Kulturboulevard

CATS – Internationale Tour / Europa-Tour 2025

Nach nur drei Jahren tourt wieder die Originalproduktion von CATS durch die europรคischen Lande.

Verantwortlich fรผr die Inszenierung ist nach wie vor Chrissie Cartwright als rechte Regie-Hand von Sir Andrew Lloyd Webber. Bisherige Stationen waren Dรผsseldorf, Mรผnchen und Frankfurt. Aktuell ist CATS in Linz zu sehen.

Ensemble1 Cats 2015 - DerKulrut.blog
c) Alessandra Pinna

Ein Gastbeitrag von CATS-Hardcore-Fan Florian, der kurz vor seinem 300. Besuch des Musicals steht.

In den Gastspielhรคusern wird der nur leicht modernisierte und sich damit streng am Westend-Vorbild orientierende Klassiker mit einer รคuรŸerst spielfreudigen 22-kรถpfigen Katzentruppe und einer (geschรคtzt) 8-Mann-Liveband unter musikalischer Leitung von David McLaughlin aufgefรผhrt. Fรผr die Abendregie zeichnet der bewรคhrte Resident Director Dane Quixall verantwortlich. Er war jahrelang selbst Katzendarsteller und springt – wenn Not am Mann ist – auch immer noch gerne mal auf der Bรผhne ein (zuletzt als Macavity im Deutschen Theater in Mรผnchen).

CATS - Deutsches Theater Mรผnchen credit-alessandro-pinna - DerKultur.blog
ยฉ Alessandro Pinna

Die Geschichte der Jellicle-Katzen ist so bekannt, wie auch hauchdรผnn: Eine Horde wilder Katzen lebt auf einer Londoner Mรผllhalde und trifft sich einmal im Jahr zum Jellicle-Ball, in dessen Rahmen der gutherzige und geliebte รœbervater der Felltruppe, der altehrwรผrdige Alt Deuteronimus (hervorragend warmherzig gespielt und mit sattem Tenor gesungen von Michael Robert Lowe), eine der Katzen erwรคhlt, die ein zweites Katzenleben fรผhren darf und dazu in den „Heaviside Layer“ auffรคhrt.ย 

CATS - Deutsches Theater Mรผnchen credit-alessandro-pinna - DerKultur.blog
ยฉ Alessandro Pinna

Zu diesem Zweck stellen sich die verschiedenen Felltrรคger mit ihrer Geschichte bei ihm vor – man merkt als Zuschauer schnell, dass die verschiedenen Katzentypen sich eigentlich nicht von uns Menschen unterscheiden und dass uns der Autor der zugrundeliegenden Geschichte (credits to Thomas Sterns Elliott mit seinem Werk „Old Possum’s Book of Practical Cats) hier den Spiegel vorhรคlt. Die Charakter der Jelliclekatzen sind so bunt wie die der Menschen:ย 

Da gibt es z.B.ย das gutmรผtige Gaunerpรคrchen Mungojerry und Rumpleteazer (brilliant in den Rollen: Marcus May und Lauren Bronwyn-Wood), den alten Schauspieler-Kater Gus (verkรถrpert durch Nathan Taylor) mit seiner fรผrsorglichen Betreuer-Katze Jellylorum (herzerwรคrmendst katzenhaft: Daisy Boyles) und die tagsรผber faulenzende, nachts aber zu unerwartetem รœbereifer in der Mรคuse- und Kakerlakendressur auflaufende Jenny Anydots (herrlich positive Energie verspritzend: Hazel Baldwin).
Da sind aber auch die distanzierte und etwas hochmรผtige Kurzhaarkatze Cassandra (รคuรŸerst elegant, aloof und katzig getanzt von Emily Layden-Fritz), die naive junge weiรŸe Teenkatze Victoria (gekonnt ballettiert von Isabel Moore) oder der vor Pรผnktlich- und Zuverlรคssigkeit strotzende Eisenbahnkater Skimbleshanks (mit Inbrunst gespielt und gesungen von CATS-Urgestein Gavin Eden), ohne den der Nachtzug aufgeschmissen wรคre.
Zum absoluten Publikumsliebling kรผrtย sich schon in der ersten Hรคlfte des ersten Aktes der wildbemรคhnte heiรŸblรผtige Rockstar-Kater Rum-Tum-Tugger, der bei seiner Nummer nicht nur die Herzen der jungen Jellicle-Teenies hรถher schlรคgen lรคsst, sondern im Hand-, Verzeihung, Schwanzumdrehen auch die Herzen der Zuschauer*innen im Sturm erobert. Shem Omari gibt in dieser Rolle alles und rockt die Bรผhne, als gรคbe es kein Morgen – allein sein Auftritt: sehenswert!

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Und dann ist da – neben vielen anderen – natรผrlich noch die eigentliche zentrale Figur der vom ausschweifenden Divenleben gezeichneten und wรผrdelos gealterten ehemals glamourรถsen Katzendiva Grizzabella, die ehedem aufgrund ihrer Eskapaden aus dem Jellicle-Tribe ausgestoรŸen wurde, im Laufe der Story ihre Fehler einsieht und der (รœberraschung!) seitens der anderen Jellicle-Katzen schlussendlich verziehen wird.
Und, ohne denย Plott-Twistย spoilern zu wollen, die – nachdem sie von ihrenย Mitmiezekatzenย wieder angenommen wurde – ein zweites Katzenleben geschenkt bekommt. Lucy May Barker legt ihre Grizzabellaย รคuรŸerst verbittert an, und obwohl man ihr die Rolle der alten, verbrauchtenย Divaqueen, angesichts ihres jungen Alters, zunรคchst nicht ganz abnehmen mag, รผberzeugt sie spรคtestens beim vom Publikum sehnlichst erwarteten Reprise von „Memory“ mit einem Stimmvolumen, das einem die Gรคnsehaut den Rรผcken hochprรผgelt.

CATS - Deutsches Theater Mรผnchen - DerKultur.blog

So simpel – so verstaubt, kรถnnte man meinen. Eine Geschichte von Hochmut und Fall und von Selbsterkenntnis, Gutmรผtigkeit und Verzeihung.  

Doch weit gefehlt: Dieses Stรผck lebt weniger von der Handlung, als vielmehr von den niemals alternden Ohrwรผrmern des genialen Sir Andrew Lloyd Webber, der es durch eingรคngige Riffs, stรคndige Reprisen und den รผberzeugenden Soundkomplex irgendwie schafft, auch „CATS-Neueinsteiger“ spรคtestens nach dem zweiten Titel mitsummen und die geneigten ZuschauerfรผรŸe im Takt mitbewegen zu lassen; Ohrwurmsounds, die man fรผr lange Zeit mit aus dem Theater nach Hause nimmt – versprochen!

Wรผrde man nicht wissen, dass die Band nur aus einer Handvoll Musiker besteht, man wรผrde aufgrund des satten, gut abgemischten Sounds von einem Vollorchester hinter der Bรผhne ausgehen. 

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ยฉ Alessandro Pinna

Dazu kommt die รผberbordende darstellerische Energie der Bรผhnen-Company, die mit einer Spielfreude bei der Sache ist, die Ihresgleichen sucht und die ganz offensichtlich selbst mit hรถchstem SpaรŸ dabei ist.ย 

Die Darsteller reiรŸen – auch dank der durchwegs runden gesanglichen Leistungen – einfach in jeder Form mit. Mag vielleicht vereinzelt jemand mit der Musik nichts anzufangen wissen – spรคtestens die akrobatischen Leistungen und die katzenhaft-anmutigen Bewegungen der Dancecompany und der Solisten, die รคuรŸert liebe- und humorvollen Interaktion mit dem Publikum und gerade die kleinen kรคtzischen Gesten, Bewegungen, Mimiken und Blicke und die immer frisch improvisierten Foppereien untereinander, verdienen und erhalten am Ende den Respekt jedes Zuschauers.
Jeder, der eine Katze zu Hause hat, wird viele der Verhaltensweisen der Fellnasen sofort 1:1 wieder erkennen. Ergรคnzt natรผrlich durch die geniale Maske mit den wunderschรถnen Katzengesichtern, die fantastischen Kostรผme, die legendรคre rasante und raffinierte Choreographie von Gillian Lynne und das unfassbar immersive Bรผhnenbild (skaliert auf KatzengrรถรŸe) von John Napier. Eine Kombination, die aus Menschen Katzenmenschen macht und die das Publikum vรถllig in die Geschichte eintauchen lรคsst.

In den vielen besuchten (durchwegs ausverkauften) Vorstellungen war der Saal durch die Bank begeistert und zollte dem unglaublich talentierten und hinsichtlich der Charaktere auf den Punkt gecasteten Ensemble durch Standing Ovations und tosenden Applaus entsprechende Anerkennung. Kurzum: eine durchwegs stimmige, spritzige, qualitรคtsmรครŸig hรถchstwertige Tourneeproduktion, die den bisherigen Longrun-Produktionen – was den SpaรŸ an der Show anbelangt – in nichts nachsteht; so manche jahrelang und routiniert ablaufende stationรคreย Produktionย lรคsst sie definitiv durch die frische, jugendliche Spielfreude im Schatten stehen.

Ensemble1 Cats 2015 - DerKulrut.blog
ยฉ Alessandro Pinna

Fazit: Thumbs up, es ist definitiv (mindestens) einen Besuch wert und ein unterhaltsamer Nachmittagย / Abend fรผr die ganze Familie ist garantiert!ย 

Bei CATS, sagt man, gibt es Schnittmengen: Entweder man mag gute Musik, legendรคre Tanzchoreographien oder einfachย nur Katzen. Findet man aber alle drei Dinge gut, ist CATS der berรผhmte Sechser im Lotto und damit Pflichtprogramm – wie wahr!

Florian รผber sich selbst:
Als Musicalfan zieht es mich immer wieder in das, 1986 im zarten Alter
von 12 Jahren, erste besuchte Musical CATS, das damals sicherlich den Auslรถser
meiner Liebe zum Musiktheater darstellte.

Seither habe ich sehr viele deutsch- und englischsprachige CATS-Produktionen besucht und einige davon von Premiere bis Derniere quasi „begleitet“, so dass ich รผber die Jahrzehnte ein breitgefรคchertes Potpourri von Eindrรผcken รผber das Stรผck sammeln konnte.ย 
Natรผrlich bin ich, sofern die Zeit es erlaubt, auch im gesamten anderen Spektrum des Musiktheaters unterwegs und freue mich immer wieder auf Neuproduktionen des Genres.

Florian Haderer
IG und TT: @florihad_hadiflor

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