Ein Abend voller Emotionen und Farben
Kleines Theater Haar, 14.03.2025
Das schreibt DerKultur.blog
Bühne frei, Vorhang auf für Klaus und Helena, nein es sind nicht zwei Leute auf der Bühne, sondern nur einer –
sonst wäre es ja kein Musicalmonolog :-). Wobei das Wort „Monolog“ diesem Stück überhaupt nicht gerecht wird.
1 Darsteller – 13 verschiedene Rollen – 13 Sichtweisen auf das Leben.
Eine aufregende Geschichte über eine Lebensentscheidung.

Nachdem bereits die renommierte Künstlerin Pia Douwes in Rory Six‘ Musical-Monolog „EIN WENIG FARBE“ die tiefgründige Geschichte von Helena erzählt hat, einer Frau, die als Mann geboren wurde und einen steinigen Weg zu ihrer wahren Identität beschreiten musste, übernimmt nun Publikumsliebling Mark Seibert diese anspruchsvolle Rolle. Er zeigt hier eine völlig neue Facette seines Könnens: Mit beeindruckender Sensibilität und ganz viel Einfühlungsvermögen zeichnet er die Entwicklung eines unverstandenen Teenagers zu einer selbstbewussten und optimistischen Frau nach.


Mark Seibert besetzt in diesem Stück ganze dreizehn!! verschiedene Rollen, darunter die fesselnde Hauptrolle der Helena. Und das mit einer unglaublichen Energie und Bühnenpräsenz. Er durchlebt die Transformation von Klaus zu Helena mit soviel Gefühl und Leidenschaft, dass man einerseits so richtig mitleidet und sich andererseits ganz viel mitfreuen kann, dass Er, oder besser gesagt Sie, den richtigen Weg für sich gefunden hat.





Mark Seibert gelingt dieser Rollenwechsel mit bemerkenswerter Leichtigkeit. Mal verkörpert er die schüchterne Helena, die von ihrer Kindheit erzählt, dann wieder den distanzierten Psychotherapeuten Dr. Gruber, der in einem Sessel sitzt und kühle Fragen stellt. Seibert meistert diese schnellen Übergänge meisterhaft durch subtile Veränderungen in Körperhaltung, Mimik und Stimme. Besonders berührend ist die Szene, in der er als Teenager Klaus zum ersten Mal die Pumps seiner Mutter anprobiert. Trotz der komischen Situation spielt er diese unbeholfenen ersten Schritte mit einer Ernsthaftigkeit, die die Figur niemals ins Lächerliche zieht.




Für humorvolle Auflockerung sorgt die Figur der Gudrun, Helenas beste Freundin aus Jugendtagen. Sie erinnert an eine Mischung aus Chantal aus „Fack ju Göhte“ und einer überdrehten Schulfreundin, während sie sich von Klaus die Nägel lackieren lässt und ihn spielerisch dazu bringen will, seine Homosexualität zuzugeben. Dieser Wechsel zwischen ernsten und humorvollen Momenten trägt wesentlich zur Lebendigkeit der Inszenierung bei und verstärkt die emotionale Tiefe der Geschichte.



Gesanglich überzeugt Mark Seibert mit seiner kraftvollen Stimme und seiner Bühnenpräsenz in der anspruchsvollen Partitur. Ob in temporeichen Stücken wie „David Steiner“ oder in dramatischen Balladen wie „Die Lüge meines Lebens“ und „Wärst du heute hier“, er meistert die emotionalen Höhen und Tiefen der Figur Helena mit großer Sensibilität. Seine Darbietung lässt das Publikum tief in Helenas Gefühlswelt eintauchen.
Das minimalistische Bühnenbild lenkt die Aufmerksamkeit des Publikums ganz auf die Handlung. Eine große Regalwand mit Requisiten wie einem Schwarz-Weiß-Foto von Helenas Mutter, Pumps oder einem Kleid dominiert die Bühne. Ein Sessel und ein Krankenhausbett, in dem Helena die Nacht vor ihrer Geschlechtsangleichung verbringt, ergänzen die Szenerie. Trotz der schlichten Kulisse werden die verschiedenen Handlungsorte durch Lichtstimmungen und Seiberts schauspielerische Leistung klar erkennbar. Besonders beeindruckend ist, wie die offene Regalwand in verschiedenen Szenen unterschiedliche Funktionen übernimmt, etwa als Tresen in einem Fitnessstudio.



„EIN WENIG FARBE“ lädt dazu ein, nicht nur festgefahrene Geschlechterrollen zu hinterfragen, sondern auch verschiedene Blickwinkel auf das Thema Transgender einzunehmen. Das Musical öffnet Raum für offene Dialoge und Reflexion über die Vielfalt menschlicher Identität.
Unterstützt mit Musiker auf der Bühne ist dieses Stück eine sehr intensive Abendunterhaltung, die ihren wohl verdienten Platz im Theater hat.
Es ist ein Musical, das Mut macht, berührt und noch lange nachwirkt.



Story
Das Musical von Rory Six, inspiriert von den Gesprächen mit der Transfrau Sophie Giller – die auch vor Ort dabei war – beleuchtet die Selbstfindungsreise von Helena.

Helena steht vor dem letzten bedeutenden Schritt, und die Aufregung durchströmt sie.
In stillen Momenten reflektiert sie darüber, wie diese Reise begann.
Einst trug sie den Namen Klaus, ein Junge mit dem früh erwachten Wunsch, sich in die Kleider seiner Mutter zu hüllen. Das Leben führte Klaus zur Ehe und zu zwei Söhnen. Die Wende kam auf einer Kostümparty, als seine Frau ihm vorschlug, sich als Frau zu verkleiden. Klaus entdeckte in dieser Verwandlung eine tiefe Freude und begab sich in Clubs, wo er die Freiheit fand, er selbst zu sein – sich nicht nur als Frau zu fühlen, sondern eine zu sein.
Mit Unterstützung von Psychotherapeuten und Ärzten wagte Klaus die ersten Schritte zur Verwirklichung seines wahren Selbst. Die Konsequenzen dieser Reise zeigen sich nicht nur in seinem persönlichen Empfinden, sondern auch in der Reaktion der Gesellschaft, insbesondere der Familie und des engsten Freundeskreises.
Die Ehefrau, zunächst distanziert, die Kinder, unsicher in der Wahl zwischen „Papa“ oder „Mama“ – Helena durchwandert Strecken der Einsamkeit, denn die vermeintliche Normalität solcher Veränderungen trügt. Helena hofft, dass die bedeutsamen Menschen in ihrem Leben wieder einen Platz bei ihr finden. Ein Weg, der weiterhin vor ihr liegt, voller Hoffnung und zugleich Herausforderungen.
Ein einfühlsamer Musical-Monolog, der auf sensible Weise das Thema Transgender aufgreift und Raum für verschiedene Perspektiven schafft. „EIN WENIG FARBE“ ermöglicht eine respektvolle Auseinandersetzung mit den individuellen Herausforderungen aller Beteiligten im Zusammenhang mit Transgender-Themen.


Danke für diesen Abend im Kleinen Theater Haar,
das eigentlich nach diesem großartigen Abend in „GROSSES THEATER HAAR 🙂 umbenannt werden sollte. Mit einem wunderbaren Gastgeber, Matthias Riedel-Rüppel, der nicht nur wegen seinem außergewöhnlichen Kleidungsstil viel Farbe ins Haus bringt und den man eigentlich die ganze Zeit drücken möchte. Ja, solche bunten, ideenreichen und engagierten Typen braucht die Kultur!!! Danke Matthias.



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