und stimmlich gründlich auf, gehe im Kopf nochmal die Choreo und den Text durch.
Und dann, ganz wichtig: Bevor ich die Bühne betrete, halte ich kurz inne, blicke in den Himmel und spreche meinen Dank aus – dass ich diesen Beruf machen darf, dass ich heute wieder einem Charakter Leben geben darf.
Ich erinnere mich bewusst an meine „höhere Botschaft“, das hilft mir, ganz im Moment zu sein.
Wie gehst du mit Lampenfieber um?
Ich habe das Glück, kaum Lampenfieber zu spüren.
Ich denke mir: Dinge passieren – auch auf der Bühne. Und dann musst du eben schnell und flexibel reagieren.
Mir hilft es, den Fokus auf das Wesentliche zu richten: Was will ich mit dieser Rolle sagen? Was will ich transportieren? Wenn ich das klar vor Augen habe, ist es nicht schlimm, wenn mal ein Ton oder ein Wort nicht 100 % sitzt.
Gibt es eine Traumrolle, die du unbedingt noch spielen willst?
Ich würde unglaublich gerne mal Lucheni in Elisabeth spielen.
Diese Figur ist komplex, bissig, ironisch – das reizt mich total.
Wenn du zurückblickst: Welchen Ratschlag würdest du deinem jüngeren Ich geben?
Ich glaube, ich würde ihm raten, sich früher Wurzeln zu suchen – einen Ort, an dem man wirklich „ankommt“.
Das hätte mir wahrscheinlich früher innere Ruhe gegeben.
Andererseits – vielleicht musste es genau so kommen, wie es gekommen ist.

#privat
Frühaufsteher oder Morgenmuffel?
Frühaufsteher!
Dein erstes Musical als Zuschauer?
Ich war noch niemals in New York
Wann bist du am kreativsten?
Definitiv nachts.
Was ist geplant für die Zukunft?
Konzertformate – sowohl Musical-Konzerte als auch andere – stehen an. Ich freu mich riesig darauf!
Was ist dein „Song of my Life“?
Fight from the Heart aus Rocky.
Für mich symbolisiert der Song, dass man nie – in keinem Lebensbereich – aufgeben darf. Stillstand ist keine Option.
Ergänze folgende Sätze:
Mein kleiner Beitrag zum Klimaschutz ist … weniger Kleidung zu kaufen, dafür zu tauschen oder zu spenden. Und ich achte darauf, Elektrogeräte wirklich auszuschalten.
Besonders stolz bin ich auf … meinen Humor und meine Fähigkeit, auch schwierige Situationen mit Leichtigkeit zu nehmen.
Schwach werde ich bei … Eis. Immer.
Etwas, das du gar nicht kannst? Handwerkliche Dinge im Haushalt – da bin ich raus. (lacht) Aber zum Glück gibt’s ja YouTube-Tutorials!
Was hast du dir in letzter Zeit gegönnt?
Viel gutes Essen! Durch die vielen Proben gönne ich mir bewusst ab und zu eine kleine Belohnung beim Auswärtsessen.
Welche Frage wird dir selten gestellt, die du aber gerne mal beantworten würdest?
Wie gehst du mit Absagen oder Rückschlägen im Beruf um?
Ich finde: Unsere Aufgabe endet nach dem Casting. Wir bereiten uns so gut wie möglich vor, zeigen, was wir können – und dann liegt es nicht mehr in unserer Hand.
Wenn’s klappt, wunderbar. Wenn nicht, dann war es vielleicht einfach nicht das Richtige oder nicht der richtige Zeitpunkt.
Ich glaube ganz fest daran: Etwas anderes wird kommen. Es ist wichtig, das nicht als persönliches Scheitern zu sehen, sondern als Teil des Weges.

Danke fürs Interview
Categories: DerKulturBlog-Talk















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