TEIL 1: Vom ersten Tanzschritt zur groรen Bรผhne
Drei Jobs, eine Leidenschaft!
Andrea Luca Cotti รผber sein Leben als Swing, Cover und Dance Captain
Die deutschsprachige Musicalszene begeistert mit groรen Produktionen und unvergesslichen Abenden โ doch was auf der Bรผhne so leicht und selbstverstรคndlich wirkt, ist das Ergebnis harter Arbeit hinter den Kulissen.
Viele Berufe โ von Technik bis Administration โ greifen im Hintergrund Hand in Hand ineinander, aber auch so manche, die im Rampenlicht stehen, รผbernehmen zusรคtzlich eine Verantwortung, die weit รผber ihre Bรผhnenrolle hinausgeht.
Einer von ihnen ist Andrea Luca Cotti.

Der gebรผrtige Schweizer lebt und arbeitet seit sieben Jahren in Wien und war dort bereits Teil groรer Musical-Produktionen wie โCatsโ, โDer Glรถckner von Notre Dameโ oder โRock Me Amadeusโ.
Aktuell ist er in โMaria Theresiaโ zu sehen, wo er sowohl als Cover und Swing, aber auch als Dance Captain Assistant arbeitet.
In unserer dreiteiligen Interview-Serie gibt Andrea spannende Einblicke in seinen vielseitigen Berufsalltag und nimmt uns mit hinter die Kulissen des Wiener Ronachers.
Stell dich bitte zuallererst mal kurz vor!
Hallo, ich bin der Andrea, bin 32 Jahre alt, und ich komme eigentlich aus der Schweiz โ aus Zug. Ich habe aber meine Ausbildung in Deutschland gemacht und leb dementsprechend seit 13 Jahren im Ausland.

Warum wolltest du Musicaldarsteller werden?
Ich habe eigentlich wegen meiner Schwester angefangen. Die hat in einer Company getanzt, und ich war als 8-jรคhriger Junge so begeistert davon, dass ich das auch unbedingt machen wollte. Spรคter kamen dann noch das Schauspielern und Singen dazu. Fรผr mich war allerdings lange nicht klar, dass ich das auch mal beruflich machen werde, aber irgendwann habe ich den Versuch gewagt, mich an einer Hochschule in Hamburg zu bewerben und bin tatsรคchlich genommen worden. So bin ich damals quasi reingerutscht, und jetzt bin ich immer noch dabei.
Was magst du besonders an dem Job?
Es ist immer noch die Leidenschaft, die vor allem durchs Tanzen begann. Und vor allen Dingen ist es so schรถn, zu sehen, wie begeistert das Publikum sein kann und wieviel Freude wir den Zuschauern machen kรถnnen mit etwas, das uns selbst auch so viel Freude macht. Das ist ein wirklich tolles Gefรผhl!
Du bist ja schon seit einiger Zeit in Wien. Bist du gekommen, um zu bleiben?
Anfangs tatsรคchlich nicht. Ich wollte eigentlich nach einem Jahr wieder gehen, aber dann kam Corona und ich musste โgezwungenermaรenโ hierbleiben (lacht). In diesem Sommer habe ich mich dann aber in Wien verliebt, und mittlerweile bin ich total happy, hier zu leben und zu arbeiten. Wenn es mรถglich ist, wรผrde ich auch weiterhin gerne hier meine Base behalten.

Was war dein bisheriges Karrierehighlight?
Hmmโฆ Da gibt es tatsรคchlich zwei fรผr mich: Das eine war Mungojerrie in โCatsโ zu spielen. โCatsโ war das allererste Musical, das ich als Kind gesehen habe. Ich fand das damals so unglaublich inspirierend, und dass ich 15 Jahre spรคter wirklich selbst darin diesen tollen Charakter spielen konnte, fรผhlte sich fรผr mich extrem surreal an. Damals hat sich fรผr mich quasi ein Kreis geschlossen.
Und das zweite war Bert in โMary Poppinsโ zu covern. Das war eine der grรถรten Rollen, die ich bisher spielen durfte, und das hat mir sehr viel Spaร gemacht.
Du bist ja jetzt nicht nur als Swing und Cover in โMaria Theresiaโ mit dabei, sondern auch, neben Jessica Lapp, einer der Dance Captains. Welcher dieser drei Jobs ist fรผr dich die grรถรte Herausforderung?
Das ist gar nicht so einfach zu beantworten, denn als Swing muss man sich oft jeden Tag eine andere Position ins Gedรคchtnis rufen und sie auf die Bรผhne bringen. Das kann auch schon mal sehr herausfordernd sein. Aber nachdem ich mich in MT zum ersten Mal in der Dance Captain-Funktion versucht habe, war diese Aufgabe sicherlich am schwierigsten fรผr mich.

Was macht fรผr dich einen guten Dance Captain aus?
Bevor ich es selber gemacht habe, dachte ich immer, dass ein Dance Captain โdasโ und โdasโ und โdasโ machen muss. Aber ich glaube, das Schwierigste und gleichzeitig das Wichtigste in dem Beruf ist es, gute People Skills zu haben โ also gut mit Menschen umgehen zu kรถnnen. Natรผrlich mรผssen wir auch die Leute dazu bringen, das umzusetzen, was erforderlich ist, aber es kommt viel auf die Art und Weise an, WIE wir das machen. Gleichzeitig versuche ich auch, meinen Kollegen ein gutes Gefรผhl zu vermitteln, dass sie ernst genommen werden, wenn sie mit einem Anliegen auf mich zukommen. Das macht fรผr mich im Wesentlichen einen guten Dance Captain aus.

Wird man fรผr so einen Job eher von Leuten angefragt, die wissen, wie man arbeitet, oder bewirbt man sich da selbst aktiv?
Es gibt beides. Bei โMaria Theresiaโ habe ich mich selbst fรผr diese Assistenten-Position interessiert, weil ich es einfach gerne mal ausprobieren wollte. Aber es gibt natรผrlich auch Leute, die immer wieder gleich in den nรคchsten Job reinrutschen, weil sie eben schon Erfahrung haben und auch zum Beispiel bei der Audition gleich darauf angesprochen werden.
Eure Dance Captain-Arbeit startet ja wahrscheinlich schon VOR der eigentlichen Probenphaseโฆ?
Bei โMaria Theresiaโ war es nicht wirklich so. Es war ja eine Welt-Urauffรผhrung, und wir wussten alle nicht, was auf uns zukommt. Wir haben uns damals zwar ein paar Tage vor Probenstart mit dem Choreografen Jonathan Huor getroffen, und der hat uns seine Vision ein wenig nรคhergebracht. Wir haben dann auch schon ein paar Choreografien ausprobiert, und er wollte auch von uns ein wenig Input haben, um zu sehen, wie wir im kreativen Prozess arbeiten. Aber die eigentliche Arbeit fรผr uns Dance Captains begann dann eigentlich erst, als wir alle zu den Proben zusammengekommen sind.


MT-Cast goes Probebรผhne ยฉUrsulaSimmetsberger
Also ihr habt euch im Vorfeld nicht anders vorbereitet, wie ihr es auch fรผrs Ensemble oder als Swings gemacht hรคttet, und die Dance Captain-Aufgaben kamen dann eigentlich erst bei den Proben dazu?
Ja genau! Gerade bei โMaria Theresiaโ hat sich im Proben-Prozess so unglaublich viel geรคndert, dass es uns auch gar nichts gebracht hรคtte, wenn wir vorher schon alles gewusst hรคtten.

Welche Aufgaben hattet Jessica und du wรคhrend der Probenzeit zu bewรคltigen?
Unsere Aufgabe war es zum Beispiel, eine โBibelโ zu erstellen. Darin ist ersichtlich, wer zu welchem Zeitpunkt wo steht, was fรผr Bewegungen stattfinden, was fรผr Bรผhnenteile von der Cast rumgeschoben werden, welche Requisiten gebraucht werdenโฆ Das alles wird schriftlich dokumentiert und ist heutzutage elektronisch.
Auรerdem mussten wir dem Choreografen assistieren. Bei uns war es konkret so, dass sich Jonathan Huor um alles Kreative gekรผmmert hat und Jessi und ich fรผr alle organisatorischen Ablรคufe verantwortlich waren.
Also er gab uns zum Beispiel die Choreografie vor, und wir mussten dazu die Positionen der Tรคnzer setzen oder ihn auch darauf aufmerksam zu machen, wenn jemand frรผher wegen einem Umzug von der Bรผhne abgehen mussโฆ Also alles Drumherum. Das war zum Teil heftig, weil wir ja das Stรผck auch noch nicht kannten bzw. es uns eben auch selbst gerade beigebracht wurde.
Aufgrund der vielen รnderungen haben wir auch versucht, immer die jeweils neueste Version der Show fรผr Jonathan bereit zu haben. Das hat ihm sehr geholfen, weil er dann wieder basierend darauf seinen โkreativen Zauberโ verstreuen konnteโฆ

Also ihr hattet richtig Mitspracherecht?
Ja, und er hat uns auch oft nach unserer Meinung gefragt. Wir konnten so auch kreativ sehr viel zur Show beitragen.
Seid ihr Dance Captains nur rein fรผrs Tanzen verantwortlich oder auch fรผr so etwas wie Schauspiel und Ausdruck?
Grundsรคtzlich fรผr alles Choreografische, aber wenn in einer Tanznummer auch Schauspielerisches einflieรt, kรถnnen wir da natรผrlich auch Input geben. Ansonsten ist das Schauspielerische im Verantwortungsbereich von Fritz Schmid, unserer Abendspielleitung.

In der Regel probt ihr ja erst lange Zeit nur mit dem Klavier, wenn ihr euch auf eine Show vorbereitet, oder?
Ja, das stimmt tatsรคchlich. Wobei es bei Maria Theresia etwas anders war, da die Komponisten selbst aus der Popmusik kommen, und die hatten schon Tracks vorbereitet, mit denen wir arbeiten konnten. Aber normalerweise probt man erst nur mit dem Klavier, genau. Und auch wenn das oft anfangs โnรผchternโ wirkt, ist es aber auch jedes Mal wieder schรถn, wenn man miterlebt, wie sich durch den Probenprozess das Stรผck aufbaut, wie dann das Orchester dazu kommt und man damit schlieรlich auf die Bรผhne geht.

Wie lang waren eure Arbeitstage wรคhrend der Proben?
Die normalen Probentage gingen immer von 10 bis 18 Uhr. Und fรผr michโฆ ich hab nach den eigentlichen Proben meistens kurz Pause gemacht und saร dann meist noch so bis um 11 nochmal dran โ hauptsรคchlich, um die Bibel zu aktualisieren.
Das Kreativ-Team hatte zwar einen Plan, aber es gab, wie ich auch schon erwรคhnt habe, sehr viele รnderungen. Ich habe Stunden damit verbracht, um immer auf dem neuesten Stand zu sein โ und dann war am nรคchsten Tag wieder alles komplett anders. Das ist Teil des Jobs, ja, aber das war schon wirklich viel Arbeit und mitunter auch oft echt anstrengend.
Trotzdem habe ich es nie bereut, dass ich mich jetzt in der Position als Dance Captain Assistant ausprobieren kann. Ich wurde natรผrlich in den vergangenen Monaten mit vielen neuen Herausforderungen konfrontiert, aber es macht mir sehr viel Spaร und ich bin wirklich froh, dass ich diese Erfahrung machen kann.
Demnรคchst kรถnnt ihr hier erfahren, welche Aufgaben ein Dance Captain im laufenden Theater-Betrieb zu bewรคltigen hat, und wir verraten euch noch weitere interessante Details รผber Andreas Jobs bei โMaria Theresiaโ.
Redaktion: Sabine Simmetsberger
Categories: Backstage















