Fürth 11.10.2024 – Deutsche Erstaufführung Stadttheater Fürth
Ein bewegendes Musical über Freundschaft, Verlust und Identität

Das schreibt DerKultur.blog
Musical Frühling Gmunden – Stadttheater Fürth
– wie würde es in einer Textzeile beim Musical Wicked heißen „Zwei die sich verstehen“.
Nach der deutschsprachigen Erstaufführung, im März 2024 beim Musical Frühling Gmunden, ist das Stück nun erstmals hier in Deutschland zu erleben. Wie würde man in Bayern sagen „Zeit is worn“ 🙂

Evan Hansen wird von Denis Riffel gespielt – eigentlich kann man hier nicht von gespielt reden – Denis lebt diese Rolle. Er bringt den zweifelnden Charakter so authentisch auf die Bühne, dass man mit ihm mitleidet, aber auch mitfeiert. RESPEKT!

Evan nimmt uns mit in seine eigene introvertierte Welt, die nur er versteht und sein Psychologe. Um aus seiner „Dunkle-Gedanken-Spirale“ rauszukommen, bekommt er die Aufgabe Briefe an sich selbst zu schreiben, die immer mit „Lieber Evan Hansen, das wird heute ein großartiger Tag, und ich sage dir auch warum …“ beginnen.
Durch eine Reihe von Missverständnissen gerät er in den Mittelpunkt einer Tragödie, als einer dieser Brief, an sich selbst, in die falschen Hände gerät. Plötzlich wird Evan zum vermeintlichen besten Freund eines Mitschülers – von Connor Murphy – Jelle Wijgergangs, der Suizid begangen hat. Beide werden „Freunde“ über den Tod hinaus, Connor gibt ihm das, was er sich immer gewünscht hat – Aufmerksamkeit und Anerkennung – nur durch den Tod Connors wird Evan gesehen und gehört.

Seine Mutter Heidi Hansen gespielt von Anna Thoren ist auch gefangen in ihrer Welt, beide Welten finden leider nicht so wirklich eine Schnittstelle, auch wenn sich beide noch so sehr bemühen.
Mr. and Mrs. Murphy – Yngve Gasoy-Romdal und Monika Maria Staszak, die Eltern von Connor, beide gut betucht leben ein anderes Leben auf der „Sonnenseite“ und bekommen auch nicht so richtig viel von ihren beiden Kindern mit, schon gar nicht, dass der Brief, der gefunden wurde, kein Abschiedsbrief von Connor ist und auch nicht Evans bis dahin unerfüllte Liebe zur Tochter Zoe Murphy – Michaela Thurner. Evans einziger „Familien-Freund“ Jared Kleinman – Savio Byrczak unterstützt ihn und wird als Dank dann Kassenwart 🙂
Gemeinsam mit Alana Beck – Vanessa Heinz, einer engagierten Schülerin, die sich für soziale Gerechtigkeit einsetzt, gründen sie das Connor Murphy Projekt. Besser könnte es nicht laufen für Evan ODER?

Die Handlung ist emotional bewegend und lässt keinen Zuschauer kalt. Das Musical thematisiert aktuelle gesellschaftliche Probleme auf eine authentische Weise. Die Songs sind eingängig, werden durch ein kraftvolles Orchester unterstützt, das sich aber bei den leisen Tönen dezent zurückhält, und unterstreicht so perfekt die Emotionen der Geschichte. Die Besetzung überzeugt mit starken Leistungen.

„Dear Evan Hansen“ ist ein berührendes Musical, das zum Nachdenken anregt und zeigt, wie wichtig es ist, aufeinander Acht zu geben, authentisch zu sein und sich selbst anzunehmen. Ein Musical für alle, die sich für bewegende Geschichten interessieren und sich gerne mit den Gefühlen anderer Menschen auseinandersetzen.

Der Zuschauer bekommt sogar eine „Hausaufgabe“ mit – Achte auf deine Mitmenschen, so dass diese gehört und gesehen werden und auch sagen können „Heute wird ein großartiger Tag“. Passend dazu liegen diese Postkarten an den Stehtischen im Theater aus. Nutzt sie fleißig.


Story
Der Teenager Evan Hansen leidet unter Angststörungen und gilt in der Schule als Außenseiter. Einer von mehreren an sich selbst adressierten Briefen, die er im Rahmen seiner Therapie schreiben soll, gerät in die Hände seines Mitschülers – Connor, der kurze Zeit später Suizid begeht. Als Connors Eltern den Brief bei ihrem Sohn finden, nehmen sie an, Evan sei Connors bester Freund gewesen. Evan verstrickt sich daraufhin in ein Geflecht aus Lügen, aus dem er erst zu entkommen vermag, als er lernt, sich selbst so anzunehmen, wie er ist.

Die Kernbotschaft des Stückes: Du bist nicht allein!
Und: Es gibt immer einen Weg aus dunklen Gedanken heraus…
Das Stück aus der Feder von Benj Pasek und Justin Paul („The Greatest Showman“, „La La Land“) mit dem Libretto von Steven Levenson wurde 2017 mit vielen Preisen ausgezeichnet. 2021 fand das Musical auch seinen Weg auf die Kino-Leinwand. Nach erfolgreichen Spielserien am Broadway und West End ist nun die deutschsprachige Erstaufführung in Kooperation mit dem Musical Frühling Gmunden entstanden und jetzt erstmals hier in Deutschland zu erleben.
Neben der sehr positiven Aussage behandelt das Stück u.a. auch Themen wie Suizid, Angststörungen, Depression, Trauer.
Fotos Schlussapplaus
























Carolin und Werner von DerKultur.blog waren für euch vor Ort dabei.
Tickets

Spielzeit 11.10. – 20.10.2024
Anmerkung: Wer es geschafft hat diesen Beitrag bis zum Schluss zu lesen, schafft es sicher auch während der Vorstellung ausnahmsweise nicht mit seinem Nachbarn zu reden. Die daneben/dahinter/davor Sitzenden werden es euch danken 🙂
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