DerKulturBlog-Talk

DerKulturblog-Talk mit Greta Călinescu

DerKulturblog-Talk mit Greta Călinescu
Copyrigth Jürgen Held

Hallo Greta, stell dich bitte kurz vor.
Ich bin Greta Călinescu und mache Theater.

Am liebsten Theater, das sich gern dorthin verirrt, wo man es nicht erwartet – zum Beispiel mitten auf die Straße. Mich interessiert, wie Geschichten vor allem von Menschen klingen, die sonst nicht im Rampenlicht stehen.

Mein Weg ans Theater führt über unterschiedliche Rollen: Ich habe sowohl künstlerisch als Regisseurin gearbeitet – und tue das bis heute – als auch strukturell und organisatorisch.

Ab der kommenden Saison bin ich Intendantin am Theater Ulm, einem Dreispartenhaus, wo ich dann nicht nur für den Schauspielbereich, sondern auch für Oper und Ballett zuständig bin. Ich finde die Verbindung dieser beiden Perspektiven – das Künstlerische und das Organisatorische – sehr spannend– weil ich so nicht nur selber Inszenierungen entwickeln, sondern auch die Bedingungen dafür mitgestalten kann, was und wer auf die Bühne kommt und wie Theater Menschen erreichen kann.


Am 17. April 2026 feiert am Volkstheater Wien dein neues Projekt „STADT OHNE DACH“ Premiere. 
Erkläre uns doch bitte in wenigen Worten um was es sich hierbei handelt?
STADT OHNE DACH ist eine ganz besondere Inszenierung, die sich aus dem Theatersaal heraus an Orte begibt, an denen man normalerweise kein Theater erwarten würde. Die Inszenierung ist ein Audio-Walk durch Wien, bei dem man sich durch die Stadt bewegt und gleichzeitig in andere Lebensrealitäten eintaucht. Im Zentrum stehen Erfahrungen von Menschen ohne festen Wohnsitz – ihre Wege durch die Stadt, ihre Strategien, ihre Stimmen. Mich interessiert dabei besonders, wie nah uns diese Geschichten eigentlich sind, auch wenn wir sie oft ausblenden.

Ich habe im Vorfeld der Probenzeit über ein Jahr recherchiert, mit vielen Gesprächen und Begegnungen vor Ort in Wien. Bei STADT OHNE DACH habe ich zudem das Konzept entwickelt,  in engem Austausch mit Expert*innen des Alltags den Text geschrieben und übernehme zudem die Regie. Gerade diese Vielschichtigkeit reizt mich, weil sie es ermöglicht, ungewöhnliche Projekte zu realisieren, die Stadt selbst zur Bühne zu machen und neue Perspektiven auf sie zu eröffnen.

DerKulturblog-Talk mit Greta Călinescu
Copyrigth Clemens Porikys

Greta, wie bist du eigentlich auf die Idee gekommen, ein Theaterstück über Obdachlosigkeit mitten auf der Straße zu machen, statt auf einer normalen Bühne?
Weil das Thema selbst auf der Straße stattfindet. Es hätte sich falsch angefühlt, es in einen geschützten Bühnenraum zu verlagern und damit auch zu entschärfen. Mich hat interessiert, was passiert, wenn man als Zuschauer genau dort ist, wo diese Realität ohnehin existiert – nur mit einer anderen Aufmerksamkeit.

Solche Formate interessieren mich auch grundsätzlich in meiner Arbeit: Ich hoffe, dass wir – etwa in Ulm – neben spannenden klassischen Stoffen immer wieder auch ungewöhnliche, neue Projekte umsetzen können, die unsere Wahrnehmung verschieben und zum Nachdenken anregen.

Das Stück findet als Audio-Walk statt. Wenn die Zuschauer nach dem Walk die Kopfhörer abnehmen: Welches Gefühl oder welcher Gedanke soll bei ihnen hängen bleiben?
Ich wünsche mir, dass man die eigene Haltung zum Thema Obdachlosigkeit hinterfragt – aber vor allem die eigene Haltung gegenüber den Menschen, die davon betroffen sind.

Was ist der größte Irrtum, den wir „Normalos“ über das Leben auf der Straße haben?
Ich glaube, viele unterschätzen, wie schnell man selbst in so eine Situation geraten kann – und wie komplex die Gründe dafür sind.

privat

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Copyrigth Clemens Porikys

Beschreibe dich in 3 #hashtags
#lachtgern #prokrastiniert #neugierig

Frühaufsteher oder Morgenmuffel?
Ein sehr ambitionierter Morgenmuffel. 

Ein perfekter Tag beginnt für mich immer mit?
Einem kurzen Moment Stille gefolgt von einer guten Nachricht. 

Ergänze folgende Sätze:

In zehn Jahren möchte ich auf heute zurückblicken und sagen können…dass ich meine Zeit nicht einfach nur gefüllt habe.
Besonders stolz bin ich auf …mein Bauchgefühl. Das enttäuscht mich eigentlich nie. 
Schwach werde ich bei …Snacks.

Gibt es etwas was du so gar nicht kannst?
Meine Orientierung ist wirklich eine Katastrophe. Navigieren ist für mich ohne Handy oder eine ortskundige Person unmöglich. 


Was hast du dir in letzter Zeit gegönnt?
Zeit, die nicht gleich einen Zweck haben musste.

Welche Frage wird dir selten oder nie gestellt, die du aber gerne hier mal beantworten möchtest?
Ich würde gern öfter nach Dingen gefragt werden, die ich nicht weiß. Gerade dann komme ich ins Nachdenken und werde auf neue Gedanken gebracht – und oft entstehen daraus Antworten, die man so vielleicht gar nicht erwartet hätte.
Ich mag diese Momente der Überraschung sehr, privat wie im Theater – wenn plötzlich etwas auftaucht, das man nicht schon vorher einordnen konnte.

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