DerKulturBlog-Talk

DerKulturBlog-Talk mit Riccardo Angelini

Hallo Riccardo stell dich doch bitte kurz vor.

Riccarod Angelini - DerKultur.blog
Foto: Andrea Ciccale


Ciao a tutti. Ich bin Riccardo Angelini, italienisch- deutschsprachiger Schauspieler, der seit knapp eineinhalb Jahren in der Daily Serie „Alles Was Zählt“ den Koch Matteo Borazio spielt.
Ich bin seit ca. 15 Jahren als Schauspieler zwischen Deutschland, Italien und Österreich tätig, hab auf der Bühne, im Fernsehen und im Kino gespielt, eigene Projekte produziert und bin sehr dankbar, das machen zu dürfen, was mir Freude und Spaß macht und womit ich vielleicht einen positiven Effekt für die Gesellschaft beitragen darf.
Ich bin dreisprachig, deutsch, italienisch und englisch und an einem Brennpunkt der Kulturen und Sprachen aufgewachsen, Südtirol, was natürlich linguistisch oft ein Vorteil ist, kulturell allerdings auch mit Reibungen und Spannungen behaftet ist.

Wie hast du deine Leidenschaft für die Schauspielerei entdeckt und was hat dich dazu bewegt, diesen Weg einzuschlagen?
Entdeckt habe ich meine Leidenschaft mich in andere Menschen und Situationen zu versetzen mit etwa sieben, acht Jahren. In der Schule wollte ich immer Spielen, hab meine Lehrer damit verrückt gemacht, den Unterricht gestört (weil ich Mitch Buchannon aus Baywatch) nachgeahmt habe, oder irgendwelche Szenen aus McGyver nachgespielt habe. Folglich war es dann auch so, dass ich der einzige war, der bei Schulaufführungen sich immer für die Rollen mit dem meisten Text etc. freiwillig meldete, also wusch eine Hand die andere. Die Lehrer hatten keine Besetzungsprobleme, ich bekam meistens die Hauptrolle.
Dann allerdings mit 15 habe ich eine Lehre als Maurer angetreten und somit 10-12 Stunden täglich auf dem Bau verbracht. Meine Leidenschaft ist in weite Ferne, in ein Hinterzimmer meines Geistes verschwunden und erst mit etwa 24 Jahren wieder ungebremst in mein Bewusstsein gerückt. Da ich aber große Bildungslücken speziell in Theater, Literatur und generell in Geisteswissenschaften hatte, war es eine enorme Herausforderung, diese nachzuholen und dementsprechend auch mir genug Selbstvertrauen einzureden, den Schritt in das Filmbiz auch zu wagen. Obwohl mir viele davon abgeraten haben. Aber meine Leidenschaft und mein Wille waren stärker und so hab ich mich teils autodidaktisch, teils mit Hilfe von Coaches, die auch Mentoren wurden, weitergebildet und bin mit 27 Jahren nach München gezogen um eine private Schauspielausbildung zu absolvieren und eben auch um am Ort des Geschehens zu sein.

Gab oder gibt es einen Plan B
Es gibt einen Spruch: if you have a plan b plan a never works! 🙂 Und ich glaube es stimmt. Wenn man nicht zu 100% daran glaubt, dass man es schafft, dann hat man (zumindest in unserem Business) nichts verloren und verschwendet nur kostbare Lebenszeit. Was bei mir ein Vorteil war ist, dass ich zwei Berufe regelrecht gelernt habe; Maurer und Kellner. D.h. ich konnte nebenbei immer arbeiten, Geld verdienen, meine Rechnungen zahlen und das hat mir einerseits eine Sicherheit gegeben, andererseits, was sehr wichtig ist, mir auch das Gefühl gegeben, relevant zu sein. Aber so richtig einen Plan B hatte ich nie. Eher die Mentalität des „Entweder, oder“. Das denke ich, hat mich bissiger und robuster im Umgang mit den zahlreichen Absagen etc. gemacht.

Welche deiner bisherigen Rollen liegt dir besonders am Herzen und warum?
Definitiv die des „Dario Benedetti“ im US Horrorfilm „You Shouldn’t Have Let Me In“ der für Tubi produziert wurde und seitdem auf der Plattform zu streamen ist. Ich hab da einen Vampirjäger gespielt, der eine Gruppe Junggesellinnen vor einem furchtbaren Vampir retten muss. Diese Rolle wurde europaweit gecastet und da war ich schon sehr stolz, dass sich Produktion und Regie für mich entschieden haben. Ein Vorteil war dabei, dass ich handwerklich sehr begabt bin, z.B. habe ich den Verlobungsring meiner Verlobten selbst gemacht, und genau das kam mir zu Gute, da der Vampirjäger einen Antiquitätenladen besitzt, wo er Schmuck zur Abwehr von Vampiren herstellt. Und auch, dass ich eine tragende Rolle in einer solchen Produktion auf Englisch meistern konnte, war eine tolle Bestätigung für mich, dass ich auf dem richtigen Weg bin.

Wie bereitest du dich auf eine neue Rolle vor? Gibt es bestimmte Rituale oder Techniken, die du anwendest?
Erstmal lese ich das Script mindestens 20 Mal. Einfach um meine ersten Ideen und Eindrücke, die beim ersten Lesen entstehen, wieder aufzubrechen. Und um detailliertere, komplex verwobene Handlungen, Psychen, Dynamiken, Beziehungskonstellationen zu verstehen. Dann breche ich alles sehr analytisch runter und versuche, mein rationales Gehirn zu übersättigen, damit ich vom Denken sozusagen die Schnauze voll hab und ins Wesen und ins Gefühl des Materials komme. Viele machen es anders herum; bei ist es aber so, wenn ich es nicht verstehe, blockiere ich die Gefühle und Wünsche… Dann ist viel Enstpannungsarbeit wichtig. Relaxationübungen helfen dabei, mit Atmung, Stimme, Lockerungen, Dehnungen… nachspüren wo im Körper Empfindungen feststecken etc. Bill Murray sagte einst: beim Schauspielen gehts 80% um Entspannung und 20% ob dich die Leute mögen.

Welche Art von Filmgenres oder Rollen findest du spannend und warum?
Ich mag gute Thriller sehr gerne, die sich an der Grenze des übernatürlichen bewegen und wo die Hauptfigur nicht immer der Gute oder Brave oder Held ist, sondern vielleicht auch zu unlauteren Mitteln greifen muss, um sein Ziel zu erreichen. 
Z.B die Christopher Nolan Filme wie „Insomnia“ die „Batman – Dark Knight“ Trilogie, „Mystic River“ von Clint Eastwood, oder „El secreto de sus ojos“ von Juan José Campanella, The Godfather von Francis F. Coppola. 

Oder aber auch gute Dramen wie „Stand by me“ von Rob Reiner, „Winterschlaf“ von Nuri Bilge Ceylan, die einfach unheimlich präzise und tiefgreifende Geschichtenerzähler sind.

Last but not least die Billy Wilder Screwball Komödien wie „Manche mögen’s heiß“ oder „Das Apartment“ sind herrliche Filme die zeitlos sind, gute Laune machen und trotzdem auch immer einen Blick auf die aktuelle Gesellschaft, oder wie bei „Manche mögen’s heiß“ auch – für die damalige Zeit unfassbar weitsichtig- Genderthemen abarbeitet!

Ich denke dementsprechend finde ich auch Rollen interessant, die etwas mitzuteilen und aufzuarbeiten haben. 

Glaubst du, spielt lineares Fernsehen überhaupt noch eine Rolle, da ja jetzt eigentlich gefühlt fast jeder nur noch„streamt“? 
Prinzipiell hoffe ich sehr, dass das Kino nicht ausstirbt. Es gibt nichts schöneres als Emotionen in einer Masse zu erleben und sich von den Vibes mittragen zu lassen. Wie bei Theater, Konzerten, Sportveranstaltungen. Ich denke die Streamer werden das lineare Fernsehen nicht abschaffen, aber es ordentlich aufrütteln und vor Herausforderungen stellen -bzw. ist das schon passiert- die sie dazu zwingen, die Philosophie der Sender und Zielsetzungen gründlich zu überdenken und zu überarbeiten. Die Streamer liefern gerade unheimliche Serienqualität im Minutentakt. Da müssen die Öffentlich/Rechtlichen und Privaten erstmal mithalten. Reichweite und Budget spielen da eine große Rolle. Aber es tut sich gerade viel, neue Konzepte finden Interessenten, es wird mutiger produziert und das fördert Kreativität ergo Qualität. Konkurrenz belebt den Markt. Mal sehen wie es in 10 Jahren aussieht.

Riccarod Angelini - DerKultur.blog
Foto: „Auf der Wolke“

#privat
Frühaufsteher oder Morgenmuffel?
Frühaufsteher! Ich liebe es mit der Morgensonne aufzustehen. 

Zu welcher Uhrzeit bist du am kreativsten?
In der Früh, nach dem Frühstück und meinen Morgenritualen.

Welche Projekte sind in der Zukunft geplant? 
Ein Haus am Meer. (Schlafzimmer Osten ausgerichtet 🙂 )

Dein „song of my life“ Von 883 „Una canzone d’amore“

Beschreibe dich in 3 #hashtags
– leidenschaftlich
– vegetarisch
– kreativ

Ergänze folgende Sätze:
Mein kleiner Beitrag zum Klimaschutz ist … als Vegetarier- fast vegan zu leben, mit dem Rad zur Arbeit zu fahren, kein Auto zu besitzen, upcycling zu fördern, so wenig wie möglich verpacktes einzukaufen
Besonders stolz bin ich auf … meine Verlobte, die ein wunderbarer Mensch und ein Vorbild ist.
Schwach werde ich bei … Gelato. Dunkelschokolade und Zitrone.
Gibt es etwas was du so gar nicht kannst?
Fliegen und Zaubern.
Was hast du dir in letzter Zeit gegönnt? Gelato 🙂

Welche Frage wird dir selten oder nie gestellt, die du aber gerne hier mal beantworten möchtest?
Was bedeutet für dich Glück?
Glück bedeutet für mich, jeden Tag aufstehen und das machen zu dürfen, was ich liebe. Oder einfach den Wasserhahn aufzumachen und es kommt Wasser, oder den Schalter zu drücken und es kommt Licht. Oder dass es mir selbst so gut geht, dass ich immer wieder aufs Neue jemandem helfen kann, sein Leben zu meistern oder zu verbessern. Wir alle hier sind von Glück umgeben und müssen im Prinzip gar nichts dafür tun. Wenn die Menschen dafür etwas mehr Bewusstsein entwickeln würden, gäbe es mehr Frieden und weniger Neid, oder Hass. 

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