Groรe Musical Produktionen findet man mittlerweile nicht mehr nur fรผr groรes Geld in groรen Theatern, sondern auch in kleineren Spielstรคtten von Vereinen mit ehrenamtlichen Darstellenden, die ihre Rollen auf hohem Niveu darbieten. So zum Beispiel der Verein „Junges Musical Leverkusen“, der dieses Jahr „The Prom“ in seiner eigenen Inszenierung zur Auffรผhrung bringt und derzeit bereits mitten in den Proben steckt.ย
Nahezu alle Beteiligten arbeiten ehrenamtlich an dieser Produktion, so auch Franziska Neuhaus und Manuel Ihm, die sich zwei der Hauptrollen mit ihren Kolleg*innen teilen.
Im Interview sprechen sie รผber die Arbeit im Verein, ihre Leidenschaft zum Musical und natรผrlich die neue Produktion „The Prom“.

Liebe Franzi, lieber Manu, stellt den Verein doch bitte zuerst einmal kurz vor.ย
Beide: Wir sind das Junge Musical Leverkusen โ und unseren Verein gibt es nun schon seit sage und schreibe fast 18 Jahren. Was einst klein begann, fรผhlt sich heute in seiner Struktur beinahe wie ein professionelles Musical-unternehmen an, denn bei uns hat jede und jeder nicht nur seine Aufgaben auf der Bรผhne, sondern auch feste Verantwortlichkeiten dahinter. Nur so kann eine Produktion in dieser Grรถรenordnung รผberhaupt funktionieren.
Es mรผssen Bรผhnenbilder gebaut, Kostรผme gekauft und genรคht, Maskenkonzepte entwickelt, Requisiten organisiert und Marketingkampagnen umgesetzt werden โ schlieรlich wollen wir nicht vor leerem Haus spielen. Was mit vier Vorstellungen von Der kleine Horrorladen in einer Schulaula begann, ist inzwischen zu zehn Shows vor jeweils rund 600 Zuschauer:innen im Erholungshaus Leverkusen gewachsen.
Auf der Bรผhne stehen heute knapp 40 Ensemblemitglieder, im Orchestergraben spielen rund 20 Musiker:innen.
Hinzu kommen ein eigenes Stage-Management, eine Callerin, ein groรes Team ehrenamtlicher Helfer:innen sowie ein professionelles Technikteam, das uns in den Bereichen Licht und Ton unterstรผtzt. Und weil unsere Produktionen mittlerweile diese Grรถรe erreicht haben, durften wir im vergangenen Jahr als erster Verein รผberhaupt Hape Kerkelings Kein Pardon auf die Bรผhne bringen.
Wir proben in der Regel zweimal pro Woche, die Vorbereitungszeit fรผr eine Show betrรคgt etwa acht Monate. Und all das geschieht mit voller Leidenschaft in unserer Freizeit โ ohne Gage, sondern einfach aus Liebe zum Musical.
Was bedeutet es, ein Musical in Vereinsarbeit auf die Bรผhne zu bringen?
Beide: Vor allem bedeutet es Leidenschaft, Engagement und echten Teamgeist. Es lebt vom Motto โAlle fรผr einen und einer fรผr alleโ โ auch wenn wir nicht Die drei Musketiere spielen. Gerade im Verein, wo alle Beteiligten freiwillig, ohne Gage und neben ihrem Hauptberuf arbeiten, heiรt das, enorm viel Zeit und Energie in dieses Hobby zu investieren. Jede und jeder muss mit anpacken. Denn neben den groรartigen Momenten in den Proben und natรผrlich bei den Auffรผhrungen auf der Bรผhne รผbernehmen wir alles selbst: vom Bau des Bรผhnenbildes รผber die Kostรผme bis hin zur Konzeption kompletter Marketingkampagnen.
Im Grunde stemmen wir in unserer Freizeit den gesamten Apparat einer professionellen Musicalproduktion.

Im Mรคrz 2026 feiert eure neue Produktion „The Prom“ Premiere. Was verbindet ihr mit dem Stรผck?
Manu: Als „The Prom“ damals seine Premiere am Broadway feierte, bin ich eher zufรคllig darauf aufmerksam geworden โ und habe mich sofort in die Geschichte und vor allem in die Musik verliebt. Ich weiร noch, dass in diesem Jahr „Unruly Heart“ sogar mein meistgestreamter Song im Spotify Wrapped war. Als dann spรคter die Verfilmung auf Netflix erschien, war es endgรผltig um mich geschehen. Fรผr mich persรถnlich geht nun ein unglaublich groรer Traum in Erfรผllung: Diese besondere Geschichte selbst auf der Bรผhne erzรคhlen zu dรผrfen.
Franzi: Ich verbinde mit dem Stรผck vor allem die Botschaft, lieben zu dรผrfen, wen man will. Es geht um Akzeptanz, Respekt, fรผreinander einzustehen und Verstรคndnis zu haben. Diese Message wird mit viel Humor und Augenzwinkern erzรคhlt, hat aber gleichzeitig Tiefe und Ernsthaftigkeit. Eine Geschichte, die nie alt wird und Kraft geben kann. Ich habe zuerst den Film gesehen und kannte davor nur die Broadway-Musik.
Mich haben die Story, die klare Haltung und die Art, wie diese Themen transportiert werden, sofort begeistert.

Was erwartet uns bei dieser Produktion?
Beide: Die Shows von JuMu werden jedes Jahr hรถher, schneller, grรถรer und eindrucksvoller. Unser Publikum darf sich immer wieder auf neue Effekte freuen โ ob Drehbรผhne, Pyrotechnik oder aufwendig konzipierte Trickkostรผme. Auch in diesem Jahr wird es รberraschungen geben, die man in unseren Shows so noch nicht gesehen hat.
The Prom erzรคhlt von groรen Themen wie Liebe, Toleranz und Akzeptanz, von Mut und Selbstbestimmung โ Werte, die berรผhren, ermutigen und verbinden. Gerade in der aktuellen politischen Lage ist diese Geschichte wichtiger denn je. All das trifft auf Musik, die direkt ins Herz geht, beeindruckende Choreografien und erstaunlich groรe Bรผhnenbilder, die das Publikum in eine ebenso mitreiรende wie bewegende Musicalwelt entfรผhren.
Was sind eure Rollen in „The Prom“ und was machen sie fรผr euch so besonders?
Beide: Wir spielen Dee Dee Allen und Barry Glickman โ zwei Broadwaystars, deren Karrieren am Rande des Scheiterns stehen, weil sie zuletzt eher durch Narzissmus und negative Schlagzeilen aufgefallen sind, als durch Erfolge auf der Bรผhne. Was die beiden verbindet, ist eine lange, gewachsene Freundschaft: Sie kennen einander in- und auswendig, wissen genau, wie sie miteinander umgehen mรผssen, necken sich โ und lieben sich trotz allem sehr.
Manu: Allein die Mรถglichkeit, Barry spielen zu dรผrfen, ist fรผr mich persรถnlich schon wie ein Sechser im Lotto. Dass ich diese Rolle nun auch noch gemeinsam mit Franzi als Dee Dee spielen darf, ist sprichwรถrtlich die Kirsche auf der Sahne. Franzi und ich kennen uns inzwischen seit gut zehn Jahren, hatten aber bisher nie wirklich die Gelegenheit, gemeinsam auf der Bรผhne zu spielen oder zu singen โ sei es, weil unsere Rollen keine gemeinsamen Szenen hatten oder wir bei Konzerten keine Duette bekommen haben.
Und nun dieses Duo: Ich glaube, es gรคbe kein anderes Rollenpaar, das besser zu uns beiden passen kรถnnte.
Franzi: Fรผr mich ist es eine groรe Ehre, Dee Dee Allen spielen zu dรผrfen. Die Rolle reizt mich aus sich heraus, weil sie schillernd, witzig, dramatisch, voller starker Songs und Nuancen ist, und weil man ihre Entwicklung wirklich gestalten und erspielen darf. Dass Dee Dee im Film von der groรartigen Meryl Streep verkรถrpert wurde, ist fรผr mich zusรคtzlich etwas Besonderes und ich freue mich riesig รผber diese Chance, daraus meine eigene Version zu machen. Auรerdem dieses Dee Dee – Barry Duo mit Manu zu spielen macht einfach richtig Freude. Wir wollten schon lange zusammen spielen und singen, und jetzt hat es endlich geklappt. In unserer Besetzung wird das Duo dann noch erweitert zu einem Broadway-Quartett mit Sarah als Angie und meinem Ehemann Tom als Trent, und zu viert matched es auf allen Ebenen, Gesang, Spiel und Tanz. Im Probenprozess merken wir jedes Mal, wie sehr wir uns gegenseitig beflรผgeln und wie viel Energie dabei entsteht, und dass ich diese Zeit auch mit Tom so intensiv im gemeinsamen Alltag der Proben teile, ist wunderschรถn. Das Ganze eingebettet in ein starkes Ensemble und eine Geschichte mit einer wichtigen Botschaft, das ist etwas ganz Besonderes.
Franzi, wir kennen dich als die liebe Mutter Schlรถnzke in „Kein Pardon“, aber auch als Hexe in „Big Fish“. Jetzt spielst du Dee Dee, eine doch sehr von sich selbst รผberzeugte Frau. Welche Rollen machen dir besonders Spaร?
Ich liebe den Mix aus ganz unterschiedlichen Charakteren. Jede Rolle bringt ihre eigenen Herausforderungen und Highlights mit sich. Ich liebe alle drei Sparten des Musicals. Singen, Tanzen und Spielen, wobei das Singen mein persรถnlicher Lieblingsbereich ist, von kraftvollen Power-Songs bis hin zu zarten, verletzlichen Balladen. Besonders reizen mich Rollen mit Tiefe, bei denen man viele Facetten erarbeiten und sie im Laufe des Stรผcks zeigen darf.
Nach der letzten Figur Mutter Schlรถnzke, die sehr ehrlich, nahbar und emotional war, ist es besonders spannend, nun Dee Dee Allen zu spielen, eine Rolle, die viel Drama, Glanz und groรe Gesten mitbringt.
Manu, diesmal schlรผpfst du in die Rolle von Barry, einen selbstverliebten aber gutherzigen Broadwaystar. Zuvor warst du auf der Bรผhne als cholerischer Redakteur Bertram in „Kein Pardon“ oder auch Warner in „Natรผrlich Blond“ zu sehen. Diesmal ist deine Rolle dann doch sympathischer, was spielst du lieber?
Puh โ Warner, Bertram, Barry โฆ unterschiedlicher kรถnnten diese drei Charaktere kaum sein. Ich glaube, beide Extreme haben ihre ganz eigenen Herausforderungen: Einerseits einen Charakter zu verkรถrpern, der dem eigenen Wesen sehr fernliegt, andererseits eine Figur zu spielen, die einem selbst sehr รคhnlich ist. Gerade dann muss man bewusst darauf achten, wie viel von den eigenen Emotionen man der Rolle mitgibt, damit man danach nicht in eine Traumatherapie muss *hier bitte lachen*.
Bei diesen drei Rollen wรผrde ich mich dennoch immer fรผr Barry entscheiden. Er vereint fรผr mich auf besondere Weise den erfahrenen alten Showhasen mit einer groรen emotionalen Tiefe โ und genau diese Mischung macht ihn fรผr mich so reizvoll.

Den Verein „Junges Musical Leverkusen“ gibt es bereits seit รผber 18 Jahren, neben zahlreichen Konzerten, ist „The Prom“ nun das zehnte Musical, dass ihr produziert. Worauf blickt ihr besonders gerne zurรผck in den vergangenen Jahren?
Manu: Ich bin jetzt seit 5 Jahren Teil dieses verrรผckten Haufens und bin genau in der Pandemie eingestiegen. Mein persรถnliches Highlight war das Projekt 2023/24 โ Natรผrlich Blond. In dieser Zeit sind einige Freundschaften besonders intensiv geworden, die mein Leben massiv bereichert haben.
Franzi: Ich bin seit รผber zehn Jahren Teil des Vereins und fรผr mich ist vor allem dieses starke Gefรผhl von Gemeinschaft etwas ganz Besonderes. Die JuMu-Family. Menschen, die einen verstehen und mit denen ich diese Leidenschaft teile. Diese gegenseitige Liebe und das Verstรคndnis fรผreinander. Zu sehen, wie wir gemeinsam wachsen und was ich persรถnlich daraus mitnehmen durfte, bedeutet mir sehr viel. Ich bin zudem seit vielen Jahren im Vorstand aktiv und auch diese gemeinsame Entwicklung, das, was wir aufgebaut haben, ist wunderschรถn und sehr berรผhrend. Fรผr mich ist JuMu ein zweites Zuhause mit dem unzรคhlige, besondere Erinnerungen verknรผpft sind.

Mit welchen drei Worten, wรผrdet ihr den Verein und seine Mitglieder beschreiben.
Manu: Verrรผckt, Familie, Leidenschaft
Franzi: Familie, Kรผnstler, Leidenschaft
Warum sollte man „The Prom“ in Leverkusen nicht verpassen?
Beide: Es wird einfach krass. In Zeiten, wo Musicals gut und gerne mal รผber 150 Euro kosten, bekommt man bei uns ebenso wirklich hohes Niveau, ein groรes Live-Orchester, ein fabelhaftes Ensemble, das wirklich nah an Profi-Produktionen rankommt fรผr wirklich kleines Geld.ย
Und kleiner Tipp: wenn ihr kommt, vergesst die Taschentรผcher nicht โ es wird emotional!ย
Danke euch beiden fรผr eure Zeit und den tollen Einblick! Wir freuen uns sehr, euch in „The Prom“ auf der Bรผhne zu erleben.
Wir wรผnschen euch und dem Verein alles Gute und viel Freude bei allen Projekten.
„The Prom“ lรคuft ab 20. Mรคrz 2026 mit insgesamt zehn Vorstellungen in zwei unterschiedlichen Besetzungen im Erholungshaus Leverkusen. Tickets und Infos gibt es unter jungesmusical.de
Dieses Interview fรผhrte Tobias Berger
Fotos: Sebastian Hartmann.
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