Am 24. Januar 2026 feierte โDie Mitte der Weltโ seine umjubelte Urauffรผhrung in der Blackbox des Musiktheaters Linz.

Das Musical, basierend auf dem gleichnamigen Roman von Andreas Steinhรถfel, erzรคhlt eine dramatische Geschichte รผber Familiengeheimnisse, Liebe, Neid, Eifersucht und das Erwachsenwerden. Das Buch zur Bรผhnenversion stammt von Niklas Wagner, der damit sein beachtliches Autorendebรผt gibt, kongenial ergรคnzt durch die wunderbare Musik von Sarah Taylor Ellis.
Der intime Rahmen der Blackbox wurde fรผr diese Produktion passend umgestaltet: Das Publikum nimmt sowohl auf einer Tribรผne als auch im Halbkreis um die Spielflรคche Platz. Dieses Setting ermรถglicht es, dass nahezu der gesamte Raum bespielt wird und die Zuschauer als stille Beobachter unmittelbar in die Inszenierung eingebunden werden.


In den Hauptrollen glรคnzen Lukas Sandmann und Patrizia Unger als die Geschwister Phil und Dianne, die im Laufe des Abends eine wahre Gefรผhlsachterbahn durchleben. Ebenso beeindruckt ihre Mutter Glass, groรartig dargestellt von Sanne Mieloo. In weiteren wichtigen Rollen รผberzeugen Fabian Koller, Elvin Karakurt, Astrid Nowak, Lynsey Thurgar, Christian Frรถhlich und David Rodriguez-Yanez. Bereichert wird das Ensemble zudem durch die drei hervorragenden Kinderdarsteller Antonin, Muriel und Moritz.

Dasย Live-Orchesterย ist ebenfalls auf der Bรผhne positioniert und spielt die Melodien des nahezu durchkomponierten Stรผckes berรผhrend, gefรผhlvoll und mit viel Leidenschaft. Sarah Taylor Ellis gelingt es meisterhaft, die Handlung mit den richtigen musikalischen Motiven zu untermalen. Von starken Balladen bis hin zu echten Showstoppern ist jeder Song perfekt an der Stimmung der Geschichte ausgerichtet. Niklas Wagner wiederum adaptiert die Romanvorlage geschickt fรผr die Musicalbรผhne und verleiht den Charakteren in jeder Situation die passende emotionale Tiefe.

Die durchdachte, minimalistische und dadurch sehr intime Inszenierung von Karoline Gableย sorgte fรผr begeisterten Applaus und Standing Ovations. Das Bรผhnenbild vonย Eleanor Bullย (die auch fรผr die Kostรผme verantwortlich zeichnet) ist schlicht, aber รคuรerst wirkungsvoll. Unterstรผtzt wird die Atmosphรคre durch das Lichtdesign vonย Raphael-Aaron Moss, dem es gelingt, mittels prรคziser Lichtwechsel verschiedene Zeitsprรผnge und Rรคume klar voneinander abzugrenzen.
Sicherlich kann an der einen oder anderen Stelle des neuen Musicals noch gefeilt werden, doch das Stรผck ist in jedem Fall eine Bereicherung fรผr die Szene und hรคtte es verdient, von weiteren Hรคusern in den Spielplan aufgenommen zu werden. Es ist eine Geschichte, die direkt aus dem Leben gegriffen ist โ mit all den Problemen pubertierender Teenager, gebrochenen Herzen und tiefen Abgrรผnden. Diese Intensitรคt in einem Musical zu erleben, ist mittlerweile selten und eine berรผhrende Abwechslung zu den derzeit dominierenden Feel-Good-Shows.
Es wurde geweint, gelacht, gejubelt… und da es die Premiere war, natรผrlich auch gebรผhrend gefeiert! Danke fรผr die Einladung und diesen besonderen Abend.
Tobias Berger
Categories: Kulturboulevard














