Kaffeehausgespräche – Alexander Gurgel

Alexander Gurgel - DerKulturBlog

Frühaufsteher oder Morgenmuffel?
Ich bin zwar kein Morgenmuffel, aber wenn ich die Wahl habe, schlafe ich gerne aus. Ich verlängere den Tag lieber nach hinten als morgens früh aufzustehen. Abends bin ich definitiv produktiver.

Kaffee oder Tee?
Auf jeden Fall Tee! Ich habe scheinbar irgendwann in meinem Leben den Punkt verpasst, Kaffee gut zu finden. Inzwischen ist es dafür zu spät 😉 Deshalb bevorzuge ich jetzt Tee. Oder noch besser: Cola!

Wie bist du zu dem gekommen, was du heute machst? 
Für mich stand schon relativ früh fest, dass ich zum Fernsehen wollte. Auslöser dafür war der Studio-Besuch bei einer Aufzeichnung der TV-Show „Ruck-Zuck“ mit Jochen Bendel Mitte der 90er Jahre in München. Ich fand das damals als Zuschauer so faszinierend, dass ich unbedingt selbst mal Fernsehen machen wollte. Da es dafür aber keinen vorgefertigten Weg gibt, habe ich zunächst mit einer klassischen Berufsausbildung begonnen. 

Stell uns doch bitte kurz die Meilensteine in deiner beruflichen Laufbahn vor? 
Nach dem Abitur und Zivi (ja, Zivildienst gab’s damals noch) habe ich eine klassische Ausbildung zum Kaufmann für audiovisuelle Medien bei einer Fernsehproduktionsfirma in Hannover begonnen. Danach war für mich schnell klar, dass ich redaktionell arbeiten wollte, sodass ich im Anschluss ein Programmvolontariat bei radio ffn hinterhergeschoben habe. Das war quasi noch mal eine Ausbildung zum Redakteur. In dieser Zeit war ich auch erstmals regelmäßig im Radio zu hören. Schließlich habe ich noch einige Jahre als Redaktionsleiter bei Radio ENERGY in Bremen gearbeitet, bevor ich dann als Redakteur zu RTL Nord gekommen bin. Und nach unzähligen Fernsehbeiträgen war es irgendwann an der Zeit, den Sprung vor die Kameras in unserem Studio zu wagen.

Es freut uns, dass sich auch mal ein „waschechter Niedersachse“ auf unseren Blog verirrt 🙂
Mich auch 😉

Seit 2015 gehörst du zum festen Moderatoren-Team von RTL Nord. War oder ist Moderator für dich ein Traumjob?
Absolut! Ich habe es bereits als Schüler geliebt, Referate zu halten oder Gruppenergebnisse vor der Klasse vorzustellen. Im Grunde genommen ist es ja jetzt nichts anderes: Ich freue mich jeden Abend sehr, die großartige Arbeit der vielen Kollegen aus den Redaktionen in Bremen und Niedersachsen am Abend zusammenzufassen und in unserer gemeinsamen Sendung zu präsentieren. Das macht Spaß und erfüllt mich immer wieder mit Stolz.

Wie kann man sich das RTL Magazin vorstellen, habt ihr ein „richtiges“ Studio oder steht ihr in einer Bluebox?
Sowohl als auch. Natürlich produzieren wir die Sendung in einem richtigen Studio mit Kameraleuten, Scheinwerfern, Regie etc. Aber ich weiß, was du meinst: Unsere Studiodeko ist virtuell. Das heißt, dass alle Hintergründe und Einblendungen aus dem Computer kommen. Dazu stehen wir Moderatoren in einer sogenannten Greenbox. Alles um uns herum ist quasi grün. Diese Farbe wird dann vom Computer rausgerechnet und durch beliebige Grafiken und Hintergründe ersetzt. Manchmal fällt es einem da schon schwer, die Orientierung zu behalten. Aber hey: hat nicht jeder schon mal davon geträumt, einen Arbeitsplatz „im Grünen“ zu haben? 😉

Welchen Einfluss habt ihr auf die Themen?
Natürlich gibt es jeden Tag aktuelle Ereignisse, die die Nachrichtenlage bestimmen, ohne dass wir darauf großen Einfluss haben. In solchen Fällen sind wir dann als Reporter gefragt, schnell und kompetent über die Geschehnisse zu berichten. Darüber hinaus gibt es aber auch eine Vielzahl an spannenden Themen und skurrilen Geschichten, die wir in unseren morgendlichen Konferenzen gemeinsam besprechen und dann ggf. umsetzen. An diesen Konferenzen nehmen alle Reporter und Redakteure teil, sodass jeder seine eigenen Recherchen und Geschichten mit in die Sendung einbringen kann. RTL Nord besteht also zu einem sehr großen Teil aus eigenrecherchierten Themen, die die jeweiligen Kollegen dann mit ihrer individuellen unverwechselbaren Handschrift produzieren.

Du führst selbst auch viele Interviews, gibt es einen „Promi“ aus der Unterhaltungsbranche mit dem du gerne mal ein Interview führen möchtest?
Oh, da gibt es viele! Besonders interessieren mich natürlich die TV-Helden aus der Hoch-Zeit des Privatfernsehens, mit denen ich quasi aufgewachsen bin. Eine unheimlich spannende Zeit, über die es viel zu erzählen gibt. Ich habe bei YouTube gerade ein kleines Projekt gestartet, wo ich mit den verschiedensten Gesprächspartnern Interviews führe, ohne zeitliche Zwänge oder inhaltliche Vorgaben erfüllen zu müssen. Wir plaudern einfach drauf los und schauen mal, wo es endet. (lach) Ganz besonders interessiert mich aber TV-Legende Thomas Gottschalk. Kein anderer Mensch verkörpert für mich den Begriff des „Showmasters“ so sehr wie er. Thomas steht für eine Zeit des Unterhaltungsfernsehens, die es so nicht mehr geben wird. Dieses unglaubliche Talent und diese ganz besondere Persönlichkeit interessieren mich sehr. Ich glaube, das würde das längste Interview werden, das ich je geführt habe… (lach)

Hast du noch Lampenfieber vor den Sendungen?
Natürlich ist immer eine gewisse Grundspannung vorhanden, da kein Tag wie der andere ist und man nie weiß, was passiert. Aber wirkliches Lampenfieber mit Nervosität und Angstschweiß habe ich nicht 😉

Was war dein peinlichster Livemoment? 
Soll ich die wirklich alle aufzählen? (lach). Ich erinnere mich noch sehr gut an ein Ereignis aus meiner Radiozeit: Während der Nachtmoderation war ich häufig komplett alleine in einem riesig großen verlassenen Funkhaus. Um da wach zu bleiben bzw. nicht müde zu werden, bin ich manchmal während der Musiktitel durch die leere Redaktion gejoggt oder auf der Stelle gesprungen. Blöd nur, wenn man dann im Verkehrsfunk plötzlich eine Gefahrenmeldung verlesen muss und dabei völlig außer Atem ist. Ich möchte nicht wissen, was die Hörer da gedacht haben (lach)

Hat „normales“ TV heute gegen Amazon Prime oder Netflix überhaupt noch eine Chance?
Absolut. Ich würde sogar sagen, mehr denn je! Während man bei Streamingdiensten hauptsächlich Serien und Filme bekommt und, ähnlich wie früher bei einer Videothek, den Vorteil genießt, diese unabhängig vom Fernsehprogramm jederzeit schauen zu können, setzt „normales“ TV vor allem auf den Event-Charakter und das Gemeinschaftsgefühl. Nehmen wir beispielsweise nur mal große Live-Ereignisse wie Sportübertragungen. Die leben vom Hier und Jetzt. Da sitzen weltweit noch immer Millionen Menschen vor dem Fernseher und schauen sich das zeitgleich an. Ähnliches gilt für den Eurovision Songcontest oder Showhighlights wie das RTL Dschungelcamp. Solche Momente gibt’s nur im Fernsehen. Und genau darin sehe ich unsere Stärken, die es künftig weiter auszubauen gilt. Vor allem jetzt während der Corona-Krise bietet klassisches Fernsehen darüber hinaus vielen Menschen auch eine gewisse Normalität und Struktur. In Zeiten, in denen nichts mehr verlässlich scheint, ist das ein enorm wichtiger Faktor. Der Zuschauer weiß: Um 18:00 Uhr gibt es wie eh und je unser Regionalmagazin, um 18:45 Uhr wartet Peter Kloeppel mit den Hauptnachrichten und um 19:40 Uhr gibt’s mit GZSZ wie gewohnt die Lieblingsserie. Vertraute Gesichter und verlässliche Strukturen: auch das bietet im Vergleich nur lineares Fernsehen.

Nachrichtensender haben ja mit dem Vorurteil „Lügenpresse“ zu kämpfen. Wie gehst du damit um?
„Lügenpresse“ ist ein sehr schwerer Vorwurf, der mich schmerzt. Natürlich ist niemand unfehlbar, auch Redakteure nicht. Trotzdem arbeiten wir alle sehr hart, um tagtäglich zu informieren, einzuordnen und auf hohem journalistischem Niveau zur Meinungsbildung beizutragen. Wie würde es wohl aussehen, wenn jeder nur noch die Nachrichten konsumiert, die ihm gefallen oder die seiner Meinung entsprechen? Schon jetzt kann man sich ja diverse Newsfeeds nach eigenen Vorlieben zusammenstellen. In einer steigenden Anzahl unübersichtlicher Nachrichtenquellen ist es aber umso wichtiger, dass bestimmte Sachverhalte durch die freie unabhängige Presse eingeordnet und kritisch begleitet werden.

Woher holst du dir deine täglichen News, außerhalb deines Jobs?
Ich setze auf einen Mix aus unterschiedlichen Quellen: Die klassische Tageszeitung als ePaper, Internet, Nachrichtensendungen im Fernsehen, aber auch Social Media. 

Könntest du dir auch mal vorstellen eine TV-Rolle zu übernehmen und wenn ja, welche?
Das kann ich mir tatsächlich nur schwer vorstellen. Ich glaube, ich wäre ein unfassbar schlechter Schauspieler (lach). Aber wer weiß? Vielleicht probiere ich es eines Tages mal aus…

Ist Social Media für dich eher Fluch oder Segen?
Ich denke, für mich persönlich ist Social Media eine gute Ergänzung. Man hat die Möglichkeit, abseits des normalen Fernsehalltags, der für mich ja sendungsbedingt auf eine halbe Stunde begrenzt ist, mit den Menschen direkt in Kontakt zu treten und zu kommunizieren. Ich bin zum Beispiel bei Facebook und Instagram sehr aktiv und das macht mir auch Spaß. Bedenklich finde ich es jedoch, wenn im Netz zunehmend polarisiert wird und bei manchen Kommentaren der gute Anstand in den Hintergrund gerät.

Gibt es etwas was du gar nicht kannst, aber gerne können würdest? 
Wo soll ich da bloß anfangen?! Frag lieber, was ich kann… (lach)

Für was bist du dankbar?
Besonders dankbar bin ich für Freunde, Familie und Gesundheit. Aber auch dafür, in einem Land leben zu dürfen, in dem ich uneingeschränkt das machen kann, was ich liebe. Sowohl im Job als auch in der Freizeit. Wenn man sich weltweit so umschaut, ist vieles gar nicht so selbstverständlich wie wir alle glauben…

Mit welchen drei Worten würden dich deine Freunde beschreiben? 
Ich weiß gar nicht so genau, ob ich das wissen möchte. Hahaha. 

Gibt es etwas, was du dir in letzter Zeit gegönnt hast? 
Ich versuche mir ganz bewusst öfter mal eine Pause zu gönnen. Das ist mir wesentlich wichtiger als materielle Dinge. Leider gelingt mir das noch nicht allzu gut…

Für was gibst du gerne Geld aus? 
Für gutes Essen, für Reisen, aber auch für Musik und Konzerte. Von Bands, die ich mag, kaufe ich zum Beispiel immer noch ganz klassisch und ganz bewusst die Alben auf CD anstatt die Musik nur zu streamen.

Dein kleiner Beitrag zum Klimaschutz bzw. verzichtest du der Umwelt zuliebe auf etwas?
Ich habe schon seit Jahren kein Auto mehr und erledige im Alltag alles zu Fuß oder mit dem Rad. Längere Strecken fahre ich überwiegend mit der Bahn. 

Was schiebst du immer wieder auf?
Zum Beispiel die Beantwortung dieser Fragen hier. Sorry, dass es so lange gedauert hat 😉

Welche Pläne hast du für die Zukunft? 
Ich möchte auf jeden Fall meinen YouTube-Kanal vorantreiben und weiter mit interessanten Inhalten füllen. Daran hätte ich Spaß. Vielleicht kommt demnächst noch ein Podcast dazu. Wir werden sehen – oder hören 😉

Hast du ein Lebenszitat? 
Nein. Es gibt zwar eine Vielzahl von Kalendersprüchen und Zitaten, die ich voll und ganz unterschreiben kann und zum Teil auch beherzige, ein einzelnes Lebenszitat habe ich aber nicht. 

Welche Frage wird dir selten oder nie gestellt, die du aber gerne hier beantworten möchtest?
Ich wurde bislang leider noch nie gefragt, ob ich mal Lust hätte, im TV ein Unterhaltungsformat in Form einer kleinen feinen Quizshow zu moderieren. Die Antwort lautet aber in jedem Fall: Ja!

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