Linz 15.02.2025 – Premiere Landestheater Linz
Die unstillbare Gier nach Blut

Das schreibt DerKultur.blog
Willkommen im Barbershop in der Fleet Street. Benjamin Barker ist zurück. Als Barbier Sweeney Todd hat er nun
ein neues Zuhause im Landestheater Linz gefunden.

Die Inszenierung von Sweeney Todd ist nichts für schwache Nerven. Sweeney Todd ist ein Virtuose 🙂 wenn es darum geht sein Rasiermesser zur Geltung zu bringen.

Leider überleben, vor allem im zweiten Akt, nur wenige, die seinen Barbershop besuchen. Aber auch an die Entsorgung ist gedacht, die Kunden werden nach der „Rasur“ im Keller der Barbarei zu Pasteten verarbeitet.
Nach diesem Musical werden Pasteten von unserer Speisekarte gestrichen 🙂



Besonders die Darstellung von Sweeney Todd durch Max Niemeyer ist von großer Düsternis geprägt.
Er verkörpert den Barbier als einen gebrochenen Mann, der von Rachegelüsten zerfressen wird. Er ist sowas von authentisch in der Rolle, dass es eine wahre Freude ist ihm zuzusehen und zuzuhören. Den schwarzen Humor bringt vor allem Daniela Dett wunderbar als Pastettenbäckerin des Grauens Nellie Lovett auf die Bühne. Einfach herrlich.

Teilweise sind bis zu 22 Personen auf der Bühne, die, wenn sie alle in den Chor einstimmen, gewaltig sind.
Noch dazu in aufwendigen Kostümen, die das visuelle Bild verstärken.


Dann sind wir auch schon beim Bühnenbild, es ist düster, ja ziemlich düster, aber trotzdem schafft es
Michael Grundner immer wieder mit seinem Lichtdesign ein perfektes Stimmungsbild zu gestalten.
Bei der Bühne zeigt Linz wieder einmal, was alles möglich ist. Die Bühne wird voll ausgereizt, vor allem im zweiten Akt wird gleich auf mehreren Ebenen gespielt – das kann man gar nicht so bildlich beschreiben, das muss man sehen. Wir lieben es auch sehr, wenn auch der Steg zwischen Publikum und Orchestergraben so gekonnt genutzt wird.


Weiter geht es in den Orchestergraben, der ist VOLL, ich glaube mehr Personen und Musikinstrumente hätten da nicht mehr rein gepasst und das hört man bei lauten und leisen Tönen. So muss ein Orchester klingen. Wunderbar ist in Linz auch, dass man die Musiker:innen sehen kann.

Der Barbier des Grauens von der Fleet Street ist ein „Grusikal“, das zwar Längen hat, aber durch sein Gesamtbild überzeugt. Es ist jetzt kein Stück bei dem man sagt – da gehe ich morgen gleich wieder rein – aber es ist ein blutiges Schauspiel für einen etwas anderen Theaterabend.

Na dann, wo gibt es die besten Pasteten in Linz 🙂
Story
Barbier Sweeney Todd kehrt nach Jahren der Verbannung ins viktorianische London zurück. Er sucht Rache an Richter Turpin, der ihn einst zu Unrecht verurteilt, seine Frau missbraucht und seine Tochter entführt hat. In der chronisch erfolglosen Pastetenbäckerin Mrs. Lovett, über deren Geschäft er einen Barbierladen eröffnet, findet Sweeney die perfekte Geschäftspartnerin. Sein unstillbarer Blutdurst beschert ihr so wohlschmeckende Füllungen für ihre Fleischpasteten, dass die Leute in der Fleet Street bald Schlange stehen. Mrs. Lovett ist glücklich, während Sweeney der geschäftliche Erfolg und Lovetts Zuneigung kalt lassen – ihn interessiert nichts anderes, als seinen Racheplan zu vollenden.

Die Uraufführung von Sweeney Todd wurde 1979 mit acht Tony Awards (u. a. als Bestes Musical) ausgezeichnet. Seither hat der gleichermaßen nervenzerreißende wie umwerfend komische Musical-Thriller einen Klassiker-Status erreicht und ist spätestens seit Tim Burtons Verfilmung mit Johnny Depp das erfolgreichste Stück des 2021 verstorbenen Musical-Altmeisters Stephen Sondheim.
Schlussapplaus Premiere

Tickets


Szenenfotos: © Barbara Pálffy
Musikalische Leitung – Tom Bitterlich
Inszenierung und Choreografie – Simon Eichenberger
Bühne – Charles Quiggin
Kostüme – Aleš Valášek
Lichtdesign – Michael Grundner
Dramaturgie – Arne Beeker
Chorleitung Elena Pierini, David Alexander Barnard
Nachdirigat – Raban Brunner

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