DerKulturBlog-Talk

DerKulturBlog-Talk mit Steven Preisner

Hallo Steven, stell ich bitte kurz vor.

DerKulturBlog-Talk mit Steven Preisner
(c)  Florian Gibki


Hi, ich bin Steven Preisner – Schauspieler und Drehbuchautor aus Potsdam. Ich bin mit meiner Mission unterwegs, mehr reale Körperbilder in den deutschen Medien sichtbar zu machen. Also weniger Hochglanz-Filter, mehr echtes Leben. Das ist manchmal anstrengend, aber meistens ziemlich befriedigend.

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(c)  Florian Gibki

Du hast eine klassische Schauspielausbildung, hast aber auch Theaterpädagogik und Grundschullehramt studiert. Inwiefern hilft dir dieser pädagogische Hintergrund heute dabei, Charaktere zu verstehen oder Drehbücher zu schreiben?
Wenn Inhalte nicht nur unterhalten, sondern im besten Fall auch etwas lehren, sind sie für mich besonders wertvoll. Mein pädagogischer Hintergrund prägt meine Arbeit bis heute – sowohl vor als auch hinter der Kamera. Ich liebe es, Konzepte für Kinder zu entwickeln oder selbst in Kinderformaten wie Löwenzahn, Schloss Einstein oder Siebenstein zu spielen. Dort merkt man sehr schnell, ob eine Figur ehrlich ist, denn Kinder verzeihen keine Unaufrichtigkeit.
Die Theaterpädagogik hilft mir dabei, Figuren ernst zu nehmen, ohne sie zu verkopfen, und ihre Motivation klar zu verstehen: Warum handelt jemand so, wie er handelt? Diese Frage ist beim Schreiben genauso entscheidend wie beim Spielen. Gleichzeitig habe ich mir meine kindliche Spielfreude bewahrt – diese Lust am Ausprobieren, Scheitern und Neuentdecken. Und ganz ehrlich: Wer keinen Spaß mehr am Spielen hat, sollte vielleicht keinen Schauspielberuf ergreifen.


Von „Schloss Einstein“ bis hin zu „Werwölfe“ in der ARD – du bist in sehr unterschiedlichen Formaten zu sehen. Welches Genre fordert dich persönlich am meisten heraus?
Reality-Formate sind für mich eine ganz eigene Disziplin und fordern mich auf eine andere Weise als klassische Schauspielprojekte. Hier laufen 24 Stunden am Tag Kameras, und man hat keinerlei Kontrolle darüber, was am Ende im Schnitt landet. Beim Schauspiel weiß ich in der Regel sehr genau, was von mir erwartet wird und welche Geschichte erzählt werden soll. Im schlimmsten Fall wird eine Szene gekürzt oder fällt raus – ärgerlich, aber kalkulierbar. Bei Reality-Formaten gibt man diese Kontrolle komplett ab.
Gleichzeitig liegt genau darin der Reiz. Bei Werwölfe zum Beispiel komplett auf sich selbst zurückgeworfen zu sein – ohne Handy, ohne Ablenkung, ohne Außenwelt – ist eine extreme, aber sehr ehrliche Erfahrung. Man wächst daran und lernt sich ungefiltert kennen.
Genauso liebe ich es aber, mich maximal von mir selbst zu entfernen und Figuren zu spielen, die mit meinem eigenen Leben nichts zu tun haben: Mörder, Familienväter oder Computer-Nerds. Dieser Rollenwechsel ist für mich pure Freiheit. Und auch wenn ich privat leider kein unbegrenztes Technik-Wissen habe, spiele ich solche Figuren umso lieber – genau dafür mache ich diesen Beruf.

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(c)  Florian Gibki

Du schreibst auch eigene Drehbücher. Wenn du unbegrenztes Budget hättest: Welche Geschichte müsstest du unbedingt als Nächstes erzählen?
Ich liebe es, Konventionen aufzubrechen und Klischees nicht zu bedienen, sondern zu hinterfragen. Mein Ziel ist es, den Blick zu schärfen und realistische Abbilder unserer Gesellschaft zu zeigen – aber ohne erhobenen Zeigefinger. Humor ist für mich dabei die stärkste Waffe.
Aktuell schreibe ich an einer Serie über eine Co-Parenting-Familie: Zwei beste Freunde ziehen gemeinsam ein Kind groß. Die zentrale Frage lautet: Was, wenn die größte Liebesgeschichte keine romantische ist? Im Sitcom-Stil, mit Einflüssen von Will & Grace und Fuller House, erzähle ich von freundschaftlicher Liebe, echter Verbundenheit und einem modernen Familienmodell. Die Eltern haben keinerlei sexuelle Gefühle füreinander – die männliche Hauptfigur steht auf Männer, die weibliche auf Frauen – und lieben sich dennoch bedingungslos. Es geht um Individualität, Zusammenhalt und die Erkenntnis, dass Familie viele Formen haben kann. Und ja: Es darf dabei gelacht werden.

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(c)  Florian Gibki

Du setzt dich aktiv gegen „dicke Klischees“ und für echte Vielfalt in den Medien ein. Wo siehst du aktuell die größte Baustelle in der deutschen Filmlandschaft?
Früher habe ich häufig Drehbücher bekommen, in denen Rollenbeschreibungen klangen wie: „Er sitzt verschwitzt auf dem eingedrückten Sofa vor dem Fernseher, eine fettige Pizza liegt auf dem Couchtisch. Genüsslich greift Fat-Sammy nach einem weiteren Stück.“ Diese Art der Darstellung ist zum Glück seltener geworden.
Kleine Randnotiz: Dicke Menschen wissen, dass sie dick sind. Und das Publikum sieht das auch. Trotzdem werden dicke Schauspielende immer noch viel zu oft als „lustiger Sidekick“ oder als „Opfer“ besetzt – beides nervt mich enorm. Nicht jede dicke Person ist ständig gut gelaunt, und niemand muss automatisch bemitleidet werden.
In der Schauspielschule wurde mir gesagt, ich würde vermutlich nie einen Liebhaber spielen. Stimmt – habe ich bisher auch noch nicht. Aber warum eigentlich? Auch dicke Menschen lieben, begehren und haben Sex. Dass das in deutschen Medien kaum stattfindet, finde ich schade. Ich wünsche mir mehr Normalität: Körper abseits gängiger Schönheitsideale, ohne große Erklärung, ohne moralische Keule. Einfach da.

Wenn dieses Interview ein Soundtrack wäre, welcher Song müsste im Hintergrund laufen, während man deine Antworten liest?
Imagine Dragons – Whatever It Takes

#privat

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(c)  Florian Gibki

Frühaufsteher oder Morgenmuffel?
Frühaufsteher – leider.

Ein perfekter Tag beginnt für mich immer mit?
Pancakes mit Heidelbeeren

Zu welcher Uhrzeit bist du am kreativsten?
Gegen 9 Uhr – da ist mein Kopf noch nicht vom Alltag überfahren.

Beschreibe dich in 3 #hashtags
#spielhungrig #ehrlich #optimistisch

Ergänze folgende Sätze:

In zehn Jahren möchte ich auf heute zurückblicken und sagen können…
Ich habe auf mein Herz gehört und alles gemacht, was ich wollte – nicht zugehalten oder vertagt, sondern umgesetzt

Schwach werde ich bei …
Donuts, meinem Freund und meinem Hund. In genau dieser Reihenfolge – je nach Tagesform.

Besonders stolz bin ich auf …
Nicht aufgegeben zu haben und immer wieder neuen Mut gefunden zu haben, auch wenn es zwischendurch echt wackelig war.

Gibt es etwas, was du so gar nicht kannst?
Vieles. Vor allem kann ich nicht lügen – selbst dann nicht, wenn es manchmal deutlich einfacher wäre.

Was hast du dir in letzter Zeit gegönnt?
Eine Thai-Massage. Die wirkt manchmal wirklich wahre Wunder.

Welche Frage wird dir selten oder nie gestellt, die du aber gerne hier mal beantworten möchtest?
Was wäre, wenn alles genauso laufen würde, wie du es dir wünschst? Die Antwort darauf habe ich auch nicht … ein Glück, dass mir diese Frage so selten gestellt wird

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