Als stünde Tina Turner selbst auf
der Bühne!

Das Musical TINA gastiert derzeit im Theater 11 in Zürich. Die englischsprachige Tour über das Leben der berühmten Sängerin begeistert das Publikum und reißt es spätestens zum großen Finale von den Sitzen.


Das Musical wurde von Tina Turner selbst mitentwickelt und lässt keine noch so schmerzhafte Erfahrung ihres Lebens aus. Die Geschichte beginnt in Nutbush: Als Anna Mae Bullock aufgewachsen, von der Mutter verachtet und vom Vater verstoßen, lebt sie bis zu ihrem 17. Lebensjahr bei ihrer Großmutter. Anschließend zieht sie nach St. Louis zu ihrer Mutter und ihrer Schwester Alline. Dort lernt sie bei einem Abend im Club Ike Turner kennen.

Dieser ist begeistert von ihrer Stimme und holt sie zu sich. Er gibt ihr den Künstlernamen „Tina Turner“, unter welchem sie bis heute weltbekannt ist. Schon bei den ersten Proben neuer Songs zeigt sich Ikes cholerisches und aggressives Wesen: Er hält alle um sich herum klein und denkt nur an seine eigenen Vorteile sowie die seiner Band „Kings of Rhythm“. Aus diesem Grund überredet er Tina auch, ihn zu heiraten. Sie stimmt zu, hat allerdings noch eine Affäre mit dem Musiker Raymond Hill, von dem sie ein Kind erwartet. Als Ike das herausfindet, greift er sie körperlich an und wirft Raymond aus der Band. Tina darf ihr Kind zwar behalten, muss aber weiter auftreten und Songs im Studio einsingen.

Die neue Tourmanagerin Rhonda steht ihr dabei als Freundin zur Seite, ebenso wie die Background-sängerinnen, die ihr immer wieder zur Flucht vor Ike raten. Erst nach einigen Jahren und einem Suizidversuch schafft sie es, Ike die Stirn zu bieten und flieht nach einem brutalen Kampf vor ihrem Ehemann.
Alles, was sie in diesem Moment besitzt, sind 36 Cent und ihr Name. Sie muss sich ein neues Leben aufbauen, bekommt aber immer wieder Schreiben von Ikes Anwälten, die ihr verbieten, ihre alten Songs zu singen. Sämtliche Plattenlabels lehnen sie ab, sie hält sich mit Putzjobs über Wasser und versteckt ihre mittlerweile zwei Kinder bei ihrer älteren Schwester Alline Bullock.
Durch Zufall lernt sie Roger (Davies) kennen, einen Musikmanager, der auch ein großer Fan von ihr ist.
Roger besucht sie bei einem Auftritt in Las Vegas und übernimmt ihr Management. Nach vielen Absagen der Plattenlabels schafft er es schließlich, sie wieder auf die große Bühne zu bringen. Während dieser Zusammen-arbeit lernt sie auch Erwin Bach kennen, ihren späteren Ehemann, der in der Marketingabteilung tätig ist. Schnell merken die beiden, dass sie eine tiefe Verbindung haben und der Altersunterschied keine Rolle spielt. Erwin unterstützt Tina und steht ihr bei – so auch bei ihrem großen Auftritt zum Finale der Show, bei dem sie vor einem Millionenpublikum „Simply the Best“ singt.

Das Musical zeigt sehr deutlich und mit vielen emotionalen, teilweise drastischen Szenen, wie schwer der Weg von Tina bis zu ihrem heutigen Status war und wie stark sie immer sein musste – als Kind, in ihrer Ehe und in ihrer Karriere. Das Publikum leidet mit ihr, lernt die Künstler-Legende von einer ganz anderen Seite kennen, feiert am Ende ihren Erfolg und darf sie noch einmal auf der Konzertbühne bewundern.
Die Inszenierung des Musicals wurde seit der Uraufführung 2018 in London leicht verändert. Bei Ikes erstem Auftritt im Club wurden zwei Songs ausgetauscht; die Szene in einem Diner, in dem sie aufgrund ihrer Hautfarbe nicht bedient wurden, wurde gestrichen und durch eine Situation ersetzt, in der sie von einer Motelbesitzerin abgewiesen werden und im Auto übernachten müssen. Auch das Opening wurde angepasst: Man sieht nun, wie Tina im Blickkontakt mit ihrem jüngeren Ich quasi in der Zeit zurückgeht und die Geschichte in der Kindheit beginnt.

Diese Version hatte erstmals 2020 in Holland Premiere und wurde in alle folgenden Aufführungen übernommen – so auch in der Londoner Fassung und der deutschsprachigen Version beim Umzug von Hamburg nach Stuttgart. Bei allen Ensuite-Produktionen ist das Bühnenbild nahezu identisch; bei der aktuellen Tour musste man allerdings auf die Drehbühne und einige größere Bühnenelemente verzichten. Auch die Hintergründe werden nun ausschließlich auf eine Leinwand projiziert und kommen nicht mehr von oben oder aus dem Boden.


Tobi war bei zwei Vorstellungen – deshalb 2 Cast Listen
Das alles macht das Musical aber keineswegs schlechter. Im Gegenteil: Es lenkt die Aufmerksamkeit noch mehr auf die grandiose Besetzung. Es wirkt, als stünde Tina Turner selbst auf der Bühne! Alle Darsteller sind sehr gut auf ihre realen Vorbilder abgestimmt und wirken durch die zeitgenössische Mode, Perücken und markante Gestik wie das Original.
Die Musik wird in jeder Show live von einer Band hinter der Bühne gespielt, welche beim großen Finale auch zu sehen ist und das Konzerterlebnis perfekt macht. Die Show enthält jede Menge großer Hits: Von den frühen Ike-Turner-Songs bis hin zu „Proud Mary“, „What’s Love Got to Do with It“ oder „Private Dancer“ wurden sämtliche bekannten Lieder perfekt in die Geschichte eingebunden – mal als Konzertmoment mit originalen Choreografien, mal um die Handlung zu unterstreichen.

„TINA – The Musical“ ist nach dem Ende der Tour und dem Standort Zürich Anfang Mai erst einmal nur noch in Brasilien zu erleben. Ein Comeback auf eine Bühne im deutschsprachigen Raum wäre für alle Fans der Musik-Ikone auf jeden Fall wünschenswert!
Tina Turner ist und bleibt: Simply The Best!

Für DerKultur.blog vor Ort
Tobias Berger
Categories: Veranstaltungs-Tipps
















