TEIL 3: Zwischen Cover und Persรถnlichkeit
Andrea Luca Cotti arbeitet als Cover, Swing und als Dance Captain Assistant im Musical โMaria Theresiaโ. In zwei Teilen (Teil 1 & Teil 2) unserer Serie konnten wir bereits interessante Details รผber seine Arbeit erfahren.
Zu guter Letzt berichtet er uns รผber seinen Job als Cover-Darsteller, erzรคhlt von seiner Ausbildung und รผber seine ersten Erfahrungen im Beruf. Und er stellt sich auch so mancher ganz privaten Frage ๐ โฆ

ยฉSabine Gaida
Andrea, du hast uns ja bereits รผber deinen Job als Dance Captain und Swing berichtet, du bist aber auch Cover des โJosephโ in โMaria Theresiaโ. Wie und ab wann beginnt ihr euch intensiver auf eure Cover-Rollen vorzubereiten?
Die eigentliche Probenzeit beginnt fรผr die Cover in der Regel erst wenige Tage nach der Premiere: Unser Leading-Team und unser Abendspielleiter Fritz Schmid versuchen allerdings schon vorher, mit dem einen oder anderen Cover ein wenig zu proben, um zu verhindern, dass man im Krankheitsfall in der Premierenwoche Shows absagen muss.
Grundsรคtzlich ist es so, dass wir jeweils 2 โSetsโ an Cover haben โ das erste Set bereitet sich etwa einen Monat lang gemeinsam mit Fritz intensiv vor. Danach gibtโs ein Put In, bevor es dann auch auf die Bรผhne geht. Und erst danach gibtโs dasselbe Ritual noch einmal mit dem zweiten Set.
Was ist eigentlich ein Put In? Wie wรผrdest du das jemanden erklรคren?
Im Put In lassen wir die Show fรผr die Cover mit Kostรผm und Maske, mit Licht und mit Orchester ganz genau so durchlaufen, wie sie am Abend stattfinden wรผrde. Es geht dabei darum, dass die Cover-Darsteller mal das Gefรผhl bekommen einmal die Show komplett gespielt zu haben, ohne dass sie es gleich vor Publikum machen mรผssen. Die Swings und Ensemble-Leute sind dabei zwar nicht in Kostรผm und Maske, sondern einfach in privater Kleidung, aber ansonsten ist alles so wie bei einer normalen Vorstellung.
Vor diesem Put In gibt es noch einen Run vom 1. Akt und einen Run vom 2. Akt und manchmal auch einen Run der ganzen Show, aber das ist dann alles nur mit Klavier. Das Put In ist also das erste Mal, dass die Cover mit dem Orchester proben kรถnnen.

Proben dann die Cover-Darsteller zu Anfang also erst einmal mehr oder weniger alleine?
Ja, genau. Der Probenplan wird so eingeteilt, dass erst einmal die verschiedenen Szenen der Cover mit Fritz allein geprobt werden. Dafรผr werden die Zweitbesetzungen auch manchmal von Fritz aus der Show herausgenommen, damit sie stattdessen proben und sich gezielt auf ihre Rollen vorbereiten kรถnnen.
Spรคter werden dann auch alle Swings zu den Cover-Proben dazu geholt, damit sie sich ebenfalls besser praktisch auf das Spielen ihrer Tracks vorbereiten kรถnnen. In der Zeit vor der Premiere gibt es dazu ja nicht viele Mรถglichkeiten. Dann werden schon viele der รbergรคnge geprobt, ehe beim Put In dann Covers, Ensemble und die Swings auf der Bรผhne zusammenkommen.
Diese Zeit der intensiven Proben parallel zum laufenden Show-Betrieb ist schon auch mal anstrengend, aber gleichzeitig sehr spannend, und es kommt auch, trotz aller Herausforderungen, der Spaร dabei nicht zu kurz.

Habt ihr Cover-Darsteller auch eine gewisse Anzahl an Performances, die im Vertrag enthalten sind?
Ich kenne natรผrlich nicht alle Vertrรคge, aber in der Regel haben wir 2 gesicherte Shows pro Monat im Vertrag. Falls diese aufgrund von Krankheitsfรคllen oder รคhnlichem nicht stattfinden wรผrden, wรผrden wir trotzdem dafรผr bezahlt werden.
Unser Betriebsbรผro und Fritz versuchen auch, die Anzahl der gespielten Cover-Shows gerecht aufzuteilen, sodass jedes der beiden Cover pro Rolle in etwa auch gleich oft auf der Bรผhne performen darf.

Habt ihr als Cover-Darsteller auch die Mรถglichkeit, dass ihr der Rolle jeweils euren eigenen Stempel aufdrรผckt?
Jein! Also man kann schon ein bisschen seine eigene Interpretation mit einbringen, aber man darf natรผrlich nicht von den Vorgaben des Regisseurs komplett abweichen. Da schaut der Fritz schon streng darauf. Ein klein wenig Spielraum hat man aber schonโฆ
Was war dir bei deiner Interpretation des Joseph wichtig?
Ich bin ja schon etwas รคlter als der Joseph, aber ich habe versucht, die Rolle mit einer gewissen jugendlichen Naivitรคt zu versehen und dass er auch so energetisch rรผberkommt wie ein Junge in seinem Alter. Mir ist es auch wichtig Joseph emotional und wรผtend zu spielen: So habe ich zumindest versucht, mein Cover anzulegen.

Habt ihr vor den Vorstellungen ein Ritual, bevor es auf die Bรผhne geht?
Ja, wir machen immer 5 Minuten vor der Show hinter der Bรผhne einen Circle mit der ganzen Cast, also auch mit den Hauptdarstellern und unserer Abendspielleitung. Fritz oder auch Jessi oder ich geben da auch manchmal noch Notes, die fรผr alle gelten. Ansonsten ist das einfach noch ein kurzes nettes Zusammenkommen, mit dem wir uns quasi auf die Vorstellung einstimmen kรถnnen. Und โ ich weiร nicht, ob man das manchmal auch vorne hรถren kann โ wir haben dann auch noch das Gruppenritual, dass wir dann nochmal alle โMT! MT! MT! MT!!!!โ rausschreien, bevor es dann auf die Bรผhne geht. Das pusht uns dann nochmal richtig fรผr die Show.
Hast du eine Lieblingsnummer in MT?
Ich mag โFriedrich von Preuรen ist in Wienโ sehr gerne: Diesen Mix aus Choreografie und Handlung finde ich wirklich toll, und die Musik und die Kostรผme gefallen mir auch total. Und ich mag diese Energie auf der Bรผhne wรคhrend dieser Nummer!

Welche Tipps hast du fรผr junge Leute, die Musicaldarsteller werden wollen?
Ich finde es extrem wichtig, in diesem Beruf ein Teamplayer zu sein. Natรผrlich muss man sich immer wieder gegen andere Leute beweisen, und jeder muss auch an eigenen Skills arbeiten. Aber eine Show kann nur wirklich gut sein, wenn man als Gruppe gut zusammenarbeitet und nicht jeder nur sein eigenes Ding durchzieht.

ยฉ Nicole Benes
Glaubst du, dass der Einstieg in diesen Beruf heutzutage schwieriger ist als damals, als du angefangen hast?
Das ist schwierig zu beantworten: ja und nein. Ich glaube, dass es heute einfacher ist, an guten Unterricht ranzukommen, weil es mehr Angebot gibt. Aber dadurch gibt es wahrscheinlich auch mehr Konkurrenz, wenn es darum geht, an Jobs zu kommen.
Wie kann man sich so eine Ausbildung an einer Musical-Schule vorstellen? Wie hast du diese Zeit erlebt?
Das waren 3 Jahre, die sehr fordernd waren. Morgens ging es um 8:15 los. Wir hatten dann bis um 18 Uhr Unterricht, waren aber oft bis um 20 Uhr oder noch lรคnger in der Schule und das oft 6 Tage pro Woche. Hรคufig sind wir auch noch zusรคtzlich an den freien Tagen hingegangen, um zu รผbenโฆ
Wie hast du dann deinen Einstieg ins Berufsleben direkt danach empfunden?
Das Gute an der Schule war, dass sie uns dort auf etwas vorbereitet haben, was noch anstrengender und hรคrter schien, als es dann eigentlich war.
Also als ich dann angefangen habe, zu arbeiten, musste ich natรผrlich liefern, klar, aber sonst fand ich es plรถtzlich richtig entspannt, und ich konnte plรถtzlich tagsรผber Sachen fรผr mich machen. Das fand ich dann richtig angenehm!

Was war das Peinlichste oder Lustigste, was dir jemals auf der Bรผhne passiert ist?
Damals bei โMary Poppinsโ gab es eine groรe Steppnummer. In meiner Rolle als Bert wurde ich eingehakt, lief seitlich am Bรผhnenrand hoch, steppte dann รผber Kopf an der Decke, sang kurz in der Mitte und ging dann auf der anderen Seite wieder runter.
Bei dieser Szene gab es auch einen Moment, wo man spielen musste, dass man kurz ausrutscht und sich wieder fรคngt. Aber an besagtem Abend hatte ich Besuch im Publikum und war deshalb wohl etwas รผbermotiviert. Ich hatte dabei so viel Schwung, dass ich mich an der Decke komplett gedreht habe, sodass ich letztendlich wie ein nasser Sack in den Seilen hing. Ich wurde dann bis zur Mitte gezogen, hab dort gesungen und wurde dann wieder runtergelassen.
Wir haben alle SO gelacht, und unserer Hauptdarstellerin kamen die Trรคnen, sodass ihr Make Up total verschmiert war.
Das war eine der schรถnen Geschichten, die man auch heute noch erzรคhlen kann!
# Privat
Mit wem wรผrdest du gerne mal auf einen Kaffee gehen?
Ich glaube, ich wรคre gerne mit Charlie Chaplin auf einen Kaffee gegangen. Der hatte so ein tolles komรถdiantisches Talent und Timing, und darรผber wรผrde ich gerne mal mit ihm darรผber quatschen.
Wenn du in den Urlaub fahren kรถnntest, egal was es kostet, egal wie lange: Wo wรผrde es hingehen?
Nach Australien, an den Strand.
Ein Talent von dir, das nichts mit der Bรผhne zu tun hat?
Ich glaube ich kann ganz gut zeichnen und malen.

Wie sieht dein perfekter freier Tag aus?
Der beginnt nicht allzu frรผh! Dann Kaffee und ein Croissant irgendwo in der Sonne oder auf dem Balkon, ein bisschen Sport und dann Freunde treffen und schรถn essen gehen. Ja, das ist fรผr mich der perfekte Tag.
Welchen Beruf hรคttest du heute, wenn es mit der Musicalkarriere nicht geklappt hรคtte?
Dann wรคre ich wahrscheinlich selbststรคndig in der Gastronomie tรคtig.
Gibt es etwas, was du noch gerne lernen wรผrdest?
Cello! Ich wรผrde gerne Cello spielen. Das wollte ich eigentlich schon als Kind lernen โ und ja, vielleicht mache ich das wirklich malโฆ
Was ist der beste Rat, den du jemals bekommen hast?
โBe kind to others, and theyโll be kind to youโ. Also: Was du ausstrahlst, bekommst du auch wieder zurรผck. So versuche ich das Leben zu leben!
Deine letzten Worteโฆ?
Danke fรผr das Interview โ es hat sehr viel Spaร gemacht. Und danke an alle, die uns immer so tatkrรคftig bei โMaria Theresiaโ unterstรผtzen!

Ein Beitrag von Sabine Simmetsberger
Categories: Backstage













