Sie sind nicht nur Kollegen im Musical „Maria Theresia“, sondern auch ziemlich beste Freunde: Diesmal ging es auf „Einen Kaffee mit…“ dem Power-Duo Charles Kreische und Livia Wrede.


(c) MarcoSommer
Könnt ihr euch zuallererst mal kurz vorstellen?
Livia Wrede: Hallo, ich bin Livia Wrede, ich bin 31 Jahre alt, bin in Schleswig-Holstein geboren, aber meine Mama ist Schweizerin – also ich bin Deutsch-Schweizerin.
Charles Kreische: Und ich bin der Charles, bin 30 Jahre alt und komme aus dem schönen Brandenburg.
Wann und warum habt ihr beschlossen, Musical-Darsteller*in werden zu wollen?
CK: Ich hab das Theater von klein auf geliebt und war schon im Kinderchor bei Opernproduktionen mit dabei. Erst später habe ich festgestellt, dass ich auch ein wenig Bewegungstalent habe und begonnen, auch zu tanzen. So richtig entschieden, dass ich Musical machen möchte, habe ich mich so mit 11, 12 Jahren.
LW: Für mich war’s schon immer klar: Ich wollte erst Schauspielerin werden, habe auch von Klein auf getanzt und auch gerne gesungen. Nachdem ich als Kind mein erstes Musical in Hamburg gesehen hatte, stand für mich fest, dass ich selbst mal auf so einer Bühne stehen möchte.

Was hat euer Umfeld zu eurem Berufswunsch gesagt?
LW: Meine Familie hat mich immer sehr unterstützt, und für sie war immer klar, dass das Kind das machen soll, worauf es Lust hat. Und darum habe ich auch nie mehr darüber nachgedacht, etwas Anderes zu machen.
CK: Bei mir war es ähnlich. Ich hatte auch sehr supportive Eltern, die mich auch gefördert haben. Aber wichtige Prämisse war, dass ich vorher Abitur machen muss, für alle Fälle.
Wann und wie habt ihr beide euch kennen gelernt?
LW: Bei „Ghost – Nachricht von Sam“.
CK: Das war eine ganz intensive Zeit, weil’s für uns beide die erste Produktion nach Corona war. Das hat es nochmal zu etwas ganz Besonderem gemacht, weil es so guttat, endlich wieder auf der Bühne zu stehen…
LW: …und durch das Touren verbringt man ja so viel Zeit miteinander, da haben wir uns in kurzer Zeit so gut kennengelernt, dass wir schnell festgestellt haben, dass wir ein Dream-Team sind.
Was war euer bisheriges Karrierehighlight?
LW: Ich bin auf alles, was ich bisher gemacht habe, sehr, sehr stolz. Mein persönliches Highlight war aber das Cover „Ich“ in Rebecca im Raimund Theater. Wenn ich dann am Ende ganz allein auf der Bühne im Scheinwerferlicht stand, wurde ich richtig emotional!
CK: Ich bin auch super-happy mit meiner bisherigen Karriere und auch besonders, dass mich die VBW, mein Arbeitgeber, jetzt bereits über Jahre hinweg begleitet. Tatsächlich waren es auch zwei Produktionen hier in Wien, die ich hervorheben möchte: zuallererst den „Herbert“ in Tanz der Vampire, den ich direkt nach meiner Ausbildung spielen durfte. Das war direkt ein riesengroßes Highlight für mich! Aber meine ganz persönliche Perle war die Rolle des „Quasimodo“ im „Glöckner von Notre Dame“. Das ist wirklich für die männlichen Tenöre eine extrem herausfordernde Rolle, und da bin ich auch sehr stolz darauf, dass ich ihn spielen durfte.

Was findet ihr an eurem Beruf besonders positiv bzw. negativ?
LW: Positiv finde ich, dass man in dem Job immer weiter an sich arbeiten kann, man lernt viele neue Leute kennen und es gibt immer etwas, das einen vorantreibt. Das gibt einem so viel Energie, auch wenn man sich manchmal auch nach etwas mehr Stabilität sehnt – und das ist gleichzeitig negativ.
CK: Wir sind sehr privilegiert, dass wir unsere Leidenschaft zum Beruf machen konnten, und dafür bin ich super-dankbar! Alleine, wenn man die Gesichter im Publikum sieht und sieht, was unsere Performance mit manchen Menschen macht: Das ist schon etwas ganz Besonderes, und das macht mich auch sehr stolz!
Schwierig an unserem Job sind unsere Arbeitszeiten, gerade auch im Hinblick auf unser Umfeld außerhalb des Theaters – wir gehen dann arbeiten, wenn die meisten anderen Feierabend haben…
Belastet euch diese vorhin erwähnte Unsicherheit im Job, diese schlechte Planbarkeit?
CK: Das ist tatsächlich schon ein großes Thema, das viele sehr beschäftigt. Irgendwann lernt man aber, damit umzugehen und darauf zu vertrauen, dass schon alles so kommt, wie es kommen soll.
Livia, du bist ja auch neben dem reinen Musical-Theater in anderen Sparten erfolgreich und hast unter anderem als Schauspielerin (u.a. in „Gute Zeiten – schlechte Zeiten), Tänzerin und auch als Model gearbeitet. Ist einer dieser Berufe für dich auch eine Option in näherer Zukunft?
LW: In der Zeit, als ich in Berlin gewohnt habe, hatte ich mir in den Kopf gesetzt Film und Fernsehen auszuprobieren, und das hat ja auch geklappt, aber ich habe damals auch schnell festgestellt, dass es mir so sehr gefehlt hat, live aufzutreten. Ich würde gerne nebenher immer wieder solche Jobs machen, aber das Musical aufgeben möchte ich nicht.
Charlie, dein Alter Ego in „Rock me Amadeus“ war ja schon fast Kult. Jetzt spielst du das Cover von Friedrich von Preußen in „Maria Theresia“. Bevorzugst du solche „bösen“ Rollen, oder möchtest du auch gerne wieder mal wieder auf der Bühne „Everybody’s Darling“ sein?
CK: Ich hab das Gefühl, dass mir das Böse relativ gut liegt, das macht mir auch Spaß und ich liebe es auch, hier jeweils andere Facetten in die Rolle einzubringen, aber Everybody’s Darling mach ich eigentlich auch sehr gerne. Ich bin offen für alles, was kommt!

Wenn du dich jetzt entscheiden müsstest: Alter Ego oder Friedrich?
CK: ..… würde ich Stand jetzt tatsächlich zum Friedrich tendieren. Friedrich war eine reale Person mit so viel Background, da kann man so viel in die Interpretation der Rolle mit hineinlegen. Beim Alter Ego war das anders. Das war ja kein Mensch, sondern eine Trieb-Energie in Falcos Kopf, wo man erst den Bogen finden musste, was mir, glaube ich, auch ganz gut gelungen ist. Aber jetzt den Friedrich zu spielen ist für mich noch ein bisschen interessanter.
Ihr arbeitet ja jetzt beide in Maria Theresia. Habt ihr einen Lieblingspart in der Show?
LW: Ich mag „Friedrich von Preußen ist in Wien“ sehr. Ich finde in der Nummer alles so stimmig, und sie macht auch allen sehr viel Spaß. Wenn man im Ensemble fragen würde, würden sicherlich viele diese Nummer favorisieren.
Und als ich die Show letztens mal selbst angeschaut habe, fand ich auch die Stelle sehr stark, in der sich Maria Theresia mit den beiden Ministern und Kanzler Bartenstein bespricht, bevor sie nach Ungarn fährt.
CK: Ich finde, auch „Laxenburg“ macht sehr viel Spaß. Und tatsächlich auch „Working Mum“, wo wir mit den Kinderwägen auf der Bühne stehen.
Aber ich muss sagen, es ist generell eine sehr spaßige Show! Für das Ensemble ist es wirklich cool, dass man so viel zu tun hat. Es ist auch Backstage eine Kostüm-Schlacht und man hat wirklich kaum Momente, in denen man mal Pause hat. Das mag ich sehr.
Zurück zu Laxenburg, in dem es ja bei MT auf der Bühne durchaus heiß hergeht! Wie war das in der Erarbeitung? Hattet ihr hier viele Vorgaben, oder konntet ihr hier selber mitbestimmen, was ihr wie, wo und mit wem machen möchtet?
LW: Unser Choreograf Jonathan Huor hat uns auf jeden Fall hier eine Plattform gegeben vieles auszuprobieren und uns sehr viele Freiheiten gegeben.
CK: Witzigerweise hatte man uns beide anfangs gar nicht gemeinsam eingeteilt, und die Parts wurden zuerst individuell verteilt. Ich war auch am Anfang gar nicht bei den zwei Couples vorne mit dabei. Aber dann hat Jonathan nochmal alles durcheinander gewürfelt und wir wurden schließlich auch zusammengepackt. Wenn man sich so gut kennt und vertraut, hat man natürlich auch ganz andere Möglichkeiten, die Nummer zu interpretieren und dafür wurde uns auch sehr viel Raum gegeben.
Habt ihr ein Lieblingsmusical oder eine Lieblingsrolle, die ihr gerne mal spielen würdet?
CK: Für mich ist das Christian in „Moulin Rouge“ – das habe ich echt auf meiner Bucket-List. „Book of Mormon“ würde mir auch sehr viel Spaß machen, aber diese Show wird leider nicht nach Deutschland kommen, allein von der Thematik und der Sprache her.
LW: Ich bin ein bisschen überfragt: Ich wollte damals immer in Mama Mia mitspielen, und das habe ich bereits abgehakt, und die Columbia in Rocky Horror habe ich auch schon gespielt, wofür ich sehr dankbar bin. Ich glaube ich lass mich jetzt einfach gerne mal drauf ein, was noch so kommt.

#privat
Song deines Lebens? Oder habt ihr sogar einen gemeinsamen Song?
LW: „Unchained Melody“ aus „Ghost“.
CK: Die Reprise am Ende. (lacht)
LW: Als wir das gemeinsam gespielt waren wir so emotional…
CK: … da haben wir nur mehr geheult und nicht gesungen.
Welchen Beruf hättet ihr heute, wenn es mit der Musicalkarriere nicht geklappt hätte?
LW: Hmm… das ist schwierig, weil das nie in meinem Kopf war. Vielleicht irgendwas mit Mode? Stylistin? Oder Personal Shopper? (lacht)
CK: Für mich gab es tatsächlich auch keinen Plan B, aber ich glaube, Pilot wäre vielleicht etwas gewesen, was ich gerne gemacht hätte. Ich liebe das Fliegen und in der Lage zu sein, so ein Flugzeug zu fliegen, ist für mich so spannend… Wer weiß, vielleicht werde ich nochmal Pilot?
Beschreibt euch mal gegenseitig mit 3 Hashtags!
CK: Ich habe sogar vier für Livia: #quirlig #liebevoll #authentisch #talentiert
LW: Und Charlie beschreibe ich mit #leidenschaftlich #strukturiert, natürlich auch #talentiert und #sehr empathisch
Worauf seid ihr jeweils besonders stolz?
CK: Ich bin sehr stolz darauf, dass wir es irgendwie geschafft haben, dass wir beide diesen Weg gemeinsam beschreiten, seit wir uns kennen gelernt haben. Nicht immer in einer Produktion, aber wir hatten uns immer irgendwie und waren füreinander da. Dafür bin ich sehr, sehr dankbar, und auch stolz darauf, weil das keine Selbstverständlichkeit ist.
LW: … und darauf, was wir alles im Laufe unserer Karriere so geschafft haben. In diesem Beruf davon leben zu können ist schon etwas Besonderes, und da kann man sich auch mal auf die Schulter klopfen.
Gibt es etwas, was ihr so gar nicht könnt?
CK: Ich glaube wir sind jetzt nicht die krassen Spitzenköche, aber wir geben uns viel Mühe. Wir haben beide jetzt einen Thermomix, Livia hat jetzt einen ganz neuen, da bin ich ein bisschen neidisch, und der hilft uns immer und wir probieren dann gemeinsam aus…
LW: … aber du bist immer noch der bessere Schnippler. Ich lasse ihn dann das Gemüse schneiden und ich stehe mit einem Glas Wein daneben. (lacht)
CK: Und Mathematik. Alles, was mit Zahlen zu tun hat, das können wir überhaupt nicht.
LW: Oh ja! Immer, wenn wir irgendwas ausrechnen müssen, wenn wir zum Beispiel gemeinsam auf Urlaub waren und der eine mehr bezahlt hat als der andere – das dauert Jahre!
CK: Aber es gibt natürlich auch sonst vieles, was wir nicht können. Und es beschäftigt mich tatsächlich, was wir selbst für die Gesellschaft tun. Ja, klar, es ist schon toll, dass wir die Menschen durch unsere Arbeit mal ein paar Stunden aus ihrem Alltag rausholen können: aber ich finde ein Arzt oder eine Krankenschwester, die tagtäglich Leben retten, das ist sooo bewundernswert, und mit dem, was wir tun, natürlich nicht zu vergleichen. Davor habe ich großen Respekt!
Eure letzten Worte…?
LW: Es ist so toll, dass wir dieses Interview machen durften, und wir freuen uns irrsinnig über jeden, der uns und unsere Arbeit unterstützt.
CK: Ihr sorgt dafür, dass wir einen Job haben und dafür sind wir irrsinnig dankbar!

Das Interview führte Sabine Simmetsberger.
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Ich schau mir die beiden soooo gerne an! So ein tolles Team und auch Personen😍
Was für ein tolles und interessantes Interview! Charles und Livia sind total sympathisch und ich freue mich mehr über sie zu erfahren!
Ein tolles Interview! Danke!!!